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THE GETTY RESEARCH INSTITUTE LIBRARY

Halsted VanderPoel Campanian Collection

AUSFÜHRLICHES LEXIKON

DER

GRIECHISCHEN UNI) RÖMISCHEN

MYTHOLOGIE

IM VEREIN MIT

TH. BIRT, 0. CRUSIUS, W. DEECKE, F. DENEKEN, W. DREXLER, R. ENGELMANN, A. FURTWÄNGLER, J. 1LBERG, 0. IMMISCH, A. KLÜGMANN(f), MAX. MAYER, 0. MELTZER, ED. MEYER, R. PETER, A. PREUNER, K. PURGOLD, A. RAPP, TH. SCHREIBER, Iv. SEELIGER , II. STEUDING, II. W. STOLL, L. v. SYBEL, E. THRÄMER, P. WEIZSÄCKER, L. WENIGER, G. WISSOWA, E. WÖRNER U. A.

HERAUSGEGEBEN VON

W. H. ROSCHER.

ERSTER BAND.

MIT ÜBER 500 ABBILDUNGEN UNI) EINER GENEALOGISCHEN TAFEL.*

LEIPZIG,

DRUCK UND VERLAG VON B. G. TEUBNER. 1884—1890.

Eu(pi]f.ielv /Qi} yaqLotuo&cu tolg ij/usteQoiot /oyotöiv, Zotig u7tei(jog touovöe Aoycuv ij yviL/ut] /uij ya&(X(jsöeiy i) yervutiuv o (jyia \_f.iu9' cüv] f.i i\t * eidev f.n)ty i/o (Jtuotv.

Y orrede.

Uber Zweck und Plan dieses Lexikons, welches bestimmt ist das treffliche aber bereits in unzähligen Punkten veraltete und unvollständige Werk von Jacobi (Koburg und Leipzig 1835) zu ersetzen, habe ich mich schon in den Mitteilungen der B. G. Teubnerschen Verlagshandlung vom Jahre 1879, Heft Nr. 2, sowie im Prospektus dieses Werkes zur Genüge ausgesprochen. Ich wiederhole, dafs es uns bei der Ab- fassung der einzelnen Artikel in erster Linie auf eine möglichst objektive, knappe und doch vollständige, stets auf die Quellen gegründete Darstellung der litterarisch überlieferten Mythen unter gehöriger Benutzung der Monumente der bildenden Kunst, sowie der betreffenden Kulte ankommt. Die Deutung steht für uns erst in zweiter Linie: sie ist nur da ausführlich gegeben oder der Darstellung zu Grunde gelegt worden, wo sie sicher oder doch sehr wahrscheinlich ist. Um auch kunstmythologischen Ansprüchen einigermafsen genügen zu können, sind dem Texte zahlreiche Abbildungen ausgewählter, besonders charakteristischer Monumente darunter viele unedierte einverleibt worden. Dafs auch die für Hellas und Born wichtigeren ausländischen, namentlich orientalischen und etruskischen Mythen und Kulte mit zur Darstellung kommen mufsten, verstand sich bei dem auf möglichste Vollständigkeit abzielenden Plane des Werkes von selbst. Die betreffenden Artikel der Herren Ed. Meyer, Professor für alte Geschichte in Halle a./S., und Dir. Dr. Deecke in Buchsweiler dürften in der That als eine höchst wertvolle Ergänzung des Lexikons allseitig mit Freuden begrülst werden.

Dafs ein solches Werk heutzutage ein wahres Bedürfnis ist, wird wohl all- gemein zugestanden werden und ist mir auch schon von vielen philologischen und archäologischen Autoritäten bestätigt worden. Ist doch seit nunmehr 30 Jahren in Deutschland kein gröfseres, das Gesamtgebiet der klassischen Mythologie umfassendes Werk erschienen, so dafs eine neue, den grofsartigen Fortschritten der Altertumswissen- schaft, namentlich der Kunstarchäologie und Inschriftenkunde einigermafsen gerecht werdende und das massenhafte Material möglichst zusammenfassende Darstellung ent- schieden notwendig erscheint; andererseits dürfte bei der fast unendlichen Fülle der Mythen und Kulte und bei dem beklagenswerten Mangel an tiefer eindringenden For- schungen hinsichtlich ihrer Zusammengehörigkeit und ursprünglichen Bedeutung ein Lexikon weit eher zu einer einigermafsen vollständigen Zusammenfassung des Stoffes geeignet sein als das zuerst von mir angekündigte systematische Handbuch, da ein solches im günstigsten Falle nur die Hauptgötter und Hauptheroen behandeln kann, den gröfsten Teil der kleineren Mythen aber beiseite lassen mufs. Die Kraft eines einzigen Mannes, möge sie noch so grofs sein, reicht eben nicht aus, um alle in

VI

Vorrede.

Betracht kommenden Mythen und Kulte systematisch zu behandeln. Um 'das Gesagte recht augenfällig zu beweisen, bemerke ich, dafs selbst in den beiden besten und relativ vollständigsten systematischen Handbüchern der griechischen und römischen Mythologie zusammen nach Ausweis der Register kaum 300 A-namen behandelt sind, während unser Lexikon (die verschiedenen Homonymen mitgerechnet) deren über 1400 enthält. Hierzu kommt noch der praktische Gesichtspunkt, dafs ein Lexikon zu rascher und zugleich sicherer Orientierung weit geeigneter ist als ein systematisches Handbuch, aus dessen Registern häufig erst mühsam die sämtlichen Stellen gesammelt werden müssen, an denen der betreffende Mythus behandelt ist.

Bald nachdem ich die Ausarbeitung begonnen hatte, wurde es mir klar, dafs ein so umfangreiches Werk, wenn sein Erscheinen nicht bis ins Unabsehbare verzögert werden sollte, nicht von einem Einzelnen, sondern nur von einem Vereine mehrerer Gelehrter geschaffen werden könne. Es war daher mein eifriges Bestreben, dem Buche die Mitwirkung einer Anzahl tüchtiger, ja hervorragender Männer zu sichern, welche sich bereit finden liefsen, nach den angegebenen Gesichtspunkten zu arbeiten. Die Mit- arbeiter am ersten Bande sind folgende Herren:

Gymnasialdirektor Prof. Dr. Bernhard in Dresden, Professor Dr. Th. Birt in Mar- burg, Professor Dr. 0. Crusius in Tübingen, Gymnasialdirektor Prof. Dr. W. Deecke in Buchsweiler, Gymnasiallehrer Dr. E. Deneken in Berlin, Bibliothekar Dr. W. Drexler in Halle a./S., Oberlehrer Dr. R. Engelmann in Berlin, Professor Dr. C. Fleischer in Meifsen, Professor Dr. A. Furtwängler in Berlin, Geh. Hofrat Dr. Gädechens

in Jena, Oberlehrer Dr. Greve in Fellin, Oberlehrer Dr. Helbig in Bautzen, Dr.

P. Herrmann in Berlin, Oberlehrer Dr. Höfer in Dresden, Oberlehrer Dr. J. Ilberg in Leipzig, Dr. A. Klügmann (•]*) in Rom, Dr. E. Kuhnert in Königsberg, Oberlehrer Di\ Lehnerdt in Königsberg, Gymnasialdirektor Prof. Dr. 0. Meitzer in Dresden, Professor Dr. Ed. Meyer in Halle a./S., Oberlehrer Dr. G. Oertel in Leipzig, Biblio- thekar Dr. R. Peter in Münster, Professor Dr. A. Preuner in Greifswald, Gymnasial- direktor Prof Dr. A. Procksch in Eisenberg, Oberstudienrat Prof. Dr. A. Rapp in Stuttgart, Dr. B. Sauer in Athen, Direktorialassistent Dr. Ohr. Scherer in Braun- schweig, Professor Dr. Schirmer in Eisenberg, Museumsdirektor Prof. Dr. Th. Schreiber in Leipzig, Gymnasiallehrer Dr. A. Schultz in Hirschberg, Professor Dr. K. Seeliger

in Meifsen, Oberlehrer Dr. H. Steuding in Wurzen, Professor Dr. H. W. Stoll in

Weilburg, Professor Dr. L. von Sybel in Marburg, Privatdozent Dr. E. Thrämer in Strafsburg, Gymnasiallehrer Dr. K. Tümpel in Neustettin , Direktorialassistent Dr. J. Vogel in Leipzig, Dr. F. A. Voigt in Göttingen, Gymnasialdirektor Prof. Dr. P. Weizsäcker in Calw, Professor Dr. Wilisch in Zittau, Professor Dr. G. Wissowa in Marburg, Oberlehrer Dr. W olff in Chemnitz, Konrektor Prof. Dr. W örner in Leipzig.*) Dafs der bekannte Spruch des Terentianus Maurus „habent sua fata libelli“ nicht blofs für die vollendeten, sondern auch für die noch im Entstehen begriffenen

*) Für den zweiten Band haben aufser der Mehrzahl der schon genannten Mitarbeiter noch folgende Herren wichtigere Artikel übernommen: Dr. Leo Bloch (Berlin): Demeter, Per- sephone, Triptolemos; Prof. Dr. Drefsler (Wurzen): Triton; Dr. Eninann (Petersburg): Leto, Niobe, Zeus (mythol.); Oberl. Dr. Gläfser (Leipzig): Sternbilder; Dr. P. Hirsch (Königsberg): Theban. Kriege; Dr. M. Ihm (Rom): Matronae u. s.w.; Privatdozent Dr. Immisch (Leipzig) : Kerberos, Kory- banten, Kureten, Manto, Neleus, Palinuros, Phineus, Pyramos, Sarpedon,, Sinon, Teukros, Thisbe, Thoas; Oberl. Dr. Lorentz (Wurzen): Terambos u. s. w.; Dr. Maxim. Mayer (Berlin): Kottos, Luft- göttin, Parthenopaios, Personifikationen, Perseus, Tyche u. s. w. ; Prof. Dr. Pietschmann (Göttingen) : Thoth; Museumsdirektor Dr. Purgold (Gotha): Nike, Phaethon, Poseidon (kunstmythol.) u. s.w.; Prof. Dr. Studniczka (Freiburg): Kyrene; Dir. Dr. Weniger (Weimar): Iphitos u. s. w. Vgl. Mitteil. d. B. G. Teubnerschen Verlagshandlung 1889 S. 36.

Vorrede.

VII

Bücher Geltung habe, besonders wenn sie so umfangreich sind und so langdauernde Vorbereitung und Arbeit beanspruchen wie unser Lexikon, das hat auch der Unter- zeichnete Herausgeber natürlich zur Genüge erfahren müssen. Hat doch die Vor- bereitung des Ganzen nicht weniger als fünf, die Drucklegung und Herausgabe des ersten nunmehr glücklich vollendeten Bandes gar sechs Jahre voll angestrengter Arbeit erfordert. Es sei dem Unterzeichneten verstattet, aus „der inneren Geschichte“ unseres Lexikons hier nur folgende Thatsache zur Sprache zu bringen. Keinem aufmerksamen Leser und Benutzer des Lexikons wird es entgangen sein, dafs das erste Drittel des ersten Bandes teilweise nicht auf derselben Höhe steht wie die beiden andern Drittel, insofern mehrere wichtige Hauptartikel des Buchstaben A nicht mit derselben Ausführ- lichkeit behandelt sind wie die meisten späteren Artikel von gleicher Bedeutung. Dieser auf den ersten Blick befremdende Umstand findet seine Erklärung und hoffent- lich auch seine Entschuldigung in der anfangs für den Herausgeber mafsgebend ge- wesenen Besorgnis, das ursprünglich laut Prospektus nur auf 17 20 Lieferungen be- rechnete Werk möchte einen zu gewaltigen äufseren Umfang annehmen und deshalb zu schwer und zu langsam den nötigen Absatz finden, auf den ein solches Buch wie das unsere, das sich keiner finanziellen Unterstützung von seiten des Staates oder eines wissenschaftlichen Institutes zu erfreuen hat, doch immer angewiesen ist.*) Dazu kam noch die nahe liegende Erwägung, dafs gerade für die Hauptgötter der Griechen in den trefflichen Handbüchern Welckers und Prellers und in verhältnismäfsig zahlreichen Monographieen schon ziemlich erschöpfende Arbeiten Vorlagen, daher wir unser Haupt- augenmerk auf die mittleren und kleineren Artikel richten zu müssen glaubten. Sobald sich aber zeigte, dafs trotz des immer zunehmenden Umfangs unseres Werkes die Nachfrage nach demselben im In- und Auslande sich steigerte und als schon während des Erscheinens der zweiten Hälfte des ersten Bandes eine ungeahnt hohe Abonnentenzahl erreicht war, da fiel natürlich jene anfangs für die Redaktion mafs- gebend gewesene Befürchtung hinweg, und so konnte auch den weiteren Hauptartikeln ein weit gröfserer Umfang zugestanden werden, als ursprünglich für sie in Aussicht genommen war. Übrigens wird es die Sorge der Redaktion sein, in den als Anhang zum zweiten Bande vorbereiteten Supplementlieferungen, die aufser zahlreichen Nach- trägen und Berichtigungen auch eine zusammenfassende Übersicht über die mytho- graphische und mythologische Litteratur der Alten von Prof. Dr. E. Schwartz (Rostock) und eine Geschichte der neueren mythologischen Theorieen von Oberlehrer Dr. Fritzsche (Schneeberg) enthalten sollen, auch Ergänzungen zu jenen weniger ausführlich ge- haltenen Artikeln des ersten Bandes erscheinen zu lassen, welche dieselben auf die Stufe der übrigen Hauptartikel erheben werden. Endlich wird auch der leider im ersten Bande fehlende Artikel über den Mythus und Kultus des Herakles in diesen Nachträgen zum zweiten Bande seine Stelle finden.**)

Mit tiefstem Bedauern empfindet der Unterzeichnete Herausgeber die Lücke, welche durch den frühzeitigen Tod von Reifferscheid und Klügmann in der Reihe seiner Mitarbeiter entstanden ist, doch ist es ihm ein grofser Trost gewesen, dafs die beiden

*) Ganz ähnlich wie unsern ersten Lieferungen ist es auch den ersten Bänden von Paulys Realencyklopädie der klass. Altertumswissenschaft ergangen, die, jedenfalls aus gleichen Gründen, so viel weniger ausführliche Artikel enthalten als die späteren Bände, dafs die Redaktion und Verlagshandlung sich sogar entschliefsen mufsten, den ersten Band einer vollständigen Um- arbeitung zu unterwerfen.

**) Eine kleinere Anzahl von1 Ergänzungsartikeln hat schon im Anhänge zum ersten Bande geliefert werden können. Es sind folgende gröfsere daraus hervorzuheben: Baal (Ed, Meyer), Besä (Drexler), und Hercules im Kultus (R. Peter).

VIII

Vorrede.

trefflichen Schüler Reifferscheids, die Herren Prof. Dr. Wissowa (Marburg) und Biblio- thekar Dr. R. Peter (Münster), sich freundlichst bereit erklärt haben, die von ihrem verewigten Lehrer übernommenen wichtigen Artikel zur römischen Mythologie in seinem Sinne und Geiste zu vollenden.

Für den rechtzeitigen Nachweis von Lücken und Citierfehlern wird die Redaktion jedem Leser und Benutzer des Lexikons dankbar sein und jede wirkliche Berichtigung oder Ergänzung nach dem Erscheinen des Ganzen in einem Anhänge abdrucken lassen.

Wir hoffen, dafs sich unser Lexikon einerseits als ein notwendiges Hilfs- buch zum Verständnisse der Schriftsteller und Inschriften wie der Monu- mente der bildenden Kunst andererseits als eine brauchbare Grundlage für die weitere mythologische und kunstmythologische Forschung bewähren werde.

An alle Verfasser neuerscheinender mythologischer und kunstmythologischer Untersuchungen richtet die Redaktion die höfliche Bitte, unser Unternehmen durch Zusendung ihrer Arbeiten thunlichst fördern zu wollen.

Schliefslich fühlt sich der Herausgeber gedrungen dem berühmten Numismatiker Herrn Dr. Imkoof-Blumer in Winterthur für seine überaus liebenswürdige Unterstützung unseres Unternehmens den aufrichtigsten Dank auch an dieser Stelle auszusprechen.

Wurzen b. Leipzig im November 1889.

Prof. Dr. W. H. Roscher,

Konrektor am Kgl. Gymnasium zu Wurzen.

Aba ("Aßa, Gen. -org), Name einer Nymplie, mit welcher Poseidon den Ergiskos (s. d.), den Heros Eponymos der thrakischen Stadt Ergiske (später Sergentzis) zeugte: Harpocr. lex. s. v. ’EqyCawri und Etym. M. 369, 54. [Roscher.] Der Name bietet eine Bestätigung für den von Aristoteles b. Strabo 445 bezeugten thrakischen Ursprung der Abanten. [Crusius.]

Abarbaree (’Aßaqßuqiri , vgl. ßöpßo^og) , 1) eine Quellnymphe , Mutter des Aisepos und io Pedasos , welche sie dem Bukolion, einem unehelichen Sohne des Königs Laomedon von Troja, gebar: Hom. 11. 6, 22. Nonn. 15, 377. Orph. Lap. 455. Hesych. s. v. 2) Najade von Tyros, Mutter der Tyrier: Nonn. 40, 363. 542. 572. Vgl. v. Baudissin, Stud. z. semit. Religionsgesch. 2, 157 ff. [Roscher.]

Abäris, is und idis ('Aßägig, -idog und -iog),

1) ein Rutuler, Krieger im Heere des Turnus, welcher von Euryalos, dem Begleiter des Äneas, 20 bei einem nächtlichen Überfalle erlegt wurde: Verg. Aen. 9, 344. 2) Ein Kaukasier und Ge- nosse des Phineus, den Perseus tötete: Ov. Met. 5, 86. 8) Ein Dolione : Val. Fl. 3, 152. [Roscher.] 4) wunderthätiger Arzt und Seher, in einem besonderen Heiligtum (in Sparta?) verehrt nach Strab. 11 p. 531.

[Schreiber.]

Abas, -antis (’Aßceg, Gen. - cevzog und ’Aßa, vgl. Suid. u. Steph. Byz. s. v. ’Aßca) , 1) der 30 zwölfte König von Argos, Sohn des Lynkeus und der Hypermnestra (Pi. P. 8, 571 Apollod.

2, 2, 1. Paus. 2, 16, 2. 10, 35, 1. Dichter b. Schöl. z. Find. Pyth. 8, 73), nach einigen auch des Poseidon oder Chalkon ( Schol . z. II. 2, 536) und der Arethusa (Aristocr. b. St. Byz. s.’Aßuv- zig, Hyg. f. 157.) Vater des Akrisios, Proitos, Kanethos und der Eidomene (Apollod. 2, 2,.

1. 2. Schol. Eur. Or. 965.), auch des Chalkodon (Schol. Eur. Hec. 125) , Grofsvater des Kan- 40 thos und der Danae , Urgrofsvater des Per- seus u. s. w. Seine Gemahlin war Aglaia (Apollod. 2, 2, 1). Er gründete Abai in Pho- kis (Steph. Byz. s. v. ”Aß ca. Paus. 10, 35, 1), ebenso eine Kolonie in Thessalien (Strabo 431) und eroberte als König der Abanten mit die- sen die Insel Euböa (Steph. Byz. s. v. ’Aßccv zig. Schol. z. II. 2, 536 und zu Find. Pyth. 8, 73. Vgl. Bursian in Paulys Bediene} 1, 5 f . Müller Orchomenos 1 386). Besonders berühmt war sein 50 Schild, den einst Danaos der Hera von Argos geweiht, Abas aber, als er seinem Vater Lyn- keus die Nachricht von dem Tode des Danaos überbrachte, von diesem zum Geschenk erhal- ten hatte. Diese Schenkung soll das Prototyp Roscher, Lexikon der gr. u. röm. Mythol.

eines argivischen Festes (’Acnlg ei’Agyovg C. I. Gr. 4, 3 p. 42) gewesen sein, wobei der Sieger keinen Kranz, sondern einen Schild als Preis erhielt* (Hyg. fab. 170 u. 273. Verg. Aen. 3, 286. u. Servius z. d. St. Ov. Met. 15, 163. Vgl. Boeclih expl. Find. p. 175 u. C. Fr. Hermann Gottesd. Alt. § 52, 2 u. die daselbst angeführte Litteratur). [Roscher.] Schild und Kranz mit Inschriften auf Münzen von Argos (Kenner, Sammlung Florian Tafel 3, 6 p. 91. Hieran knüpft sich das Sprüchwort rag zgv sv ’Aqyei ccaniSa na&sXcov asyvvszca. Zenob. 6 , 52. [Schreiber], Endlich scheint Abas nach den An- deutungen des Aristot. Poet. 11 u. 18 imLynkeus efes Tragödiendichters Theodektes eine bedeu- tende Rolle gespielt zu haben, welche sich jedoch nicht mehr mit Sicherheit feststellen läfst (vgl. C. 0. Müller de Lynceis. Gott. 1837). 2) Abas = Iobates (s. d.) nach Mythogr. Vat. 2, 131. 3) Ein Troer, der den Äneas nach Italien begleitete: Verg. Aen. 1, 121. 4) Ein etruskischer Fürst, der dem Äneas Hilfstruppen aus Populonia und Ilva zu- führte: Verg. Aen. 10, 170 u. 427. 5) Ein Trojaner, Sohn des Traumdeuters Eurydamas, von Diomedes erlegt: Hom. II. 5,148. Q.Smyrn. 13, 209. 6) Desgl. von Sthenelos getötet: Q.Smyrn. 11,81. 7) Ein Kentaur, Sohn des Ixion und der Nephele: Ov. Met. 12, 306.

8) Ein Freund des Perseus: Ov. M. 5, 126.

9) Ein Gefährte des Diomedes (s. d.), der von Aphrodite in einen schwanähnlichen Vogel ver- wandelt wurde: Ov. M. 14, 505. 10) Sohn des Melampus, Vater der Lysimache, der Frau des Talaos: Apollod. 1, 9,13. Paus. 1,43, 5. 11) Ein fabelhafter Berg in Erytheia: Apollod. 2, 5,10. 12) Abas (= Ambas?), S. d. Metaneira (s. Askalabos). Schol. Nile. Ther. 484. Davon

Abantiades (’Aßuvzictdrjg), Abkömmling von Abas 1 u. 10, Beiname des Akrisios (Ov. Met. 4, 607), Kanethos (Ap.Bh. 1, 78 u. Schol.), des Idmon, Sohnes von A. 10 (Ap. Rh. 2, 815 u. Herodoros b. Schol. z. Ap. Rh. 1, 139, vgl. auch 1, 142. Orph. A. 188) , des Kanthos , Enkels von A. 1 (Orph. Arg. 142) und endlich seines Urenkels Perseus (Ov. Am. 3, 12, 24. Met. 4, 673. 766 u. ö.). [Roscher].

Abantias, adis (’Aßavzuxg, ccdog), Beiname der Danae, Tochter des Akrisios, Enkelin des Abas (s. d.). [Roscher],

Abderos (’AßSrjqog), Sohn des Hermes (oder Thronikos: C. I. Gr. 5984 C , 14) aus Opus * Nach YergilAen. 3, 28G f. wurdo jener Scliilddes Abas später vom Äneas erbeutet und als Weibgesclieuk am Eingänge des Apollotompels auf Actium aufgehängt.

1

Abellio

Acca

4

und Liebling des Herakles, zugleich Epony- mos der thrakischen Stadt Abdera. Er wurde, als er mit dem Herakles zusammen die Bosse des thrakischen Königs Diomedes erbeutet hatte, von diesen zerrissen, worauf Herakles ihm zu Ehren Abdera gründete und Leichen- spiele stiftete, welche die Abderiten jährlich feierten. Ygl. Philostr. Im. 2, 25. Fr. Osann in Gerhards Benhm. u. Forsch. 1852 N. 42. Hellan. b. Steph. Byz. s. v. ”Aß8r\gu. Apollod. 2, 5, 8. Strab. 331, fr. 44, 47. Scymn. 667. Hyg. f. 30. C. I. G)\ 5984 C. Idol. Hcph. p. 47, 20. 150, 32 Beicher. [Eoscher.] ,

Abellio, Name eines gallischen Gottes, wel- cher auf Ältarinschriften des obern Garonne- thales ( Orelli- Henzen 1952 f.) erscheint. Eine davon lautet: Beo Abellioni Minicia Iusta. V.

5. L. M. [Eoscher.]

Abeona zusammen mit Adeona eine römi- sche Schutzgöttin der. Kinder bei. den ersten Versuchen im Hin- und Herlaufen: Aug. de civ. d. 4, 21 u. 7,3. S. Indigitamenta. [Eoscher.]

Abia (’Aßi'cz), Amme des Glenos, eines Sohnes des Herakles. Sie gründete diesem zu Ire (Tgy Hom.) in Messenien einen Tempel, weshalb der Heraklide Kresphontes später jene Stadt ihr zu Ehren Abia nannte: Paus. 4, 30, 1. [Eoscher.] Curtius, Peloponnesos 2 p. 160. 193 Anm. 33. [Schreiber.]

Abiuius, Name eines gallischen Gottes auf einem bei Nizza (Nicaea) gefundenen Altäre (Orelli- Henzen 6772 . . . ararn posuit deo Abi- nio ). [Eoscher.]

Ableros ("Aßh igog), ein Troer, den Antilo- chos, der Sohn des Nestor, erlegte: Hom. II.

6, 32. Vgl. lies. s. v. v.ßh\gu. [Eoscher.]

Abnoba Diana oder blofs Abnoba, Name

einer Gottheit des Abnoba mons (jetzt Schwarz- wald, Pauly JRealenc. 1, l2, S. 16): Orelli inscr. 1986 u. 4974. [Eoscher.]

Abobas (’Aßwßag), Name des Adonis (s. d.) bei denPergäem: Hesych. u. Ft. M. [Eoscher.]

Absyrtos ('AijjVQZog, "A^vgzog Pherekyd. nach Schol. Für. Med. 167), von Pacuvius bei Cie. N. B. 3, 19, 48. Biod. 4, 45. und Justin. 42,

3 auch Äigialeus, von Timonax b. Schol. Ap. Eh. 3, 1236 auch Phaethon, von Dikaioge- nes bei Schol. Für. Med. 167 Metapontios ge- nannt, Sohn des Aietes, Königs von Kolchis und der kaukasischen Nymphe Asterodeia, s der Tochter des Okeanos und der Tethys, oder der Eurylyte (Ap. Eh. 3, 242 u. Haupakt. b. Schol. z. d. St.), oder einer Nereide (Soph. b. Schol. z. Ap. Eh. 4, 223 u. 3, 242), oder der Hypsea (? Myth. Vat. 1, 204), oder der Hekate (Biod. 4, 45). Die verschiedenen Versionen über seinen Tod lassen sich in zwei Haupt- gruppen teilen. Nach der einen wurde Absyr- tos als kleines Kind von Iason und Medea auf der Flucht von Kolchis mitgenommen und zer- 6 stückelt, um den nachfolgenden Aietes aufzu- halten (vgl. Ov. Met. 7 , 54). Nach Phereky- des geschah die Zerstückelung noch während der Fahrt auf demPhasis, nach Sophokles be- reits im Hause des Aietes (Schol. z. Ap. Eh.

4, 223 u. 228. vgl. Furip. Med. 1334. Kallim. b. Schol. z. d. St. u. Welcher , Griech. Trag. 333 ff.), nach Apollod. 1, 9, 23 f. bei der Fahrt

auf dem Pontos Eux. Die Stadt Tomoi soll ihren Namen dem Grabe des zerschnittenen Leichnams verdanken (vgl. auch Cic. imp. Cn. Pomp. 9, 22. Steph. Byz. s. v. : Togsvg. Ov. Trist. 3, 9, 5 ff. Heroid. 6, 129. 12, 113). Ganz anders lautet die Sage bei Apollonios Eh. 4, 305 ff. (Strabo 315). Derselbe läfst den Ab- syrtos als erwachsenen Mann der Argo auf dem adriatischen Meere entgegenfahren , um sie abzuschneiden. Medea aber lockt den Bru - der in einen Artemistempel auf einer der ’Azpvgzidsg vrjcoL an dfer Küste Illyriens , wo Iason ihn erschlägt. Etwas anders, aber doch ähnlich, berichten Hygin f. 23, 26 und Orph. Arg. 1027 (vgl. auch Steph. B. s. v. ’AtpvgzL- ds g); ganz vereinzelt steht die Angabe des Ehe- tors Leon b. Schol. Furip. Med .■ 167 , nach welchem Absyrtos durch Gift getötet wurde. Die lateinische Schreibung Absyrtus scheint ) auf der verkehrten Ableitung von der Präpos. ab zu beruhen. Weiteres unter Argonaut-ai. Hinsichtlich der Etymologie ist zu verweisen auf Pliilol. Sujopl. 2, 267 ff. und auf Kuhns Z. 9, 176. [Eoscher u. Seeliger.]

Abnmlantia, eine der jüngsten Bildungen die- ser Eichtung, eine Verkörperung des Zustandes, in welchem das Volk sich im Genüsse aller Kul- turgüter befindet und niemand darbt. Eine reli- giöse Verehrung, wie sie für andere Gottheiten i dieses Kreises bezeugt ist, hat sie wohl nie ge- nossen; ihr Bild findet sich auf den Münzen der Kaiser von Elagabal bis auf Maximianus Hercules, und zwar wird sie in typischerWeise dargestellt, wie sie aus einem Füllhorn ihre guten Gaben ausstreut (vgl. Cohen, med. imper. Flagabale 1. Alex. Sev. 2. Gordien le Pieux 207 210. Trajan Bece 1. 2. Gallien 26 28 u. s. w.), selten hält sie auch Ähren in der Hand (Cohen a. a. O. Victorin 1. Tetricus pere 40. 41); ganz vereinzelt und spät ist eine durch ein spezielles Ereignis veranlafste Münzdar- stellung, auf welcher sie Münzen unter das Volk ausstreut (Cohen a. a. 0. Maximien Her- cule 136), immerhin ein Beweis dafür, wie in der späten Zeit die realistische Auffassung an die Stelle der idealeren tritt. | Wissowa.]

Acacallis, Acantlio, etc. s. Akakallis, Akan- tho, etc.

Acca. 1) Acca Larentia, eine altrömische Göttin oder Heroine, deren Mythus mit. den ßagen vom Hercules und Eomulus eng ver- knüpft ist. Mythus, a) Unter der Eegierung des Eomulus oder Ancus Martius (vgl. Gell. N. A. 7, 7, 6. Macrob. 1, 10, 12. 15) lud einst an einem Feiertage der Tempelhüter des Hercules den Gott selbst zum Brettspiel ein unter der Bedingung, dafs der Verlierende dem Gewin- nenden eine Mahlzeit und ein Mädchen ver- schaffen sollte. Als nun Hercules gewann, so richtete ihm der Tempelhüter eine Mahlzeit im Tempel her und führte ihm die schönste und berühmteste Dirne der Stadt zu, nämlich die Acca- Larentia, mit dem Beinamen Fabula (oder Faula vgl. Plut. Q.E. 35. Lactant. 1, 1, 20). Beim Abschied sagte ihr Hercules, sie würde den Lohn von dem Manne empfangen, der ihr frühmorgens beim Hinansgelien zuerst begeg- nen würde. Dieser Mann war ein Tuscer Na-

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Acheloos

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mens Tarutius (so Flut. Augustin ., nicht Ca- rutius Macrob.), der sie zur Frau nahm und ihr nach seinem Tode reichen Grundbesitz ( agros Turacem, Sumurium , Lutirium [ Momm - sen ] et Solinium nach Cato b. Macrob. S. 1, 10, 16) hinterliefs. Als Larentia starb oder verschwand ( illa non comparente Augustin. Is- ysxca . . cccpccvij ysvs aftcu Flut. Rom. 5), vermachte sie ihre Güter dem Romulus oder dem römi- schen Volke (vgl. Macrob. S. 1, 10, 12 f., der sich auf Cato beruft; Antias b. Gell. N. A. 7 (6), 7; Pint. Rom. 4, 5; Qu. R. 35; Verrius Flaccus im pränestinischen Kalender. Lactant. 1, 20, 5; Tertull. ad Nat. 2, 10; August. C. 1). 6, 7). b) Nach einer anderen wahrscheinlich von Macer erfundenen Sage ( Mommsen ) war Acca L. die Gattin des Faustulus und Amme des Romulus und adoptierte diesen, als einer von ihren 12 Söhnen, den sogen, fratres Ar- vales, gestorben war. Seit dieser Zeit bestand in Rom das Kollegium der 12 arvalischen Brü- der, deren priesterliches Abzeichen ein Ähren- kranz und eine weifse Binde ispicea corona et alba infula ) war (vgl. Masurius Sabinus b. Gell. N. A. 7 (6) 8; Plin. n. h. 18, 6; Rutilius Geniinus (?) b. Fulgent. 9 p. X Lersch. Mehr b. Mommsen, die echte u. d. falsche AccaL. S. 102 ff., der Macers Auffassung der Acca auf den Dop- pelsinn von lupa und die alte römische Grün- dungslegende von der Wölfin als Amme des Romulus zurückführen will. Kultus. Jedes Jahr opferte ihr der Flamen Quirinalis mit den Pontifices zusammen an ihrem Grabe, das sich auf demVelabrum befand, die üblichen Toten- spenden (vgl. Gell. a. a. O. Varro de 1, l. 6,23; Flut. Rom .41'. ; Q. R. 24, 35; Macrob. a. a. 0. u. s. w. Mommsen, die echte u. d. falsche Acca L. S. 94 ff. Marquardt , Rom. Staatsverwaltung 3 S. 322, 5). Der 23. Dezember (nach C. I. L. I p. 375. Macrob. S. 1, 10, 10 auch als feriae Iovi bezeichnet) hatte davon den Namen La- rentalia [oder Larentinalia] erhalten ( Festi ep. p. 119, 1. Lactant. Inst. 1, 20, 4. Varro de 1. 1. 6, 23. Ovid. f. 3, 57; Macrob. 1, 10, 11. Marquardt a. a. 0. S. 564). Nach Plut. Q. R. 35 u. Rom. 4 wurde Acca L. als Amme des Romulus auch im April verehrt (vgl. J lomm- sen a. a. 0. S. 101 A. 30). Litteratur. Har- tung Rel. d. R. II 144 ff. Preller r. M.3 2, 26 ff. Pciuly, Realenc. I2 1, 33 f. Schwegler, Rom. Gesell. I S. 431 ff. Mommsen , die echte u. d. falsche Acca L. in Festgaben f. G. Homeyer , Berl. 1871. S. 93 ff. Fm. Hofmann, Die Arval- brüder , Abclr. aus d. Verhandl. der XVII. Vers, d. Philol. zu Breslau, Breslau 1858. Preuner, flestia- Vesta (1864) S. 382 ff. Marquardt a. a. 0. 429f. Deutung: Eine vollständige Deutung der Mythen von AccaL. ist bei der Verworren- heit ihrer Legende und der Mangelhaftigkeit der Überlieferung, nicht wohl möglich. Echt- mythisches und Ätiologisches scheint in die- sem Falle vermischt worden zu sein. Der Name Acca bedeutet wahrscheinlich Mutter (vgl. Skr. akka, gr. ’Akkcö Fick Wörterb. 2 S. 1). Der Zusatz Larentia bezeichnet wohl die Mutter der 12 Laren der Stadtflur, deren Vertreter vielleicht die 12 arvalischen Brüder, die der Mythus Söhne der Acca nannte, sein sollten.

Wenn Mommsen a. a. 0. S. 94 A. 3 jeden Zu- sammenhang von Larentia und Läres wegen verschiedener Quantität des a leugnet, so ist dies zwar beachtenswert, aber nicht beweisend. Vgl. Corssen Aussprache 2, 69. Auch Romulus und Remus scheinen als Zwillingslaren verehrt worden zu sein ( Preller r. M. 1 695). Jeden- falls deutet der vielleicht spät erfundene Mythus von der Adoption des Romulus an Stelle eines der arvalischen Brüder auf das Bedürfnis hin den Romulus mythisch mit diesem uralten Kol- legium und somit auch mit der Acca L. zu verbinden. Der eigentümlichen Sage von dem Verhältnis der Acca zum Hercules dagegen mögen gewisse Gebräuche, wie wir sie auch aus dem Kultus der Flora kennen ( Marquardt a. a. 0. S. 364, 1), zu Grunde liegen. Über- haupt ist diese Göttin in ihrem Wesen der Acca nahe verwandt, wie schon aus dem Um- stande erhellt, dafs von ihr fast dieselbe Le- gende wie von jener erzählt wurde ( Lactant . 1, 20, 5). Vielleicht war die Acca L. ursprüng- lich mit der Dea Dia identisch, worauf na- mentlich ihre beiderseitige Berührung mit dem Kultus der Arvalen hinweist. 2) Acca, Freun- din der Camilla, der Königin der Volsker. Verg. Aen. 11, 820 ff. [Roscher.]

Acestes s. Äigestes.

Acliaios (Axaiog), Sohn des Xutlios und der Kveusa, Stammvater der Achäer, Bruder d. Ion. ( Apollod . 1, 7, 3. Strab. 383. Paus. 7, 1, 2 ff.). Nach Dion. Hai. 1, 17 war er der Sohn des Poseidon und der Larisa, nach Scliol. II. 2, 681 u. Eust. z. d. St. des Haimon (nicht Ammon), nach Serv. Verg. Aen. 1 , 242 des Zeus und der Phthia. Sein Sohn hiefs Phthios nach Steph. Byz. s. v. 'Ellas. [Roscher.]

Acliareus (A%<xqsvs ?) , ein Pankratiast , mit welchem Herakles in Olympia kämpfte. Hyg. f. 273. [Roscher.]

Achates (Axüzgg) 1). der bekannte treue und tapfere Gefährte des Äneas, welcher auch für den Erleger des Protesilaos galt: Scliol. II. 2, 701. Eust. ad II. 326, 5. Verg. Aen. 1, 120 u. öfter. Ov. Fast. 3, 603. Wahrscheinlich hat Vergil die Person des Achates nicht frei er- funden, sondern griechischen Quellen entlehnt. Mehr b. Klausen Aeneas 477 ff. 2) Ein Tyr- rhener im Gefolge des Bacchus bei seinem Zuge nach Indien: Nonn. 13, 309. 37, 350 öf- ter. [Roscher.]

Acheles (Axslrjg) , Sohn des Herakles und der Omphale nach Scliol, II. 24, 616. Nach anderen hiefs er ’Anslgg ( Hellan . b. Steph. Byz.) oder ’Alnaio g ( Herocl . 1, 7.), oder ’Ayshxog ( Apol- lod. 2, 7, 8). S. Preller gr. M. 2 2, 283, 5. [Roscher.]

Acheletides (Axslrjzidsg), wahrscheinlich die Nymphen des lydischen Flusses ’A%ilr\s bei Smyrna : Panyasis b. Scliol. II. 24,616. [Roscher.]

Aclieloides (’Axslco'l'Ssg und ’AxslondSsg) 1) die Seirenen als Töchter des Acheloos (s. d.): Ap. Rh. 4, 893. Ov. Met. 5, 552. 14, 87. Sil.

It, 12, 34. 2) die Najaden des Acheloos : Verg. Cop. 15. 3) Quellnymphen überhaupt Colum. 10, 263. [Roscher.]

Acheloos (Axslmog, -dno g), der Gott des Flusses Acheloos (j. Äspropotamo), des gröfs-

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Acheloos

Acheloos

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ten Flusses von Griechenland, der, auf dem Gebirge Lakmon entsprungen, reifsenden Lau- fes mit hellem Wasser ( txQyvgoSLvrjg , Hesiod. Gallim. in Cer. 13. Dionys. Per. 433, infolge des weifsen Bodens seines Bettes) südwärts zwischen Akarnanien u. Atolien durch frucht- bare Ebenen dem ionischen Meere zufliefst. Er ist der Sohn des Okeanos und der Tethys und der älteste der 3000 Bruderflüsse, Hes. Theog. 340. Akusilaos b. Macrob. Sat. 5, 18, 10. (fr. 11 a Mueller) Hyg. praef. p. 28 Bunte. Tzetz. Dyk. 712. Auch hiefs er Sohn des He- lios und der Gaia, oder des Okeanos und der Gaia, Nat. Com. 7, 2. vgl. Serv. z. V. Ge. 1, 8. Flut, de fltw. 22, 1 nennt ihn Sohn des Okea- nos und einer Najade und läfst ihn sich in den Flufs Thestios stürzen, der nun Acheloos genannt wurde (! ?). Kephalion b. Malala p. 164 (Mueller hist. gr. fr. 3 p. 631, 8) nennt Ache- loos Sohn des Poseidonios, der beim Übergang über den Flufs Phorbas, vom Pfeile getroffen, umkam und dem Flufs den Namen Acheloos gab. Vgl. Tzetz. L. 671. Er hiefs früher Thoas und erhielt seinen Namen von Acheloos, der mit Alkmaion aus Thessalien in jene Gegend kam, Steph. B. s. v. Strab. 10, 450. Acheloos soll in seinem Gram über den Verlust seiner Töchter, der Seirenen, von seiner Mutter Gaia in ihren Schofs aufgenommen worden sein, worauf an dieser Stelle ein Flufs hervorsprang, Serv. V. Ge. 1, 8, oder er löste sich in einen Flufs auf aus Schmerz über seine Besiegung durch Herakles, Propert. 2, 25, 33. Hie Be- hausung des Stromgottes wird beschrieben Ov. Met. 8, 550 ff. Hom. II. 21, 194 nennt den Acheloos ■hqslcov, den Herrscher, und stellt ihn mit Okeanos zusammen, Flufsgötter, welche trotz ihrer gewaltigen Kraft es nicht wagen können sich mit Zeus zu messen. Wenn man an dieser Stelle nach dem Vorgang des Zeno- dot mit Bergk den V. 195, in welchem Okea- nos genannt wird, wegwirft, so wird Acheloos, wie sonst Okeanos, der Strom, von welchem alle andern fliefsenden Gewässer stammen, Bergk „die Geburt der Athena“ in Jahns Jalirb. Bd. 81 S. 394 f. Vgl. Unger , Fhilolog. Suppl.-Bd. 2, S. 699 (vgl. Philol. 24, 395 f.). Acheloos war der König der Ströme, der vor allen am meisten geehrt wird, Akusilaos b. Macrob. I. I. Während die übrigen Flüsse in Griechenland . nur von ihren Anwohnern Verehrung genossen, wurde Acheloos in ganz Griechenland verehrt, er wurde allgemein bei Opfern, in Gebeten und Schwüren angerufen, Ephoros b. Macrob. 5, 18. (fr. 27 Mueller). Seine Verekrung ist, zum Teil durch aufgefundene Münzen und Inschrif- ten , bezeugt zu Athen ( Plat . Phaedr. 230 B), zu Dyme, Rhodos ( Heffter Götterdienste auf Ehod. 3, 66 f), bie den Sikelioten, und die an- wohnenden Akarnanen feierten ihm auch Wett- spiele, Schol. II. 24, 616; ferner zu Oropos, Paus. 1, 34, 2, in dem megarensischen Flecken Rhus, Paus. 1, 41, 2, in Mantinea und Myko- nos, nach Inschriften, Stengel Jalms Jalirb. 1882, 11 S. 735; in Metapont, das von Ursprung halb ätolisch war , wurden ihm Agone gefeiert, nach einer Münze von Metapont, Müller, Ar- cliäol. §. 403, 2. Millingen anc. coins t. 1, 21.

Osann Tübing. Kunstbl. 1831 N. 16 f. Arch. Ztg. 1862. t. 168, 4. O. Jahn ebds. S. 321. Der Grund allgemeiner Verehrung lag hauptsäch- lich darin, dafs Acheloos, in dessen Namen der Stamm = aqua enthalten ist, überhaupt das Element des fliefsenden Wassers bezeicli- nete, so dafs das Wort auch öfter von Dich- tern einfach für Wasser gebraucht wurde. Ephoros l. I. Serv. V. Ge. 1, 8. Schol, II, 24, i 616. Orpheus b. Lobeck Agl. p. 952. Aescliyl, Pers. 869. Eurip. Bacch. 625. Aristoph. Lys. 381. fr. 130. Lokalisiert wurde er dann als Eigenname verschiedener Flüsse, unter denen der akarnanisch-ätolische Flufs durch den Ein- flufs des nicht weit von seinen Quellen gele- genen dodonäischen Orakels, in dessen Kult die nährende Feuchte eine Hauptrolle spielte* zu besonderer Verehrung gelangte. Das Ora- kel soll jedem seiner Sprüche zugefügt haben, i man solle dem Acheloos opfern, Ephoros 1. 1. Schol, II. 21, 194. 24, 616. Dafs man ihm auch in Dodona opferte , ist selbstverständlich , s. Corp. Inscr. 2908. Aus der allgemeineren Be- deutung des Acheloos erklärt es sich, dafs die Seirenen seine Töchter sind (Paus. 9, 34, 2. Acheloides Ov. Met. 5, 552), die er mit der Muse Melpomene oder Kalliope ( Apollod . 1, 3, 4. Serv. V. Ge. 1, 8. Hyg. praef. p. 30. Bunte, f. 125 (p. 103.) 141) oder mit Terpsichore (Ap. Eh. 4, 896. Tzetz. Lyk, 650. 671. 712) oder mit Sterope, Tochter des Porthaon (Apollod,

I, 7, 10) zeugte, dafs er Vater der Quelle Peirene ist (Paus. 2, 2, 3), der Quelle Kasta- lia zu Delphi (Panyasish. Paus. 10, 8, 5), der thebanischen Dirke (Eurip. Bacch, 519). Als Nachbar des ätolischen Kalydon warb Acheloos in dem Hause des Oineus um die Hand seiner Tochter Dei'aneira. Er kam, da er als Wassergott die Fähigkeit hatte, sich in verschiedene Gestalten zu verwandeln , bald als Stier, bald als Drache, bald in menschli- cher Gestalt mit einem Stierkopf, Formen, in denen die Flufsgötter gedacht und abgebildet wurden. Die arme Jungfrau zitterte vor solch einer Ehe; da kam zu ihrer Freude Herakles als Werber und rang dem Acheloos in schwe- rem Kampfe die Braut ab. Als während des Kampfes der Flufsgott sich in einen Stier ver- wandelte, brach ihm Herakles ein Horn ab, und er gab sich besiegt. Sein Horn tauschte er von Herakles wieder ein, indem er ihm das Horn der Amaltheia dagegen gab, welches die Nymphen mit Blumen und Früchten füllten; oder das Horn der Amaltheia ist gleich dem Hom des Acheloos. Soph, Tr ach, 9 ff. 510 ff. Ov. Met. 8 , 880 ff . 9 , 1 ff. s. De'ianeira, Hera- kles, Amaltheia. Schon die Alten erklären diese Fabel als einen natürlichen Vorgang; Hera- kles habe den Kalydoniern zulieb den wilden Strom durch Regelung seines Laufes gebän- digt und ihm ein blühendes fruchtbares Land abgerungen, Diod. 4, 35. Strab. 10, 458. Schol,

II. 21, 194. Eustath. Dion. Per. 431. Von den echinadischen Inseln, welche vor der Mün- dung des Acheloos durch Anschwemmungen entstanden waren, wird folgende Sage erzählt: vier Nymphen opferten an dem Ufer des Flus- ses allen einheimischen Göttern, vergafsen aber

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Ackemenides

Acheron

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des Acheloos; im Zorn hierüber rifs er mit seinem Strom das Uferland samt den Nymphen fort, und die Najaden, mit Erdreich umgeben, wurden zu Inseln. Die fünfte Insel entstand aus seiner Geliebten Perimela, der Tochter des Hippodamas, welche der Vater im Zorn über die Entehrung der Jungfrau, noch ehe sie ge- bar, in das Meer stürzte, Poseidon aber auf Bitten des Aclieloos in eine Insel verwandelte. Uv. Met. 8, 577— Cll. Nach Apollod. 1, 7, 3 io zeugte Acheloos mit Perimede, der Tochter des Aiolos und der Enarete, den Hippodamas und Orestes. Aufserdem hatte Acheloos eine Toch- ter Kallirrhoe, welche Gemahlin desAlkmaion wurde, Apollod. 3, 7. 5. Bei Giern. Mo. Homil.

5, 13 heifst die Mutter des Thessaliers Myr- midon Eurymedusa Tochter des Acheloos (Flufs in der Gegend von Lamia, im Reiche des Achil- leus, Strab. 9, 434). Die Kunst hat den Acheloos dargestellt teils als gehörnten Greis 20 (auf der oben erwähnten Münze von Metapont), teils als Meerdrachen mit menschlichem Kopfe und Armen und Stierhörnern ( Gerhard Auser- les. Vasen. 2. t. 115), teils, und am gewöhnlich- sten, als Stier mit menschlichem Gesicht und langem feuchtem Bart ( Soph . Track. 13). Sein Kopf auf Münzen von Akarnanien , Öiniadä und Ambrakia ( Sestini Med. dcl M. Fontana 4, 9. 10, 12. Mionnet 2. p. 51 u. 78. Suppl.

3. p. 365 u. 453. pl. 14)*). Häufig findet sich 30 sein Kampf mit Herakles; so schon am amy- kläisehen Thron (Paus. 3, 18, 8), in einer Sta- tuengnrppe des Dontas zu Olympia (Pcrns. 6, 19, 9), in einem Gemälde bei Philostratos (tun. 4). Die erhaltenen Kunstwerke zusam- mengestellt von Welcher ad Philostr. p. 600. Müller Ar ch. §. 403, 2. Gerhard a. a. O. S. 107. IJrlichs Ann. d. Inst. 1839 p. 266 u. 1856 p. 104. Man sehe noch Zoega Bass. tav. 74. Braun Gr. Götterl. §. 133. 638 640 und dazu die 40 Nachweisung der Kunstwerke b. Streber Bayr. Alcad. 1838. p. 537 fF. Panoflca Bert. Alcad. 1846 p. 230 ff. Unger Hieb. Farad. 183. Preller Gr. Myth. 1, 29 f. 450. 2, 243. Gerhard Gr. Myth. 1. §. 542. Stark Niobe 412. [Stoll.] Acliemenides , Sohn des Adamastos von Ithaka, Gefährte des Odysseus, den dieser auf der Flucht vor den Kyklopen auf Sicilien zu- rückliefs. Später wurde er von Äneas auf- genommen: Verg. Acn. 3, 614 ff. Ovid. Met. 50 14, 161. Pont. 2. 2, 25 u. 167. [Roscher.] Acheron (’Axsqcov) , 1) ein Flufs der Unter- welt. In der Ilias wird Acheron als solcher nicht erwähnt; dort ist die Styx der einzige Flufs der Unterwelt. Ebenso ist’s bei Hesiod. ln der Odyssee dagegen (10, 513) an der Stelle, wo Odysseus in dem westlichen Vorhof des Hades die Seele des Teiresias citiert, wird als Flufs der Unterwelt genannt Acheron, in wel- chen der Pyriphlegethon und Kokytos, ein Aus- GO flufs der Styx, sich ergiefsen. In Epirus im Lande der Thesproten war ein Flufs Acheron, der in seinem Oberlauf durch ein wildes Ge- birgsland, zwischen kahlen jähen Felsen in engen Schluchten wild dahinstürzend, hier und

* Aclieloos, auf Münzen von Akarnanien bärtig und bartlos, aber nie geflügelt: Imhoof-Blumer in der Wiener Numisrn. Zft. X (1878) p. 20 u. 161 Anm, 135. [Schreiber.]

da sich in tiefe Abgründe versenkt, um erst nach längerer Strecke wieder zum Vorschein zu kommen, aber nicht weit von seinem Aus- Aufs ins Meer im Gebiet der alten Stadt Ephyra (später Kichyros) einen tiefen sumpfähnlichen See mit ungesunder Ausdünstung, Uyvy ’A%s- qov6i'u, AxSQOvaiäg, Aysgovois , bildet. Bursian Gcogr. v. Gr. 1, 27 u. in Pauly II. Enc.2 s. v. Das Unheimliche und Schauerliche dieser Ört- lichkeit erweckte den Glauben, dafs hier ein Zusammenhang mit der Unterwelt, der Be- hausung der Toten sei, und seit uralter Zeit bestand an dem grauenhaften Gewässer ein be- rühmtes Totenorakel, von dem man seit alter Zeit vermutete, dafs es dem Homer bei seinen Schilderungen der Totenbeschwörung im 10. Buche der Odyssee vor Augen geschwebt habe, llcrodot. 5, 92, 7. Paus.f 1, 17, 5. 9, 30, 2. Die Beschaffenheit dieser Örtlichkeit gab auch Veranlassung, dafs man den Acheron, der als Flufs des „Ach und Wehs“ (u%og) angesehen ward, mit dem aclierusischen See und mit seinem Nebenflufs Kokytos, dem Flusse des „Weinens und Klagens“ (nconvsLv), in die Unterwelt selbst verlegte. Das Wort ’AitJqcov, obgleich ursprüng- lich wohl, wie auch ’Axshpog, von ä% = aqua stammend, wurde von den Alten gewöhnlich von a%og abgeleitet, 6 ü%r) qscov. Fragmente des Melanippides und Likymnios bei Stob. Fel. Phys. 1, 52 (Apollod. fr. 10 in Mueller hist, gr. I). Schol. Od. 10, 514. Fustath. Hom. 1667, 38. Tzetz. L. 705. (Eine andre Ableitung und Erklärung giebt zu Od. 10, 513 Autcnrieth im hom. Wörterb. s. v. : cc-xeqcov, cuncta abripiens, der Abgrund, nicht der Flufs der Unterwelt). Erst in nachhomerischer Zeit tritt Acheron und der ihn aufnehmende acherusische See als ein Hauptgewässer der Unterwelt hervor, und zwar als eine Grenze und Umschliefsung der- selben , über welche die Seelen übersetzen müssen, um ins Totenreich zu gelangen, Eurip. Alk. 440. Lucian. de luctu §. 3. Verg. Acn. 6, 295. Eine eigentümliche Vorstellung von den Flüssen der Unterwelt hat Plat. Phacd.p. 112 f. Acheron galt so sehr als das Hauptgewässer der Unterwelt, dafs das Wort bei Griechen und Römern häufig für die Tiefen der Unterwelt überhaupt, für Tod und alles Verpestete ge- braucht wurde, Soph. Ant. 805. Eurip. (fr. 860 Nauck) b. Bekker Anecd. p. 343. Theokr. 15, 103. Ennius p. 102. 124 Valilen. Plaut. Trin. 2, 4, 124. Verg. Aen. 7, 312. Ov. Met. 11, 504. Cie. de sen. 10. Corn. Nep. Dion. 10. In Ita- lien war er so sehr zum Symbol für alle Ahnungen und Schrecken der Unterwelt ge- worden, dafs die Etrusker sogar einen Abschnitt der Bücher des Tages, der sich auf die See- len der Verstorbenen bezog, acheruntisclie Bü- cher nannten, Arnob. 2, 62. Serv. Verg. Aen. 8, 398. Müller Etrusk. 2, 27. Bergk „die Ge- burt der Athena“ (in Jahns Jahrb. 81, S. 399 ff.) führt den Gedanken aus , dafs der Acheron, wie Acheloos und Okeanos, ursprünglich den himmlischen Luftstrom bedeutet habe , durch den die Seelen der Verstorbenen zumOrt ihrer Bestimmung wandelten, der aber dann später als Totenstrom unter die Erde verlegt worden sei. Acheron wurde auch personificiert; er

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Acherusia

Achilleus b. Homer

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heilst Sohn der Gaia, der Demeter, und soll in die Unterwelt versetzt worden sein, weil er den Titanen im Kampf gegen Zeus zu trin- ken gereicht habe, Natal. Com. 3, 1. Mit Or- phne (oder Gorgyra, Apollod. 1, 5, 3. Natal. Com. 1. 1.) zeugte er den Askalaphos, Ov. Met.

5, 539. vgl. Serv. V. Aen. 4, 462. Nitzsch Anm. z. Odyssee Bä. 3 , 156 ff. Müller Bor.

1, 418. Proleg. 363. Welcher Gr. Götterl. 1, 803. Preller Gr. Mytli. 1, 665, 671. Auch sonst kommt der Flufs Acheron sowie der acherusische See vor, besonders in Gegenden, deren Beschaffenheit auf eine Verbindung mit der Unterwelt schliefsen liefs. In Triphylien z. B. war ein Flufs Acheron, der von dem dem Hades geweihten Minthegebirge herabkam und in den Alpheios flofs, Strab. 8, 344. Eustatli. Hom. 1667, 59. Im Gebiet des pontischen He- raklea hiefs ein Vorgebirge ’AxsQovolg m-aqcc oder ’A%sqovgi,us xsQQÖvrjGog wegen einer in 2( der Nähe befindlichen, in die Unterwelt füh- renden Schlucht, und ein durch das Vorgebirg ins Meer mündender Flufs (Soonautes) soll früher den Namen Acheron gehabt haben, Xe- noph. An. 5, 10, 2. Ap. Bh. 2, 353. 728 f. 745. 901 u. Schol. Mueller fr. liist. gr. 2, 35, 25. Tzetz. L. 411. 695. Dort war auch ein Toten- orakel, Flut. Ginn. 6. de sera num. vind. 10. Zu Hermione in Argolis hatte den Namen ’A%s- Qovaloi Uyvrj ein ringsummauerter Baum hin- 3< ter dem Heiligtum der Chthonia in der Nähe eines Eingangs in die Unterwelt, Paus. 2, 35,

7. Auch bei Cumä in Campanien war ein acherusischer See und ein Niedergang zum Hades, Strab. 5, 243. Eustatli. Ilom. 1667, 56. Verg. Aen. 6, 268 ff‘. Heyne Aen. 6. Exc. 2. 2) Andron v. Teos b. Schol. Ap. Bh. 2, 354 sagt, dafs Acheron ein König in der Gegend des pont. Heraklea gewesen, dessen Tochter Dardanis mit Herakles den Poimen zeugte. 4 Nach dem Tode der Dardanis und des Poimen seien in dieser Gegend Dardanis und Poimen (Berg?) nach ihnen genannt worden. [Stoll.]

Acherusia (-ias, -is) s. Acheron.

Achilleus (A%illsvg, ’A%iXsvg, Ecoglat. Achilles).

I. Homerische Sagen.

Die homerische Sage berichtet hauptsäch- lich nur von den Thaten des Achilles vor Troja und giebt über die vor- und nachliegende Zeit ; nur kurze Andeutungen. Sohn des Peleus, Königs im thessalischen Phthia II. 20, 206 und der Nereide Thetis 1, 280. 4, 512. 1, 358. 18, 52, Enkel des Aiakos und so von Zeus abstam- mend 21, 187 189, ngltidyg, rLrjXguxdrjg, ng- Xsroav, Aianidrjg, wurde er von seiner Mutter im väterlichen Hause erzogen 18, 436 438, als einziger Sohn 24, 540, und als zartes Kind von Phoinix in der Bede- u. Kriegskunst un- terrichtet 9, 441. Nur von ihm nahm der Knabe ( Speise und Trank 9, 385. Clieiron lehrte ihn die Heilkunde 11, 831, die er wiederum dem Patroklos , dem mit ihm zugleich erzogenen Sohne des Menoitios, mitteilt 23, 84—90. Spä- tere Erziehung durch Thetis im väterlichen Hause 18, 57. 438. Von Nestor, Odysseus und Patroklos in Phthia persönlich zum Kriege auf- gefordert 11, 765—784. 7, 127 ( Brunn troische

Misccllen 1868, 1. B. p. 68) führt er Myrmidonen, Hellenen und Achäer in 50 Schiffen nach Troja 2, 681. 16, 168 von Patroklos und Phoinix be- gleitet, welcher dem Unerfahrenen von Peleus als Berater mitgegeben wurde 9, 438, und auf Geheifs der Eltern gefolgt von Epeigeus 16, 575, als Hauptheld der Achäer 1, 284 unter dem Schutze der Hera iund Athene stehend 1, 55. 1, 195. 9, 254. 16, 168. 18, 203. 19, 340 ff. 19, 407. 20, 94. 20, 120 ff. 20, 439. 21, 284. 21, 328.22,214. 22, 226. 22,276. Helfer sind ihm Zeus 16, 237 ff. 21, 272, Hephaistos 21, 342 u. Po- seidon 21 , 284 , sein Feind Apoll. Bei dem Fortgange des Sohnes gelobt Peleus dem Sper- cheios das Haar desselben zu weihen, falls er glücklich zurückkehre, sowie eine Hekatombe und 50 Widder in seinem Temenos an seinem Altäre bei den Quellen zu opfern. Achilles läfst sich daher das Haar wachsen, das er aber, da die Götter den Bitten des Peleus kein Gehör schenken, dem toten Patroklos weiht 23, 140 ff. Ferner verspricht Achilles am Tage des Aus- zuges dem Menoitios, ihm den Sohn nebst seinem Anteile an der Beute unversehrt nach Opus zurückzuführen 18, 324 327. Seine Mutter hatte ihm als Geschick entweder ewigen Buhm bei frühem Tode oder langes, aber rühmloses Leben geweissagt 9, 410. Sch. II. 16, 37, und verkündet, er werde Troja nicht einnehmen 18, 440. 17, 408. 18,8. 18,59, sondern durch Apolls Geschosse daselbst sterben 21, 276. 19, 415.

22, 359. 23, 80. Im Schiffslager der Achäer hat er den äufsersten rechten Flügel inne 8, 222. 11, 8, wo ihm seine Myrmidonen ein Haus aus Fichtenstämmen gezimmert haben, dessen Dach aus Schilf besteht. Es liegt in der Mitte eines von einem Zaune umgebenen Hofes. Das Thor ist durch einen einzigen Balken geschlossen, den nur 3 Achäer bewegen können, während Achill es allein vermag 24, 448. Das Haus birgt eine schöne Truhe, gefüllt mit Leibröcken, Decken und Mänteln, welche ihm Thetis mitge- geben 16, 222. Seine Biistung ist ein Geschenk, welches die Götter dem Peleus bei seiner Hochzeit machten 17, 194 ff. Er leiht sie dem Patroklos 16, 64. 16, 131 139. Sein Speer aus Eschenhölz vom Pelion, ein Geschenk des Chei- ron, ist so schwer, dafs nur er ihn schwingen kann 16, 139—145. Die Büstung raubt dem

> gefallenen Patroklos Hektor 17, 125 und trägt sie 17, 194. Achilles nimmt sie ihm wieder ab 22, 368. Die zweite Büstung ist Werk und Geschenk des Hephaistos. Beschreibung des Schildes 18, 478 608; Erwähnung der übrigen Büstungsstücke 18, 610 613. Sein Busenfreund ist Patroklos, ihm zunächst steht Antilochos

23, 556. 607, sein Wagenlenker ist Automedon. Die Namen der Busse seines Leibgespannes sind Xanthos und Balios, 8, 185; das Nebenge-

j spann heifst Pedasos 16, 152. Sein Sohn Neo- ptolemos wird während seiner Abwesenheit auf Skyros erzogen 19, 325. 24, 467. Blonden Haupthaares 1, 197. 23, 141, mit Augen, wel- che im Zorne furchtbar funkeln 1, 200, und mit gewaltiger Stimme begabt 18, 221 ist er der schönste aller vor Troja liegenden Achäer 2, 673, sowie der schnellfiifsigste 23, 792 (wie denn dio seine Schnelligkeit betreffenden Epi-

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theta die häufigsten sind noöccg coxiig, jtoörax^g, nod'ccQHrig, ra^vg) und stärkste und tapferste 7, 228, ist ysya ^öiaiv tpxog ’A%cuoioiv noXifioio xaxoib 1, 284. An Kampfeslust dem Kriegs- gotte gleich (loo g ’EvvuXüo 22, 132, apr/tog 16, 166 durchbricht er (Qrj^rjvcoQ 7, 228) löwenmutig (Q’vßoUco v 7, 228) die lteihen der Feinde, alles vor sich herscheuchend und vernichtend und selbst den Kampf mit Göttern nicht scheuend (21, 265), denn Todesfurcht kennt er nicht, io da ihm der Ruhm das Höchste ist (19, 240. 20, 503. 9, 413). Als echtes Naturkind kennt er in Hafs und Liebe keine Grenzen. Furcht- bar sind die Ausbrüche seiner Wut und feines rasch auflodernden Zornes. Auf seinem Rechte bestehend vergiebt er dem, der ihn verletzt, nicht eher, als bis ihm volle Genugtliuung ge- worden. Ist doch die ganze Ilias eine Verherr- lichung des Zorns des Achilles und seiner Fol- gen. Der Hafs gegen Agamemnon, durch 20 die eigenmächtige Hinwegführung der Briseis hervorgerufen , kann nur durch einen noch weit stärkeren Hafs in den Hintergrund ge- drängt werden , durch den Hafs gegen den Hektor, der ihm den geliebten Gefährten ge- tötet. (9, 307 Antwort des Achilles auf die Bitte des Odysseus und Aias; er weigert sich, am Kampfe teilzunehmen; selbst dem sterben- den und toten Hektor gegenüber kennt er kein Mitleid 22, 345; die im Skamander gefangenen 30 12 trojanischen Jünglinge schlachtet er am Scheiterhaufen des Patroklos mit eigner Hand 23, 175.) Ebenso stark aber ist er in der Liebe zum Freunde (18, 22 ff. 18, 81. Trauer um den Tod des Patroklos; nach dessen Tode überträgt er seine Liebe auf Antilochos 23, 556. 23, 606), zur Briseis 9, 343, zu Vater 24, 507 und Mutter, welcher er alle seine Schmerzen anvertraut, bei der er in Nöten stets Hilfe sucht 1, 365.

18, 79, trotz des starken Selbstbewufstseins, das io ihn beseelt 9, 352. Feind alles versteckten Wesens 9, 324 liebt er rasches Handeln ; langes Erwägen ist nicht seine Sache; Bezeichnungen, welche seine Klugheit oder Weisheit preisen, fehlen. Nachdem sein Zorn verraucht, ist er rasch versöhnlich gestimmt, und weiche, milde Gefühle bemächtigen sich seiner (19, 56 ff Aussöhnung mit Agamemnon; 24, 518 mit Priamos), wie denn überhaupt eine gewisse Weichheit ein Grundzug seines Charakters 50 ist. Fremdes und eignes Leid ruft rasch bei ihm Thränen hervor 1, 349. 24, 507. Schwer empfindet er es, dafs ihm durch das rauhe Eingreifen des Schicksals der Genufs stil- len, friedlichen Familienglücks in der trauten Heimat versagt ist 9, 397. Die langen Tage, welche er dem Kampfe fern im Kreise seiner Lieben am Gestade des Meeres zubringt, ver- kürzt er sich durch Spiel auf der Phorminx und Gesang 9, 186 ff. Gastfrei und freigebig eo empfängt er alle ihn Besuchenden 9, 197; selbst der bittflehende Feind findet gastliche Auf- nahme, nachdem der Groll vergessen 24, 621 ff und den von Agamemnon entsandten Herolden, um die Briseis zu holen, läfst er das Unrecht ihres Gebieters nicht entgelten 1 , 335. Der Pietät, welche er seinen Eltern gegenüber er- weist, entspricht der Gehorsam, welchen er

solchen, die über ihm stehen, leistet. Nicht verachtet er die Hilfe der Götter; im Kampfe mit Skamandros ruft er den Zeus um Hilfe an 21, 273; dem Befehle der Götter folgt er auf der Stelle 1, 216. 24, 239. 1, 345. Ab- gesehen von den schon angeführten Epithetis werden ihm folgende beigelegt: soff log, ayv- fiiov , cpatdtfiog, fisya&vfiog, daicpQcov , o^Qifiog, XQcasQog, ntXioQiog, xlurog, d'ovQinXvTog, ccyctvog, 'ü’stog, ö'Eostxslog, dioysvrjg, tfibg, diicpiXog, oloög, nxoXtTCOQ&og, %u>oytvog.

V orTroja liegend zerstört er auf verheerenden Raubzügen 11 Städte im Gebiete Trojas zu Lande und 12 zur See 9, 328. Er erobert und zerstört das kilikische Theben, tötet den König Eetion, verbrennt ihn in seiner Rüstung und schüttet ihm ein Grabmal auf; dessen 7 Söhne erschlägt er und führt die Königin als Ge- fangene fort, löst sie aber später aus 6, 414 ff 1, 366. Zur theban. Beute gehört das Neben-

Achilleus (auf einer panathenäischen Amphora).

gespann Pedasos 16, 152. Die Briseis (die spätere Hippodameia ( Schol . ad II. 1, 392. Schol. Vcnet. in II. 1, 392. Eustath. z. Hom. II. 1 184. Tzetz. Hom. v. 350. Hesych. v. ’lrnio- öä[itt a) erbeutet er nebst andern Frauen auf dem siegreichen Zuge gegen Lyrnessos 2, 690. 20, 193. Das trauliche Zusammenleben des Achilles und der Briseis auf Vasen bei Over- beck Gallerie heroischer Bildw. p. 386 f. Brunn troische Mise. 1868. B. 1. p. 61 ff Die Dio- mede nimmt er mit andern Weibern bei der Einnahme von Lesbos gefangen 9, 664. 129, 271. Ferner gehören zu seinen Sklavinnen Iphis aus Skyros in Phrygien (von Späteren mit der Insel verwechselt, vgl. den Schol. z. d. Stelle) 9, 668, Hekamede aus Tenedos 11 , 624. Auf dem Zuge gegen Lyrnessos und Thebe tötet er die Söhne des Buenos 2, 689, den Gemahl,

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die Mutter und 3 Brüder der Briseis und zerstört die Stadt desMynes 19, 296. 2,692. Mit Pa- troklos zusammen erbeutet er troisehe Frauen 18, 28. 341. Den Aineias verjagt er durch einen Angriff auf seine Herden vom Ida auf dem Zuge gegen Lyrnessos und Pedasos 20, 90. 188 ff. fängt den jugendlichen Sohn des Priamos Ly- kaon auf einem Felde des Vaters und verkauft ihn nach Lemnos an Euneos 21, 34 ff., in glei- cher Weise Isos und Antiphos, Söhne des Pria- l mos auf dem Ida, läfst sie aber gegen Löse- geld frei 11, 104. Weitere mit Hamen nicht ge- nannte Söhne des Priamos nimmt er im Laufe des Krieges gefangen und verkauft sie nach Samos, Imbros und Lemnos 24, 752. 9 Jahre

wagen die Trojaner aus Angst vor Achilles nicht, sich in eine Feldschlacht einzulassen, sondern halten sich innerhalb der Mauern 5, 790; selbst Hektor wagt sich nur bis zum skäi- schen Thor und zur Buche 9, 353 f. Dort aber 2 hält er dem Achilles einmal Stand, flieht jedoch bei seinem Angriffe 9, 355. Hingegen erzählt Agamemnon 7, 112, um den Menelaos vom Zweikampfe mit Hektor abzuschrecken, selbst Achill habe sich gescheut, dem Hektor in der männermordenden Feldschlacht entgegen zu- treten. Dies die Vorgeschichte der Ilias, wie sie in ihr selbst, soweit sie den Achill angeht, enthalten ist.

Im 10. Jahre des Krieges aber (Beginn 3 des Ilias) beruft Achill auf Eingabe der Hera eine Versammlung der Achäer, nachdem Apollo, erzürnt, dafs Agamemnon seinem Priester Chry- ses die geraubte Tochter Chryseis vorenthält,

9 Tage lang das Lager der Achäer mit seinen todbringenden Pfeilen heimgesucht, um durch einen Seher zu erforschen, was der Grund des göttlichen Zornes sei 1, 8 67. Kalchas nennt denselben, nachdem ihm Achill Schutz vor Agamemnon versprochen —100. Agamemnon 4 willigt ungern in die Herausgabe des Mädchens, fordert aber als Ersatz ein Ehrengeschenk vom Volke. Auf die Erwiderung des Achill, alle bisher gemachte Beute sei geteilt; er möge sich mit seiner Forderung bis zur Einnahme Trojas gedulden, antwortet er mit Beleidigungen, indem er ihm betrüglichen und eigennützigen Sinn zum Vorwurf macht und ihn zu unge- bührlichem Dienste bei der Wegführung der Chryseis anffordert 147. Hierob ergrimmt ; entgegnet .Achill, Agamemnon sei sein Herr nicht; sein ganzer Ruhm bestehe in der Hab- gier, mit welcher er von der Beute, die er, Achill, auf den Kriegszügen gewöhnlich erwor- ben, den Löwenanteil für sich verlange. Um aber weiteren Ehrenkränkungen zu entgehen, werde er sogleich mit seinen Schiffen nach Phthia zurückkehren. Als nun Agamemnon ihn mit geringschätzigen Worten gehen heifst und ihm seine Sklavin Briseis zu entreifsen ( droht, greift Achill ans Schwert, um Agamem- non zu durchbohren: da hält ihn Athene, von Hera gesandt und nur ihm sichtbar, zurück, befiehlt ihm nachzugeben und verheilst drei- fachen Ersatz. Er gehorcht, ergiefst sich aber in furchtbaren Schmähungen gegen den Aga- memnon: bald würden die Achäer einsehen, was sie für einen König hätten, und was sie

an ihm, Achill, verloren hätten. Auf die Ge- genreden des Nestor und Agamemnon erklärt er sich bereit, das Mädchen auszuliefern, ohne dafür Bache zu nehmen. Schlufs der Versamm- lung — 307 (zum Streite zwischen Agamem- non und Achill vgl. Gerhard, gr. Mytli. 195). Bildliche Darstellungen siehe bei OverbeclcGallc- rie heroischer Bildtverlce p. 382 ff). Nun zieht er sich, entschlossen fernerhin am Kampfe nicht mehr teilzunehmen, in sein Lager zurück, den von Agamemnon gesandten Herolden über- giebt er die Briseis , ruft sie aber als Zeugen der Gewaltthat an ; vgl. Overheck a. a. 0. p. 387 ff. Am Meere sitzend klagt er der Mutter sein Leid;" sie steigt aus dem Meere auf, er erzählt ihr den Vorgang und bittet sie, den Zeus zu bewegen, von jetzt an den Troern den Sieg zu verleihen und die Achäer bis zu den Schiffen zurückdrängen zu lassen, damit sie und ihr König inne würden, was dieser verbrochen, als er den besten der Achäer entehrte 412. Thetis verspricht Erfüllung seines Wunsches und heifst ihn sich vom Kampfe fern zu hal- ten, bis sie vom Zeus Nachricht bringe, der seit gestern bei den Äthiopen weile und erst nach 12 Tagen zurückkehre. Nun bleibt Achill, während seine Myrmidonen sich in Kampf- spielen üben 2, 774, unentwegt in seinem Lager, heftig zürnend und von Kampfbegierde ver- zehrt.; vergeblich sucht er durch Gesang und die Töne der Phorminx die Unruhe seiner Seele zu beschwichtigen 1, 488 ff. 9, 186. In- zwischen bewilligt Zeus der Thetis den Wunsch des Sohnes : die folgenden Kämpfe bringen den Achäern Verderben, denn der Sieg ist stetig auf Seite der Troer. Deshalb werden Aias der Tela- monier und Odysseus nebst Phoinix und 2 Herol- den zu Achill gesandt, um ihn zu versöhnen; Agamemnon verspricht nicht nur Herausgabe 1 der Briseis, sondern auch aus der trojanischen Beute Gold und Erz in Menge, und 20 der schönsten trojanischen Weiber, endlich bietet er ihm eine seiner 3 Töchter Chrysotliemis, Iphia- nassa und Laodike mit reichlicher Mitgift (7 reichen Städten der Peloponnes) zur Gemahlin an. Achill nimmt die Gesandten freundlich auf und bewirtet sie gastlich, weist aber ihr An- sinnen unter heftigen Ausfällen gegen den Heer- könig trotz des Zuredens des Phoinix zurück: i nicht eher werde er am Kampfe teilnehmen, als bis Hektor die Schiffe der Achäer in Brand gesteckt; von seinem Lager werde er die Feinde schon fernzuhalten wissen; zum Schlüsse droht er wiederum mit baldiger Heimkehr. Unver- richteter Sache kehren die Gesandten zurück; Phoinix bleibt bei Achill, der alsdann mit der Diomede im Innern des Hauses der Buhe pflegt 9, 668, vgl. Overbeck a. a. 0. p. 408 ff. G. Robert, Gesandtschaft an Achill. Arcli. 1 Zeit. 39 p. 138 ff. Am Tage darauf ver- folgt Achill auf dem Verdecke seines Schiffes stehend den Verlauf des furchtbaren Kampfes, der sich bei dem Schiffslager der Achäer ent- spinnt, und in welchem die tapfersten griech. Helden verwundet werden, so dafs das Ver- derben sich immer mehr auch seinem eignen Lager naht. Als er nun auch den Nestor einen Verwundeten aus dem Kampfe zurückführen

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sieht, befiehlt er dem Patroklos, sich bei Nestor nach dem von ihm nicht erkannten Verwun- deten zu erkundigen. Dieser folgt der Weisung, und durch die Erzählung des Nestor von dem Elend der Achäer auf das tiefste erschüttert bittet er zurückgekehrt Achill mit ergreifen- den Worten, ihm zu gestatten, in des Achill Rüstung die Myrmidonen zum Kampfe zu füh- ren. Inzwischen ist das Schiffslager schon ge- fährdet: Hektor hat die Achäer in die Schiffe zurückgeworfen, und nur Aias der Telamonier hält noch Stand und wehrt den Brand von den Schiffen ab. Da gestattet Achill dem Freunde die Teilnahme am Kampfe in seiner Rüstung, befiehlt ihm aber sich mit der Vertreibung der Trojaner aus dem Schiffslager zu begnügen und von weiterer Verfolgung abzustehen 1(5, 101. Als nun aber nach Überwältigung des Aias sogar die lichte Lohe aus den Schiffen liervorschlägt, befiehlt er Patroklos sich schnell zu wappnen, läfst die Myrmidonen sich rüsten, ordnet ihre Reihe und feuert sie persönlich zur Tapferkeit an. Dann aber bringt er in seinem Hause dem Zeus zu Dodona ein Opfer dar, seinen Mannen Sieg und seinem Freunde glückliche Heimkehr erflehend 16, 239.

Die Myrmidonen retten unter Patroklos1 Führung das Lager, dieser aber fällt, der Wei- sung des Achill uneingedenk, in weitere Kämpfe sich einlassend von Eupliorbos’ und Hektors Hand, der ihn der Rüstung beraubt. Während der Kampf um den Leichnam tobt, bringt An- tilochos dem Achill die Kunde vom Tode des Patroklos 18, 18; vgl. Overbeck a a. 0. p. 428 f. unsäglicher Schmerz bemächtigt sich des Hel- den. Die lauten Ausbrüche seines Schmerzes hören nicht nur die herbeieilenden Sklavinnen, sondern auch Thetis, welche sofort erscheint und ihm, als sie den Verlust des Freundes und der Rüstung vernommen, verspricht, bis zum folgenden Morgen neue Waffen, von He- phaistos verfertigt, zu schaffen. Denn obgleich ihn die Mutter an den nahen Tod erinnert, ist Rache für den Freund, Rache an Hektor sein einziger Gedanke. Thetis eilt fort: da erscheint Iris, von Hera heimlich entsandt mit der Er- mahnung , den Leichnam des Patroklos zu schützen; als er wegen mangelnder Rüstung in Verlegenheit ist, lieifst sie ihn unbewaffnet in den Kampf gehen: sein blofser Anblick werde die Feinde fliehen machen. So schreitet er unbewaffnet, doch von Athene mit feurigem Glanze umstrahlt, das Haupt in Gewölk gehüllt, zum Graben vor, mit furchtbarer Stimme drei- mal die Trojaner anrufend. Entsetzt fliehen die Feinde, Patroklos1 Leichnam wird gerettet und ins Lager zurückgebracht. Die ganze Nacht hindurch dauert die Totenklage, von neuem verspricht Achill dem Freunde furchtbare Rache an Hektor und ganz Troja 18, 340. Achil- les1 Klage um Patroklos dargestellt auf der Tabula Iliaca. Overbeck a. a. 0. p. 432. Früh am Morgen überbringt 19, 6 Thetis dem Sohne die neue Rüstung, insbesondere einen höchst kunstreich gearbeiteten Schild (18, 369—615) Overbeclc a. a. 0. p. 442 11’.; schon der Anblick der Waffen verbreitet unter den Myrmidonen Furcht und Schrecken, bei Achill aber sowohl

Freude, als neue zornige Rachgier. Nachdem er Thetis noch gebeten, den Leichnam des Pa- troklos vor Verwesung zu wahren, eilt er ins Schiffslager , beruft eine Versammlung der Achäer, welche von allen, selbst von den Ver- wundeten besucht wird, und fordert den Aga- memnon auf, des alten Grolls zu vergessen und Friede mit ihm zu machen, dann aber so- gleich den Kampf wieder aufzunehmen. Aga- 10 memnon geht freudig darauf ein, bittet um Verzeihung und bietet unendliche Sühne 19, 138. Davon will aber Achill in edlem Eifer nichts wissen, sondern drängt zum Kampfe. Auf die Gegenrede des bedächtigen Odysseus, welcher sofortige Annahme der Bufse anrät und das Heer vor dem Kampfe durch Speise und Trank gestärkt wissen will, erwidert er, er für seine Person bedürfe dessen nicht: nicht eher würde er Speise und Trank berühren, als 20 bis er den Genossen gerächt. Allein Odysseus1 Vorschlag findet Beifall, Briseis wird herbei- geführt, und die Sühngeschenke herzugebracht. Overbeck a. a. 0. p. 447 f. Nunmehr befiehlt Achill, die Schuld der Verblendung des Aga- memnon auf Zeus zurückführend, den Achäern, die Mahlzeit einzunehmen und dann sich zur Schlacht zu rüsten 19, 275. Briseis und die Sühngeschenke werden in Achills Schiffshaus ' gebracht, welchen die Anführer der Achäer 30 vergeblich anflehen, Speise und Trank zu ge- niefsen. Nach Entfernung der meisten bleiben Agamemnon, Menelaos, Odysseus, Nestor, ldo- meneus und Phoinix bei dem Trauernden zurück, um ihm die schlaflose Nacht durch Gespräche zu kürzen ; er aber ergeht sich in rührenden Klagen um den Heimgegangenen, der ihm mehr gewesen, als der eigne Vater, als der eigne Sohn, dem einst nach seinem, des Achilles1, nicht mehr fernen Tode der Gestorbene hätte 40 Vater sein sollen. Zeus aber sendet Athene, die ihm zur Stärkung für den bevorstehenden Kampf Nektar und Ambrosia einflöfst 19, 352. Am Morgen erscheint er in der neuen Rüstung auf dem Kampfwagen, welchen Auto- medon führt, unter den kampfbereiten Achäern; mit grauenvollem Rufe feuert er sein Gespann Xanthos und Balios an, nicht möchten sie ihn, wie den vorigen Führer Patroklos, tot im Ge- filde zurück lassen. Da antwortet Xanthos, 50 dem für diesen Augenblick Sprache und Gabe der Weissagung von Hera verliehen, diesmal würden sie ihn lebend aus dem Kampfe zu- rückbringen, allein der Tag des Tode sei nahe. Trotzdem eilt Achill zum Kampfe 19, 420, bemüht unter den durch sein Erscheinen er- schreckten und zur Flucht gewendeten Troern auf den Hektor zu stofsen. Da feuert Apollon den Aineias zum Streite gegen ihn an. Mit höh- nenden Worten empfangt ihn Achill; Aineias1 go Lanze prallt machtlos am Schild des Peliden ab, dessen Speer hingegen des Aineias Schild durchbohrt und zerschmettert. Dieser hebt gegen den mit dem Schwerte auf ihn anstür- menden Achill einen gewaltigen Feldstein auf: da wendet mit Beistimmung der Götter Po- seidon von beiden die Gefahr ab, indem er Achills Lanze aus dem Schilde des Aineias zieht und jenem vor die Füfse legt und ihn mit

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Dunkel umhüllt, während er den Aineias auf- hebt und ihn weithin über die Reihen der Troer zurück aus dem Bereiche der Waffen des Achill an die Grenze des Kampfgewühles schleudert. Dann nimmt er das Dunkel von Achill weg, der nunmehr die Achäer von neuem gegen die Troer vorführt, welche andererseits von Hektor zum Kampfe gegen den Peliden angefeuert werden 20, 364. Aber auf Zu- reden des Apoll, der ihn vor Achill warnt, weicht Hektor aus dem Getümmel; Achill hin- gegen wütet in den Reihen der Troer. Von seiner Hand fallen Iphition, Demoleon, Hippo- damas, Polydoros, der Sohn des Priamos. Als Hektor aber den Bruder fallen sieht , kann er sich nicht länger halten, er stürmt auf Achill los und schleudert den Speer. Allein Athene schwächt die Kraft des Wurfes, sodafs der Speer machtlos zu den Füfsen des Achill nieder- sinkt. Hektor selbst aber wird von Apoll in dichten Nebel gehüllt, und dreimal sticht Achill vergebens nach ihm. Da wendet sich der Pe- lide gegen andere Feinde ; während er vorwärts stürmt, fallen von seiner Hand Dryops, Phi- letor, Demuchos, Laogonos, Dardanos, Tros, Mülios, Eclieklos, Deukalion, Rhigmos und Areithoos. Da gelangen seine Rosse an die Furt des Xanthos (Skamander) 21, 1, in den sich ein Teil der Troer gestürzt hatte, um dem furchtbaren Feinde zu entgehen. Aber Achilles folgt ihnen; cfr. Overbeck a. a. 0. p. 448; 12 Jünglinge ergreift er lebendig, bringt sie ans Ufer, bindet sie und giebt sie den Seinen, die sie zu den Schiffen führen, um später die Totenfeier des Patroklos mit ihrem Blute zu verherrlichen. Dann stürzt er sich wiederum in den Flufs und stöfst auf den Lykaon, des Priamos Sohn, den er schon früher einmal ge- fangen und in die Fremde verkauft hatte. Dieser umfafst die Kniee des Achill, der er- staunt ist, ihn hier wieder zu finden, und bittet um Schonung. Allein Achill, des eignen ihm nahen Todes gedenkend, stöfst ihm das Schwert in die Kehle 21, 121. Da er diese That mit Worten begleitet, welche der Macht des Skamander Hohn sprechen, so gerät der Stromgott in Grimm und erwägt, wie er dem Morden ein Ende machen könne. Als nun Achill nach Besiegung des Asteropaios noch- mals den Gott höhnt, dafs er nicht imstande sei, den Troern Hilfe zu leisten, läfst dieser warnend seine Stimme ertönen, von weiterem Blutvergiefsen abratend. Allein Achill giebt trotzige Antwort: da läfst Skamandros, von Apollo angefeuert, seine gewaltigen Wogen von allen Seiten auf den Peliden eindringen, die ihm den Schild vom Arme schlagen, so dafs er den festen Standpunkt verliert 21 241. Seine Lanze hatte er vorher auf dem Ufer zurückgelassen. Vergebens fafst er eine am Flufsrande stehende Ulme, aber samt dem ihre Wurzeln umgebenden Erdreich stürzt sie in die Wogen. Doch gelingt es ihm, sich auf das Gestade zu schwingen. Der Strom aber folgt ihm, erreicht den vor ihm Fliehenden mit seinen Gewässern und droht ihn zu ver- nichten, so dafs der Held im Gebet bei Zeus Schutz und Hilfe erfleht, daran erinnernd, dafs

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nach seiner Mutter Aussage ihm bestimmt sei, im ehrlichen Kampfe vor Trojas Mauern zu fallen und nicht wie ein Sauhirt in den Fluten des Giefsbaches umzukommen. Da nahen sich ihm in menschlicher Gestalt Athene und Po- seidon und sprechen ihm Mut ein: von frischer Kraft erfüllt dringt er nunmehr von neuem auf den Stromgott ein. Der aber ruft den Si- moeis zu Hilfe: ein furchtbares Ringen ent- steht. Und wiederum sind es schützende Gott- heiten, die vom Peliden das Verderben ab- wenden; auf Bitten der angsterfüllten Hera entzündet Hephaistos die Uferbäume des Ska- mander, und durch die so erzeugte Hitze wird das Gefilde getrocknet und die Leichname ver- brannt,. ja der Strom selbst gerät in Brand, so dafs der Flufsgott sich bittend an Hera wendet, dem Sohne zu gebieten, seiner zu schonen. Dies geschieht, und der Strom kehrt in sein Bett zurück, ohne am Kampfe weiter teilzunehmen 21 , 382. Achill aber stürmt weiter , vor sich her die Troer der Stadt zu- treibend. Agenor, von Apollo mit Mut beseelt, sucht noch einmal den Peliden aufzuhalten, allein seine Lanze prallt machtlos an der gött- lichen Rüstung ab. Apollo entrückt in Nebel seinen Schützling der Rache des Achill und lockt diesen in Gestalt des Agenor vor ihm her fliehend in ein entlegenes Feld in der Nähe des Skamander, um ihn von der Verfolgung der nach der Stadt fliehenden Troer abzulenken. So gelingt es diesen, die Thore zu erreichen 21 , 605. Inzwischen hat Apollo sich dem Achill zu erkennen gegeben; dieser stürmt nun- mehr direkt auf das Thor los, wo Hektor allein von allen Troern vor den Mauern der Stadt bleibend trotz der Bitten des Vaters dem ihn suchenden Peliden entgegengeht. Doch bei seinem Nahen ergreift er die Flucht, Achill folgt ihm und jagt ihn drei Mal um die Mauer, der vom Apollo beschützt vergeblich die ret- tende Stadt und das dardanische Thor zu er- reichen sucht, denn stets schneidet ihm Achill den Weg ab und treibt ihn von der Stadt weg ins Freie, gestattet aber den Achäern nicht, auf ihn zu schiefsen, sondern behält sich selbst die Ehre des Sieges vor. Bei dem vierten Umlauf läfst Zeus die Schicksalswage über das Los der Beiden entscheiden: da neigt sich Ilektors Schale dem Hades zu, und sofort ver- läfst ihn Apoll. Athene aber tritt zu Achilles, heifst ihn vom Kampfe ausrnhen und verspricht ihm baldigen Sieg 22, 214. Dann aber for- dert sie in Gestalt des Deiphobos den Hektor im Namen seiner Eltern auf, dem Achill Stand zu halten und dem Kampfe ein Ende zu ma- chen. Der so getäuschte Held stellt sich nun- mehr, auf des Bruders Hilfe bauend, dem Gegner, erbietet sich aber, falls er siege, die Leiche des Achill den AchätJrn zurückzugeben, das- selbe verlangt er für sich, falls Achill ihn töte. Dieser aber weist jeden Vertrag zurück, und der Kampf beginnt; demSpeere des Achill weicht Hektor behend aus, Athene bringt ihn unbe- merkt dem Achill zurück. Aber auch Hektors Lanze vermag nicht, den Schild des Gegners zu durchbohren. Vergebens schaut er sich nach Deiphobos um, endlich den Trug der Athene

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erkennend. Da zieht er das Schwert und dringt auf Achill ein; der aber stöfst ihm den Speer zwischen Achsel und Hals, so dafs er am Ge- nick wieder herausdringt und Hektor zu Boden stürzt. Nochmals fleht Hektor mit dem Tode ringend den Gegner an, seinen Leichnam zu schonen und ihn unversehrt nach Troja zu schicken, aber Achill bleibt unbewegt, und so stirbt Hektor, den Peliden an sein nahes Ende mahnend: am skäischen Thore werde er durch Paris’ und Apollos Hände fallen 22 , 360. Overbeck a. a. 0. p. 448 ff. Nun entkleidet Achill den Gefallenen seiner Waffen, und nachdem er die ihn umstehenden und des Hektor herr- lichen Körper bewundernden Achäer nochmals an die dem Patroklos schuldige Rache erinnert hat, durchbohrt er ihm die Sehnen zwischen Knöchel und Ferse, zieht Riemen hindurch und bindet diese am Wagensessel fest. Dann be- steigt er den Wagen und schleift den Leich- nam nach den Schiffen. Overbeck a. a. 0. p. 453 ff. Nun zerstreuen sich die andern Achäer; den Myrmidonen aber befiehlt Achill zusammenzu- bleiben, um nochmals die Totenklage um Pa- troklos anzustimmen und den Totenschmaus zu halten. Ihn selbst aber wollen die Fürsten zum Zelte des Agamemnon führen, damit er sich daselbst bade 23, 40. Er aber weigert sich dessen und schwört es nicht eher zu thun, bevor er den Patroklos bestattet, ihm ein Grab- mal errichtet und sich das Haupthaar gescho- ren habe. Nachdem er den König gebeten, den Holzstofs errichten zu lassen, nimmt er teil an dem gemeinsamen Nachtmahle und ruht dann die Nacht hindurch am Gestade des Meeres. Da erscheint ihm im Traume Patro- klos , ihn zu schleuniger Bestattung seines Leichnams ermahnend 23, 90. Achill gelobt es. ln der Frühe fällen die Mannen des Agamemnon Stämme auf dem Ida und schlei- fen sie vom Berge herunter an das Ufer des Meeres; die Myrmidonen kommen herangezogen, und in ihrer Mitte tragen auserlesene Freunde den toten Patroklos zur Bestattungs stätte, Achill hält ihm das Haupt. Am Ziele ange- langt schneidet er sich das Haar ab und legt es dem Freunde in die Hände, dann lieifst er die Achäer sich zum Mahle begeben, wäh- rend die Myrmidonen das Totengerüst bauen und viele Opfertiere schlachten. Darauf legt Achill den Toten, umhüllt ihn mit Fett, legt die geschlachteten Opfertiere um ihn her, stellt Krüge voll Ol und Wein dazu und wirft end- lich 4 Rosse, 2 Hunde und die Leichen der 12 von ihm im Skamander gefangenen und nunmehr erwürgten jungen Trojaner auf den Scheiter- haufen. Dann entzündet er ihn. Da er aber durchaus nicht hell brennen will, ruft er den Boreas und Zephyros zu Hilfe. Iris überbringt den Winden die Bitte; sie stürzen sich tosend auf das Gerüst, so dafs die Glut mächtig em- porknattert. Achilles aber bringt die ganze Nacht hindurch dem Toten Weinspenden, un- ter Wehklagen den Scheiterhaufen umgehend. Erst gegen Morgen, als derselbe unter dem Hauche der Winde zu Asche geworden, naht sich ihm der Schlummer 23, 232. Zur Toten- feier des Patroklos vgl. Overbeck a. a. 0. p.

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484 ff. Bald aber wird er wieder von den Fürsten der Achäer geweckt; nun wird auf seinen Befehl die Glut mit Wein gelöscht, die Gebeine des Patroklos werden gesammelt und in Fettstücke eingehüllt in eine goldene Urne gelegt; über dem zusammengesunkenen Schei- terhaufen wird das Grabmal aufgeschüttet. Dann läfst er das Volk in weitem Kreise sich niedersetzen , die Kampfpreise herbeibringen und die Leichenspiele beginnen: Das Wagen-

rennen, an dem sich 5 Achäer beteiligen, macht den Anfang. Achill stellt das Zeichen und bestellt den Phoinix als Kampfrichter. Wäh- rend des Rennens schlichtet er einen zwischen Idomeneus und dem lokrischen Aias entstan- denen Streit. Diomedes gewinnt den ersten Preis, nochmals rnufs aber Achill einen Streit, der zwischen den Siegern ausgebrochen, schlich- ten. Den fünften übrig gebliebenen Preis giebt er dem Nestor als Andenken an Patroklos. Dann folgen Faustkampf, Ringen, Wettlauf, Speerkampf, Diskuswurf, Bogenschiefsen und Speerwerfen. Auf den letzten Kampf verzich- tet Achill und giebt dem Agamemnon den Ehrenpreis 23, 897. Nach schlafloser, in Trauer um den Freund verbrachter Nacht schleift Achill Hektors Leib dreimal um das Grabmal. Dies wiederholt er jeden kommenden Morgen 24, 416 f. Am 12. Tage aber gebeut Zeus der Thetis, dem Sohne zu verkünden, die Götter grollten ihm heftig, dafs er den Hektor unge- löst bei den Schiffen zurückhalte; er selber werde Iris zum Priamos senden, damit er den Achill angehe, ihm den Sohn zu lösen 24, 119. Achill fügt sich dem Willen der Götter; des eigenen greisen Vaters und seines baldigen Endes gedenkend nimmt er den mit reichem Lösegelde ankommenden Priamos erbarmungs- reich auf, ergeht sich in Klagen über ihr bei- derseitiges trauriges Schicksal, sucht aber zu- letzt den Greis zu trösten. Als dieser jedoch in dringender Weise um Auslösung des Soh- nes bittet, gerät er in Zorn und warnt den Greis, ihn nicht zu reizen. Nur der Befehl der Götter sei für ihn malsgebend. Darauf läfst er die Lösegeschenke vom Wagen neh- men, die Leiche Hektors waschen, salben, klei- den, auf den Wagen legen und iibergiebt sie dem Greise, entläfst ihn aber erst am folgen- den Morgen. Nachdem er ihm ein Abendmahl zugerüstet und eine Ruhestätte für die Nacht in seinem Hause bereitet, sowie sich mit ihm über einen Waffenstillstand von 12 Tagen be- treffs der Bestattungsfeierlichkeiten für Hek- tor geeinigt hat, ruht er selbst im Innern des Hauses bei der Briseis. Am frühen Mor- gen führt Hermes den Priamos samt der Leiche des Sohnes unbemerkt durch das Achäerlager nach Ilios 24, 690. Hektors Lösung bei Over- beck a. a. 0. p. 464 ff.

Soweit die Erzählung der 1 1 i as. Die Odys- see aber berichtet über die weiteren Schick- sale des Helden Folgendes: Odysseus begegnet 11,467 in der Unterwelt der jammernden Seele des Peliden, welcher ihn um Neoptolemos und Peleus befragt. Hocherfreut über die ihm ver- kündete Tüchtigkeit des Sohnes wandelt seine Schattengestalt mächtigen Schrittes die Aspho-

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deloswiese hinab. Um ihn sammeln sich, wie ehedem auf der Oberwelt, die Seelen der ab- geschiedenen befreundeten Helden, Patroklos, Antilochos , der Telamonier Aias und Aga- memnon 24, 15 ff. Als daselbst Achill das jammervolle Ende des Agamemnon beklagt, erzählt dieser 24 , 35 ff. , wie Achill vor llios gefallen sei (der Name dessen, der ihn tötete, wird nicht genannt) und sich um seinen Leich- nam heftiger Streit erhoben, bis es den Achäern i gelungen, ihn zu erbeuten und in das Lager zu bringen. Und als sie die Totenklage erho- ben, stieg Thetis mit den Meergöttinnen aus dem Meere empor , um daran teilzunehmen. Auch die 9 Musen kamen herbei und besan- gen den Abgeschiedenen 17 Tage lang. Am 18. Tage aber wird die Leiche unter grofsen Opfern verbrannt, und mit Rossen und Wagen umsprengen die Achäer das lodernde Toten- feuer. Die Gebeine aber werden von Thetis 2 in einem goldenen Gefäfse, einem Werke des Hephaistos und Geschenke des Dionysos, ge- sammelt und mit denen des Patroklos gemischt. Über diesen aber, sowie den Gebeinen des An- tilochos häufen die Achäer am Strande des Meeres ein mächtiges Grabmal. Dann aber ver- anstaltet die Mutter nach Aussetzung herrli- cher Preise grofsartige Kampfspiele. Odys- seus selbst aber berichtet 11, 541 ff. , dafs an dem Wettstreite, bei welchem Thetis dieWaf- 3 fen des Achill als Siegespreis ausgesetzt, er und Aias sich beteiligt hätten. Die Kampf- richter hätten ihm den Preis zugestanden, wo- rauf der Selbstmord des Aias erfolgt sei.

So Achill in Ilias und Odyssee.

II. Nachhomerische Sagen.

Diese geben die Ergänzung zu den homeri- schen Mythen, indem sie dieselben nicht nur ausbildeten, nmgestalteten und aus schmückten, 4 sondern auch das Knaben- und Jünglingsalter des Achilles, seine Kämpfe auf der Fahrt nach Troja, sowie bei der Landung, die ersten neun Kriegsjahre vor Beginn der Ilias, die Abenteuer des zehnten Jahres nach dem Tode Hektors, den Tod, die Bestattung des Helden, endlich sein Fortleben nach dem Tode behandeln. Sie bilden also gleichsam den äufseren Rahmen zu dem Sagenkreise der Ilias; poetische Gestal- tung fanden sie in den nur in den Excerpten 5 des Proklos und wenigen Bruchstücken erhal- tenen Epen Kypria des Stasinos oder Hegesias, der Aithiopis und Iliupersis des Arktinos von Milet, der kleinen Ilias des Lesckes und den Nostoi des Agias von Troizene, für uns von gröfstem Gewicht besonders deshalb, weil sie uns den ältesten Kern der Sage erkennen las- sen und den Zusammenhang der Mythen leh- ren. Hauptwerke: Der epische Cyldus oder die homerischen Dichter v. F. G. Welcker, Joh. 6 O verbeck, die Bildwerke zum Thebanischen und Troischen Heldenkreis. L. Preller, griechische Mythologie.

a. Gehurt und früheste Jugend.

Nach JEurip. Hel. 38 ff. (von Welcher cp. C.

2, 87 auf den Anfang der Kyprien zurückge- führt; Epic. Gr. fr. p. 20 K.) erregte Zeus den

trojanischen Krieg, damit die Erde von der über- grofsen Menschenanzahl befreit werde und alle Welt Hellas’ gröfsten Sohn erkenne. Zeus und Poseidon freiten um Thetis {Find. I. 8, 26 ff.), allein diese weissagte in der Götterversammlung, dafs aus einer Ehe zwischen ihr und Zeus oder Poseidon ein Sohn entspringen werde, der mäch- tiger als der Vater eine stärkere Waffe denn Blitz oder Dreizack führen werde. Deshalb o standen beide Götter von der Ehe ab. Hin- gegen einem Sterblichen vermählt, werde sie einen Sohn gebären, dem zwar im Kriege zu fallen bestimmt sei, der aber an Stärke der Arme dem Ares und an Schnelligkeit der Füfse den Blitzen gleich sein werde; dieser künftige Gatte aber sei Peleus, der Herrscher von Iol- kos. Apoll. Argon. 4, 800. Apollod. 3, 13, 5, 1. Fulg. Myth. 3, 7. Sein Geburtsort ist nach dem Schol. zu II. 23,144 das thessalische Phar- 0 salos (nslacyrnog rvcpäv Lycophr. 176); er ist das siebente Kind, das Thetis dem Peleus ge- bar (Sch. II. 16, 37. Lycophr. 178. Ptol. Heph. 6), aber von allen vorhergeborenen Kindern war keines am Leben, da, wie schon das alte nach dem König Aigimios benannte Gedicht (Sch. Apoll. Argon. 4, 816) im zweiten Gesänge erzählte, die Mutter ihre Kinder, um ihre Sterb- lichkeit zu prüfen, in siedendes Wasser tauchte, wobei sie umkamen. Bei Achill aber habe es o der erzürnte Peleus verhindert.

Eine andere Fassung der Sage ist folgende. Nach Schol. II. 16 , 37 wirft Thetis , von den Göttern zur Heirat mit Peleus gezwungen, ihre Kinder ins Feuer, im Glauben, die sterblichen Teile würden verbrennen, das Unsterbliche an ihnen erhalten bleiben. Bei dem siebenten Kinde überrascht sie Peleus und entreifst ihr den Knaben. Nach Apoll. Rh. 4, 869 und Apol- lod. 3, 13, 6 birgt sie, um das Sterbliche zu o tilgen, den Knaben nachts im Feuer, am Tage salbt sie ihn mit Ambrosia. Ptol. Heph. 4 erzählt, nur der Knöchel des rechten Fufses sei verbrannt; als Peleus aber den Knaben dem Ckeiron übergeben hatte, grub dieser den Leib des unter demPallenegebirge begrabenen Damy- sos , des schnellsten aller Giganten, auf, ent- nahm ihm einen Knöchel und setzte ihn dem Achill anstatt des verbrannten ein. (Ebenda- selbst steht eine etymologisierende späte Sage, o Thetis beschenkt den Neugeborenen mit den Flügeln der Arke, der Tochter des Thaumas, des Bruders der Iris, welche Zeus der Thetis als Hochzeitsgeschenk gegeben, daher noSuQ- xrjg). Infolge der Rettung aus dem Feuer nannte ihn sein V ater nvQicaoog , die Mutter aber, weil ihm das Feuer eine Lippe verzehrt hatte, A%ü.£vg (a-xsllog). Die jedenfalls jüngste Ge- burtssage (Stat. Achill. 1, 269. Fulg. Myth. 3, 7. Quint. Smyrn. 3, 62. Hyg. Fab. 107. o Serv. Verg. Acn. 6, 57.) berichtet, Thetis habe ihn , um ihn unsterblich zu machen , in die Styx getaucht; die Ferse, an welcher sie ihn hielt, sei vom Wasser unberührt und so ver- wundbar geblieben.

Die Geburt des Knaben trennt die Gatten. Thetis, über das Verfahren des Peleus erzürnt, verläfst ihn auf immer, um in das Meer zu- rückzukehren (Sch. II. u. Apollon. Rh. a. a. 0.

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Aristoph. Wolken 1068 ; nach Apollod. a. a. 0. zu den Nereiden.). Anders bei Homer; vgl. II. 1, 396 u. 16, 574. Peleus hingegen (nach Orph. Argon. 387 ff. Thetis selbst) überbringt den Knaben dem auf dem Pelion wohnenden Kentauren Cheiron (Paus. 3, 18, 12. Sch. 11. 9, 486), welcher ihn nach Sch. II. 11,613 u. Era- tosth. Katasterism. 40 mit Asklepios, nach Phil. Heroikos 708 mit Protesilaos, Palamedes und Aias zusammen in Gottesfurcht (Pincl. P. 6, 20), l in edler Sitte ( Eurip . Iph. A. 926), in der Tugend der Gerechtigkeit und uneigennützigen Wir- kens sowie Verachtung irdischer Güter ( Phi - lostr. Her. 733) , in der Arzneikunde (Sch. II. 16, 37. 9, 22. 50. 53. Plut. Tom. 2, p. 1146 A) sowie in der Musik (Lyraspiel und Gesang (Sch. II. a. a. 0. Hör. Epod. 13, 12. Erzgruppe in Rom in d. Säpta des Campus Martius von unbekannter Hand ; cfr. Overheck Gesell, d. griech. Plastik 2 2, 283 ; auf dem amykl. Throne Paus. 2

з, 18, 12) im Jagen, Reiten und allen ritter- lichen Künsten (Stat. Achill. 2, 381 452, Philost. maj. im. 2 , 2. Heroik. 730 Sidon. Apoll, ep. 9, 131) unterrichtete, nachdem ihn, den der Mutterbrust, die er nie genossen, be- raubten (Sch. II. 1, 1. Stat. Ach. 2, 383) als kleines Kind die Najaden Chariklo, das Weib, und Philyra, die Mutter des Cheiron aufgezogen und gepflegt hatten (Pind. N. 3, 75. Apollon. (Rh. 4, 813 u. Sch.). Bei Apoll. Rhod. 1. 553 ff. 3 steigt Cheiron, als Peleus mit den Argonauten bei dem Pelion vorüberfährt, mit Chariklo, welche den Kleinen auf dem Arme trägt, vom Berge herab und zeigt dem Vater das Kind. Nach Apoll. 3, 13, 6 u. Sch. gab ihm aus obi- gem Grunde Cheiron den Namen Achilleus, während er vorher AryvQcov liiefs. Seine Nah- rung bestand in Eingeweiden von Löwen und wilden Schweinen, sowie dem Mark von Bären (Stat. Ach. 2, 384. Schol. Aphth. 2, 621. Ho- 4 mil. pseudoclem. 6, 10); nach Phil. Her. 730.

и. im. 812 in Honigscheiben und Rehmark. So wächst er unter fortwährenden körperlichen Übungen zu einem starken Knaben heran, des- sen Herz sich an Waffen und Musik erfreut (Orph. Arg. 399. Pind. N. 3, 79. Stat. Achill.

I, 40 u. 188 ff. u. 2, 381 ff. Ovid fast. 5, 388. Philostr. Her. 730). Erkämpft mit Löwen und fängt ihre Jungen, jagt Eber und legt ihre im Todeskampfe zuckenden Körper dem Chei- 5 ron zu Füfsen; Hirsche fängt er ohne Hunde und Netze (Pind. N. 3, 80 90. Soph. h. Eust.

II. 877, 59. Liban. tom. 4, p. 86, 18. p. 1014, 11. Stat. A. 1, 166 170). Später nimmt er den Kampf mit den benachbarten Kentauren auf, plündert ihre Wohnungen und raubt ihre Herden (Stat. A. 1, 153). So trifft ihn seine Mutter (Stat. A. 1, 189). Die Liebe des Jüng- lings zur Musik und Poesie schildert Philostr. Her. 730. Kalliope, von Achilles unter Dar- e bringung eines Opfers um ihre Gunst angefleht, erscheint ihm im Traume und verspricht ihm soviel Kunstfertigkeit zu geben , dafs er ein Mahl erheitern und den Kummer beschwichti- gen könne; sein Hauptruhm werde nicht auf seinem Gesänge, sondern auf kriegerischen Tha- ten beruhen. Allein sie werde ihm einen Sän- ger erwecken, welcher seine Thaten verewigen

werde. Und so lernte er denn mit Leichtig- keit singen und die Lyra spielen. Er sang die alten Lieder von Hyakinthos , Narkissos und Adonis, sowie die neueren vom Hyllos und Abderos , deren Schicksal ihn zu Thränen rührte.

Nach vollendeter Erziehung giebt ihn Chei- ron dem Vater zurück (Sch. II. 16, 37); auf ei- ner Vase aus Nocera hingegen (Bull. Nap. N. S. 5. t. 2.) führt Hermes ihn dem Nereus und den Nereiden, worunter die namentlich bezeicli- nete Thetis, zu. Nach Ovid Fast. 5, 381 traf Achill bei Cheiron mit Herakles zusammen; die spätere Sage (Eratosthen. Katasterismata 40) machte Herakles zu seinem Liebhaber. Von dem Aufenthalte im Vaterhause nach Vollen- dung der Erziehung durch Cheiron berichtet die Sage so gut wie nichts. Nur zweierlei sei erwähnt. In diese Zeit hat man die Ankunft des Patroklos in Phthia und den Anfang des Freundschaftsbündnisses zu setzen; beide wur- den später in Thessalien als Nationalhelden verehrt. Eine wunderbare Sage aus jener Zeit erzählt von ihnen Istros im 13. Buche seiner Attika (Plut. Theseus 34). Nach diesem wurde Alexandros, der in Thessalien Paris hiefs, von Achill und Patroklos am Spercheios besiegt, wozu vgl. Forchhammer, Achill p. 27.

Cheiron und Achilleus, pompejan. Gemälde.

b. Späteres Knaben- und Jünglingsalter.

Während die ältere Sage der Kyprien von dem späteren Knabenalter des Achilles schweigt (die den Auszug des Achill wahrscheinlich in Anlehnung an die Kykliker darstellenden Va- sengemälde siehe am Schlüsse von b S. 28, 58) und ihm erst nach der Zerstörung von Teu- thrania und nach der Verwundung des Tele- phos durch Sturm nach Skyros verschlagen werden und die Deidamia heiraten läfst (so der Dichter der kleinen Ilias bei Eustath. II. 1187, 15 u. Sch. 11. 19, 326) oder er nach Sch. II. 9, 664 Skyros einnahm und plünderte, um die von .Peleus abgefallenen Doloper zu züch- tigen, als er sich auf dem Wege nach Aulis

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befand, bei welcher Gelegenheit er den Neo- ptolemos zeugte, berichtete die Sch. II. 9, 664 ausdrücklich als die jüngere bezeichnete Sage, dafs, als die Griechen anfingen, sich zum Kriege gegen Troja zu rüsten, Peleus (nach .Apollodor, Statuts A., Hygin, Ovid u. Eustath. II. 1187, 13 die Thetis) eingedenk des Orakels, dafs seinem Sohne bestimmt sei als Jüngling vor Troja zu fallen, den neunjährigen Knaben nach der In- sel Skyros zum König Lylcomedes gebracht habe. Dort sei er in Mädchenkleider gesteckt und mit den Töchtern des Königs aufgezogen worden ( Soph . in Scyriis fr. 496 505. Wel- cher gr. Tr. 1, 102 107. Seneca Troad. 223. Poly- gnots Darstellung hei Paus. 1, 22, 6. Pion 15, 5 ff. Stat. Ach. 1, 207). Da nun aber nach der Weissagung des Kalchas Troja ohne Achill nicht erobert werden konnte, so wurden Odys- seus, Phoinix und Nestor (bei Ovid Aias, bei Statius. u. Philostr. jun., Odysseus u. Diomedes) zum Peleus geschickt, Achill zu holen. Dort

Achilleus’ Abholung von Skyros, pompeian. Gemälde,

abgewiesen hätten sie sich nach dem von Kal- chas ausfindig gemachten Versteck begeben.

Da sie den Achill unter den Töchtern des Ly- komedes vermuten, legen sie auf Odysseus’ Rat den Mädchen Waffen und Körbchen mit aller- hand Werkzeugen furn Weben vor. Die Mäd- chen greifen nach letzteren, Achilles aber ver- rät sich, indem er nach den Waffen greift. Nunmehr nimmt er am Zuge teil. So Sch. II.

16, 326. Ovid Metam. 13, 162 ff. Phil. jun. imag. 1. Nach Apollodor 3, 13, 8 entdeckte Odysseus den Achilles, indem er durch Blasen einer Trompete dessen kriegerische Begeiste-

rung anfachte. Beide Sagen vereinigt bei Hy- gin f. 86 u. Stat. Ach, 2, 165 ff. Vgl. aufser- dem Ovid de arte am. 1, 697 706. Liban. t. 4 p. 192. Eust. z. II, 1187, 15. Tzetzes Ch.il. 4, 996. Lykophr. 277 und dazu Tzetzes, wel- cher sogar eine Fabel erwähnt, nach welcher Achill aus Furcht vor Hektor und dem Tode nach Skyros geflüchtet sei. Philostr. Her. 731 verwirft natürlich die Weibergeschichte als io seines Helden unwürdig; nach ihm schickt Peleus den Sohn nach Skyros , um den von Lykomedes getöteten Theseus zu rächen. Achill erobert Skyros, nimmt den Lykomedes gefangen, läfst ihn aber frei, weil er sich recht- fertigt, heiratet die Deidamia und zeugt mit ihr den Neoptolemos. Die Entdeckung des Achill unter den Töchtern des Lykomedes « wurde von Malern mit Vorliebe dargestellt.

So von Polygnot in der Pinakothek der Pro- 20 pyläen (Paus. 1, 22, 6)' und Athenion Maro- nites (PK». 35, 134); als Gemälde erwähnt bei Ach. Tat. 6 , 1 und Aristaen. 2, 5. Die bildlichen Darstellungen der Abholung des Achill von Sky- ros besprochen von Overbeck a. a. 0. p. 287 ff. E. Engelmann , zwei Mosaiken aus Sparta. Arch. Ztg. 39 p. 127. 0. Jahn, Arch. Beiträge 352 ff. Gerhard D. u. F. 1858 t. 113 p. 157. Helbig Camp. Wand- gem. n. 1296 ff.

Aus der Liebe zur Deidamia und der heimlichen Vereinigung beider (vgl. Pion a. a. 0. u. Stat. A. 1, 642 ff. Seneca Troad. 350 ex vir- ginis concepte furtivo stupro) ent- springt Pyrrhos , später Neopto- lemos genannt. Auf eine römi- sche Tragödie , den Aufenthalt des Achilles und sein Liebesieben auf Skyros behandelnd, weist hin Ov. Trist. 2, 409 ff. Achilles führte selbst auf Skyros wegen seines blonden Haares den Namen Pyrrha (Ptolem. Heph. N. H. 1) , auch Ksquvgsqcc und Issa wurde er ge- nannt. Daselbst werden auch zwei Söhne Neoptolemos und Oneiros erwähnt. Als legitimer Sohn hin- gegen in recktmäfsiger Ehe er- zeugt erscheint Pyrrhos in den Kyprien bei Proklos, Prop. 2, 7, 54. 9, 16. Philostr. Heroic. 732. Tzetz. in Lycophr. 277. Die lako- nische Sage hingegen (Paus. 3, 24, 10) erzählte von einer Werbung des Achill bei Tyndareos um Helena, bei welcher Gelegen- heit er den Las getötet habe. Endlich erwähnt Sch. II. 19, 326 eine Sage, nach welcher Neo- 60 ptolemos der Ehe des Achilles und der Iplii- genia entsprossen sei. Zum Schliffs die Er- zählung des Philostr. Heroik, 732. Thetis pflegt den Sohn nach seiner Verheiratung mit Deidamia auf Skyros; als sich aber die Grie- chen in Aulis versammeln, bringt sie ihn zum Peleus zurück und rüstet ihn mit Waffen aus, wie sie noch niemand zuvor getragen. Weiter weifs die spätere Sage betreffs seiner Aus-

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Achilleus nachliom.

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rüstung, dafs seine Rosse unsterblich waren (Sch. II. 1, 131 u. 197, dagegen Philostr. Her. 737), ein Geschenk des Poseidon bei der Hoch- zeit seiner Eltern (ebenso Ptolem. Heph. N. 11. 6); seine Rüstung und Schwert war ein Geschenk des Hephaistos, dem Peleus bei der- selben Gelegenheit gemacht nach Eiist. II. 1090, 43. Bei der Abfahrt nach Aulis (Flut. Q. Gr. 28) stellt die Mutter ihm einen Sklaven zur Seite, der ihn warnen soll einen Sohn des l Apollo zu töten, denn nach Tzetzes Lyc. 232 lag eine Weissagung vor, dafs eine solche That seinen Tod zur Folge haben würde. Der Sklave heifst Mnemon. Die Zeit des Aufent- haltes im väterlichen Hause betreffen nach Wel- cher aeschyl. Tril. 2, 305 die ’AxAlsco? sqccgtou', ein Satyrspiel. In direktem Gegensätze zu den Sagen von Skyros stehen Darstellungen auf Vasen, den Auszug des Achilles sicherlich in Anlehnung an die Kyprien wenn auch zum Teil 2 mit grofser künstlerischer Freiheit und ohne peinliches Festhalten am Worte des Dichters schildernd. Vollständig neu ist, dafs mehrfach Hermes und einmal Iris als Stellvertreterin des Genannten als Götterboten erscheinen, um den im Plause des Grofsvaters Nereus weilen- den Achill zur Teilnahme am Kriege zu be- wegen. Die Darstellungen zerfallen nach Brunn troisch. Mise. 18G8. 1. B. p. 61 ff. in drei Grup- pen. 1) Einfacher Abschied des Achilles von 3 Thetis ohne Zuthat. Gerhard A. V. 184. Overh. Taf. 16, 2. p. 386. 2) Hermes erhält von Achill durch Handschlag das Versprechen der Betei- ligung am Kriege. Thetis Gerli. A. V. 200. Overh. t. 20, 1. p. 464. Luckenbach, Fleckeisens J ah eh. Suppl. 11 p. 546. P. J. Meier, JDurisschalen arch. Ztg. 1883 p. 5 und Hermes zwischen Achill und Nereus stehend. Thetis. Nereiden. Bull. nap. N. S. 5, 2. Welcher, alte Denlcm.

5, 327. 3) Achills Auszug. Cheiron und Her- 4 mes vor dem Viergespann, welches Achill be- steigt, gefolgt von Nestor und Antilochos oder Patroklos (Thetis kommt mit Kanne und Schale herbei) des Vergers VEtrurie pl. 38. Anti- lochos besteigt den von Phoinix gelenkten Wagen, neben dem Iris sichtbar wird. Vor den Pferden gerüstet Achill, dem Nestor die Hand reichend. Overh. t. 18, 2. fDie selb- ständigste Erfindung aber (so Brunn p. 71) findet sich auf dem Kantharos des Epige- 5 nes Ann. d. Inst. 1850, tav. d'agg. H. I., und doch ist vielleicht der Gesamtinhalt der epi- schen Dichtung hier am vollständigsten und tiefsten erfafst.’ Auf der einen Seite: die Wogengöttin Kymothea reicht Achill den Ab- schiedstrunk. Agamemnon, jugendlicher E)ne- ger, Nereide; auf der andern Seite Nestor dem Antilochos Rat erteilend , und Thetis mit Kanne und Schale als besorgte Mutter sich an den besten Freund des thatendur- & stigen Sohnes wendend. Dem Achill zur Seite steht ein Begleiter, welcher sich durch den Namen Ukalegon als eine von Achill los- gelöste personifizierte Eigenschaft des letz- teren ausweist. Nach Aristot. Blut. 2 , 22 zog Achill als der jüngste der Helden, ohne durch Eid dazu verpflichtet zu sein , nach Troja.

c. Aulis. Die Fahrten nach Troja.

Die Griechen versammeln sich in Aulis, mit ihnen Achill an der Spitze der Myrmidonen mit 50 Schiffen ( Dictys Cr. 1, 18), er geniefst nach Philostr. Her. 732 schon hier neben sei- ner Mutter göttliche Verehrung.

1) Erster Zug. Telephos. Bei der ersten Ausfahrt, so berichten die Kyprien, landeten die Griechen in Teuthranien in Mysien im Glauben , in Troas zu sein , und verwüsteten das Land. Telephos, der künftige Thronerbe, eilt zur Abwehr herbei, wird aber von Achil- les verwundet. Ein Sturm überfällt die Ab- fahrenden und zerstreut sie (Achill nach den Kyprien nunmehr nach Skyros verschlagen; vgl. oben). Da dem Telephos zu Delphi das Ora- kel zuteil geworden, nur wer ihn verwundet, könne ihn heilen , kommt er nach Argos , wo sich das Heer wieder gesammelt hat und wird vom Achill geheilt, da infolge eines Schick- salsspruches Telephos der Führer der Griechen auf ihrem zweiten Zuge nach Troja sein mufste. Vgl. Find. 1. 8, 49. Sch. Find. O. 9, 107. Euripicles Fragm. d. Telephos. Anth. Jacobs t. 2, p. 657. 11, 110. Sch. II. 1, 59. Tzetz. Lyc. 209. Sch. Nuh. 919. Hyg. F. 101. Prop. 2, 1, 63. Ovid M. 12, 112. Senec. Troad. 224 ff. Plin. 25, 42. 34, 152. Phil. Her. 690. Lihan. Deel. 3 p. 230 D. Dictys 2 , 3. 10. Suidas s. Tylecpo ?. Eustath. z. II. 45, 39. Nach Sch. II. 1, 59 mufste Telephos vor der Heilung dem Achill versprechen , den Troern keine Hilfe zu leisten. Bei Hygin lautet das Orakel: „Nur die Lanze, welche die Wunde geschlagen, könne sie heilen“, die Heilung erfolgt durch abge- schabte Eisenspäne. Ebenso bei Eurip. Fr. Nauch 725 und Plinius , welcher von abgeschabtem Roste spricht. Nach Pindar erfolgt die Ver- wundung am Kaikos; in diesen Kämpfen be- reitet sich nach Welcher ep. C. 2, 150 in den Kyprien die Waffenfreundschaft zwischen Achil- les und Patroklos infolge der Thaten des letz- teren vor. Patroklos war nämlich bei der Lan- dung am Kaikos verwundet worden: auf der Vase des Sosias, Gerb. Trinksch. t. 7 verbindet ihm Achilles , auch als Arzt auftretend , den Fufs. Bei Philostr. heilt Achill den Telephos, vor Troja; nach Dictys unterstützen ihn dabei auf Weisung des delphischen Orakels die Söhne des Asklepios, Machaon und Podaleirios. Nach Philostr. war endlich der Schild des Telephos, auf welchen Achill Anspruch erhob , von den Griechen dem Protesilaos zugesprochen wor- den, da er dem Telephos den Schild wegge- zogen und dadurch die Verwundung desselben ermöglicht hatte. Mit grofser Vorliebe hat die Kunst, die bildende wie die dramatische, die Telephossage dargestellt und naeli Bedürf- nis umgewandelt und erweitert. Der Kampf der beiden Helden war von Skopas in dem westlichen Giebelfelde der Athene Alea zu Tegea plastisch wiedergegeben (Patisan. 8, 45, 7. Overbeck G. d. gr. Pl. 2 2, p. 18. Wel- cher A. D. 1 p. 199 ff. Urlichs, Skopa's' Leben u. Werke p. 18), und Plin. 35, 71 beschreibt das Gemälde des Parrhasios, die Heilung des Telephos darstellend: Achill von Agamemnon

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Achilleus nachhom.

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und Odysseus umgehen schabt den Rost der Lanze in die Wunde des Telephos. Der gleiche Stoff behandelt auf dem etrusk. Spiegel 229 hei Gerhard und einem etrusk. Relief bei H. Brunn rilievi delle urne JEtrusche tav. 34, 18 der Auf- fassung des Accius entsprechend. Denn auch die Tragiker hatten sich des Stoffes bemäch- tigt. Achill trat auf in dem Telephos des Äschy- los, nach welchem wahrscheinlich Accius sein Drama arbeitete (vgl. 0. Bibbeck , die röm. io Tragödie im Zeitalter der Bepublik p. 345); auf ihn ist vielleicht die hei Brunn a. a. 0. tav.

31 n. 11 dargestellte Scene zurückzuführen, in welcher Telephos , der sich des kleinen Ore- stes bemächtigt und auf den Hausaltar des Agamemnon geflüchtet hat, demselben mit dem Tode droht , um Gewährung seiner Bitte zu finden; Agamemnon, Ulixes und Achill stür- men auf ihn ein, werden aber von Klytaim- nestra zurückhalten ; vgl. Friedr. Schlie: die 20 Darstellungen der troischen Sagen auf etruski- schen Aschenkisten p. 57; der Telephos des En- nius hingegen war wahrscheinlich nach dem von Aristophanes so arg verspotteten Telephos des Euripides gedichtet ( Bibbeck p. 105). Der 'Telephos in Argos’ vonÄgathon, erwähnt bei Athen. 10 p. 454 u. Welcher a. a. 0. 3, 989. 'Telephos in Argos’ von Moschion bei Stobaeus, Ecl. 1, 5, 1 u. Welcher 3, 1048. Der Telephos des Iophon, wohl nach Aschylos gearbeitet, spielte 30 nach Welchers Vermutung 3, 976 auch in Ar- gos, alsdann würde Achill auch in ihm auf- getreten sein. Über den Telephos des Kleo- phon siehe Welcher a. a. 0. 1010. Bei Quint. Smyrn. 4, 172 ff. heilt Achill den von ihm ver- wundeten Telephos mit der Lanze am Kaikos, und dieser schenkt ihm dafür ein Gespann Rosse; vgl. Quint. Sm. 7, 379. Die bildlichen Darstellungen bei Overbeck a. a. 0. p. 294 ff.

0. Jahn Telephos u. Troilos Kiel 1841. [Drs. 40 Telephos u. Troil. u. kein Ende. Bonn- 1859. Sehr.] Archäol. Aufsätze 164 180. Gerhard D. u. F. 1857. t. 106. 107. n. 106. 107.

Von Argos aus begeben sich die Helden nach Aulis, welches wiederum der Versamm- lungsort des Heeres ist.

2) Zweiter Zug. Achilles und Iphige- neia in Aulis, Landung auf Tenedos. Zwist (und Versöhnung) mit Agamem- non. Tod des Tenes. 50

Die Kyprien erzählen : Agamemnon läfst unter dem Vorwände, seine Tochter dem Achill zu vermählen, Iphigeneia von Mykenai nach Aulis kommen; auf Lesbos veruneinigen sich Agamemnon und Achill infolge einer Zurück- setzung des letzteren von seiten des Königs. Bei Eurip. Iph. A. erfolgt die HerbeihoJung der Iphigeneia ohne Wissen des Achill, welcher eben im Begriff ist, den König auf Drängen der Myrmidonen um schleunigen Aufbruch von so Aulis zu mahnen. Durch die erst in Aulis selbst über den wahren Sachverhalt (Opfe- rung der Iphigeneia) aufgeklärte Klytaimnestra von dem Betrug unterrichtet verspricht Achill ihr erzürnt seine Hülfe, allein als das ganze Heer und besonders die Myrmidonen auf der Opfe- rung der Iphigeneia bestehen, und Odysseus mit Bewaffneten naht, um die Jungfrau abzuführen,

giebt er sich, von den Kriegern mit dem Steini- gungstode bedroht, wenngleich unter fortwäh- renden Versicherungen seines Beistandes in sophistischer Weise zufrieden, als die Jung- frau sich freiwillig der Opferung darbietet. In der für unecht gehaltenen Schlufsrede des Boten nimmt Achill sogar persönlich an dem Opfer der Iphigeneia teil und spricht das Ge- bet an Artemis. Den gleichen Inhalt vermu- tet Welcher gr. Tr. 3, p. 947 für die Tragö- die Agamemnon des Ion von Chios. Hingegen trat, wie man aus etruskischen Sarkopbagre- liefs geschlossen hat, Achill in der Iphigeneia des Ennius , welche aus der des Sophokles und Euripides kontaminiert war, als wirklicher Verteidiger der Iphigeneia auf. Vgl. Brunn , rilievi delle urne Etruschetav. 37 n. 6. tav. 38. 39. 40. 44, 18, 19. 45, 20. 21 u. 0. Bibbeck, Böm. Tr. p. 99 102. „Demgemäfs erblicken wir hier Achill schwer verwundet zu Boden gesunken, unter dem Beistände eines treuen Waffenge- fährten mit der erhobenen Linken noch in der Ohnmacht gegen das Opfer protestierend; ihm gegenüber jenseits des Altars einen seiner wüten- den Angreifer aus dem Heere eben im Begriff einen Stein zu werfen“ (p. 101). In tiefe Trauer versunken wohnt Achill (nach Brunn-, anders Helbig ) auf dem bekannten pompejanischen Wandgemälde dem Opfer bei“ ( Helbig n. 1305; Zahn 2, 61). Über die Bildwerke siehe Overbeck a a. 0. p. 322 f. 0. Jahn, Archäol. Beiträge 378 ff. Brunn a. a. 0., Schlier, a. 0. p. 60 ff. Homer weifs von der erdichteten Verlobung der Iphi- geneia und ihrer Opferung nichts. Nach Hygin. F. 98 bediente sich Agamemnon als Boten nach Mykenai des Ulixes, er berichtet aber nichts von einem Eingreifen des Achill. Der Erzählung der Tragiker kommt am nächsten Dictys 1 , 20. Ulixes bringt der Klytaimne- stra einen Brief des Agamemnon, wonach er dem Achill die Iphigeneia versprochen; Achil- les aber wolle nicht eher aufbrechen , als bis das Versprechen erfüllt sei. So beeilt sich Klytaimnestra, ihre Tochter mit Ulixes ins Lager zu senden. Während aber das Opfer vorbereitet wird, ertönt eine Stimme vom Him- mel , die Göttin verschmähe das Opfer und werde Ersatz senden; zugleich erscheint Achil- les, welcher unterdessen einen Brief von Kly- taimnestra (neben einer Menge Gold) erhalten, worin sie ihre Tochter und ihr ganzes Haus dem Achill empfiehlt. Von dem Vorhaben des Agamemnon inzwischen unterrichtet entreifst er die Iphigeneia ihren Würgern und vertraut sie heimlich dem Schutze des zufällig anwe- senden Skythenkönigs an. Mit dem Aufent- halte in Aulis bringt man gewöhnlich, wenn auch ohne sicheren Grund, das Brettspiel def Achilles und Aias in Verbindung ( Overb . G h. B. 310 ff. Brunn tr. Mise. 1880 p. 173) um in diese Zeit wird wohl auch die späb Sage anzusetzen sein , nach welcher Blut Quaest. Gr. 37 p. 225 Achill die Tanagra, di Mutter des Poimandros , des Königs von Ta nagra in Böotien, tötete (Eust. erwähnt be Tgaka im Schiffskatalog, dafs die Tanagräe sich weigerten , am Zuge gegen Troja teilzu nehmen).

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Achilleus nachhom.

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Nachdem die Griechen unter Führung des Telephos auf Tenedos gelandet waren, wurde (vgl. II. 8, 229) von Agamemnon eine Muste- rung und ein grofser Opferschmaus veranstal- tet. Durch ein Versehen bei der Einladung beleidigt er den Achilles (vgl. den Anonymus Ttsgl ogyijg Volum. Her cul.Oxon. 1 p. 51. Aristot. Rhetor. 2, c. 24(381, 54 P.) und den Opferschmaus Jl. 2, 405). Hiermit wird in Verbindung gebracht das jetzt für ein Satyrdrama erklärte Stück des Sophokles ’A^cacöv cvlloyog ?/ avvSsntvov r] GvvdentvoL. W. Dindtorf P. Sc. Gr. 2 p. 127 fragm. 148 181 ; vgl. Cicero ad Quintum fr. 2, 16; Athen. 8 p. 365 b. Vol. Here. O.x. u. Aristot. a. a. 0. Anders Welcher, gr. Tr. 1, 110—113 u. 232—240. Äschyl. Tril. 2, 170 Anm. 108. Ribbech, röm. Trag. p. 620 sagt hierüber: fdie Achäerhehlen, welche von Au- lis weiter nach Troja zogen, landeten auf Te- nedos, wo sie Musterung und einen Schmaus hielten. Achill , der zu spät dazu eingeladen war, fühlte sich deshalb beleidigt, entzweite sich mit dem Agamemnon und den übrigen Fürsten , besonders auch mit Odysseus und drohte in die Heimat zurückzukehren. Bei dem Gelage ging es wüst zu, der später kom- mende Achill wurde von den wahrscheinlich Trunkenen schnöde genug empfangen.’ Die von Quintus Cicero angefertigte Übersetzung ( Cicero ad Q. fr. a. a. 0. ist mit Bücheier factam statt 3 actam zu lesen) mifsfiel dem Bruder. Ribbech p. 619 u. 624.

Der Aufenthalt auf Tenedos wird von spä- teren Sagen noch durch die Erzählung vom Tode des Tenes ausgeschmückt. Plut. Q. Gr. 28 berichtet so : Thetis hatte dem Sohne ver- boten, den Tenes, einen Sohn des Apollo, zu töten und einem Diener den Auftrag gegeben, darüber zu wachen. Da verfolgt Achilles auf Tenedos die schöne Schwester des Tenes; die- ser schützt die Schwester und wird von Achill erschlagen, welcher ihn zu spät erkennt und feierlich bestattet. Zur Strafe tötet Achill den säumigen Diener. Tzetzes zu LyJc. 232 setzt hinzu, Thetis habe die Warnung ergehen lassen infolge eines Orakels , Achill werde sterben, wenn er einen Sohn des' Apollo töte. Die Schwester des Tenes heifst bei ihm Hemithea und wird, von Achill verfolgt, von der Erde verschlungen. Der Diener heifst Mnemon; vgl. Lykophr. 240 ff. Der Tod, den Tenes durch Achilles bei der Verteidigung des Vaterlandes erlitten, wird auch erwähnt bei Paus. 10, 14, 4. Auf einen gleichen Tod führt auch Hiodor. Sic. 5, 83, welcher erzählt, auf Tenedos habe ein Gesetz verboten, in dem daselbst befind- lichen dem Tenes geweihten Tempel den Na- men des Achill auszusprechen. Der Tod des Tenes kann aber auch bei einer späteren Lan- dung des Achill erfolgt sein. Jedenfalls ist die Sage neueren Ursprungs , da sie bei kei- nem älteren Mythographen vorkommt, und hat sich aus der Sage von Kyknos entwickelt, wel- cher von manchen Vater des Tenes genannt wird (vgl. Sch. II. 1 , 38). Die Tragödie Te- nes, fälschlich dem Euripides zugeschrieben ( Vit. Huri]). Cod. Mediol., W. Hindorf 3 fragm. 696 u. Welcher griech. Tr. 2, p. 499 f.),

Koscher, Lexikon der gr. u. röm. Mytliol.

behandelte wahrscheinlich eine andere Sage von ihm , welche sich mehr zur tragischen Darstellung eignete.

Vor dem Wegzuge der Achäer von Tene- dos erfolgte die (wenn auch nirgends ausdrück- lich erwähnte) Versöhnung zwischen Achilles und Agamemnon, da sie vor Troja beide von vorn herein in freundschaftlichem Verhältnisse leben.

d) Landung in Troja. Die ersten neun Jahre des Kampfes.

Die Kyprien erzählen: rAls die Troer die Achäer an der Landung zu verhindern suchen, und Protesilaos vom Hektor getötet worden ist, erlegt Achilles den Kyknos, den Sohn des Poseidon, und wirft die Troer in die Flucht. Nachdem die Achäer die Toten gesammelt haben, schicken sie eine Gesandtschaft nach Troja, Helena und die Schätze zurückzufordern. Auf die Weigerung der Troer machen sie ei- nen Angriff auf die Mauer. Dann aber zer- streuen sie sich über die Landschaft und zer- stören diese sowie die Städte in der Umge- bung. Da Achilles die Helena zu sehen wünscht, so bringen Thetis und Aphrodite beide an ei- nem Orte zusammen. Als die Achäer nach der Heimkehr begehren, hält sie Achilles zu- o rück. Hierauf treibt er die Rinder des Aineias fort, zerstört Lyrnessos und Pedasos und viele umliegende Städte und tötet den Troilos. Patroklos aber bringt den Lykaon nach Lem- nos und verkauft ihn daselbst. Aus der Beute erhält Achilles als Ehrengeschenk die Briseis, Agamemnon die Chryseis. Dann folgt der Tod des Palamedes und der Entschlufs des Zeus, den Achilles dem Kampfe zu entfremden , um den Troern Erleichterung zu verschaffen.’ So o Proklos.

1) T o d desProtesilaos. Tzetzes Lycophr. 245 ff. Nachdem Protesilaos durch Hektor ge- fallen, sprang Achill mit solcher Wucht aus dem Schifte , dafs an der Stelle des Nieder- sprunges sofort eine Quelle entstand. Achill trat auf in den noiysveg des Sophokles, welche den Tod des Protesilaos schildern. W. Hin- dorf, P. Sc. Gr. 2 fragm. 443 46 lb. Welcher griech. Trag. 1 p. 113 117. Der Protesilaos

o des Euripides ist anderen Inhaltes. Bildliche Darstellungen auf Sarkophagreliefs (Welcher A. H. 3, 553 ff. Overb. a. a. 0. 327 ff.) sind auf die Tragödie zurückzuführen (vgl. Brunn troisch. Mise. 1880 p. 174).

2) Tod des Kyknos. Der Tod des Kyk- nos am Kaikos (nach Sen. Troad. 237 u. Agam. 216) durch die Hand de3 Achill war eine sehr beliebte Sage und hat daher gar manche Ent- wicklungsphasen durchgemacht. Während Find.

o O. 2, 82 (146) u. I. 5, 39 (49). Senec. a. a. 0. u. Quintus Smyrn. 4, 153 einfach seinen Tod durch Achill erwähnen (nach letzterem war er ein Sohn desPoseidon und wurde mit dem Speere ge- tötet), weifs Aristoteles rhet. 2, 22, 10 (374, 51 P.) schon zu erzählen, dafs er unverwundbar gewe- sen, und sein Tod erfolgt sei, als er die Griechen am Landen verhindern wollte. Bei Lykophr. 232 zerschmettert ihm Achilles die Schultern

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Achilleus nachkom.

Achilleus uachhom.

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mit einemSteine; Tzetzes hingegen bemerkt, es sei der Kopf gewesen, an. dem allein er ver- wundbar war. Palaiphatos de incred. 12 be- richtet nur, er sei unverwundbar gewesen und habe, auch als er vom Achilles mit einem Steine getötet worden, keine Wunde davongetragen. Ausführlicher Dictys 2, 12. 13. Kyknos über- fällt die Griechen, welche, nachdem sie schon das Schiffslager aufgeschlagen haben, mit der Bestattung des Protesilaos beschäftigt sind, i und schlägt sie in die Flucht. Da kommt Achill zu Hilfe und tötet ihn. Am einge- hendsten Ovid. M. 12, 64 ff. Achilles sucht bei der unglücklichen Landung der Achäer, nachdem Hektor und Kyknos schon viele ge- tötet, jene im Scklachtgewükle und stöfst auf Kyknos. Dieser, ein Sohn des Poseidon, ist unverwundbar, und so prallt des Achilles Lanze wiederholt an seinem Körper ab. Auch das alsdann von Achilles angewandte Schwert 2 fruchtet nicht. Da dreht er dasselbe herum und sucht Kyknos durch Schläge auf Kopf und Schläfe zu betäuben. Dies gelingt; Kyk- nos stürzt beim Rückwärtsschreiten über einen Stein, Achill kniet auf ihn, erwürgt ihn mit dem Helmband und beraubt ihn der Waffen. Nach Welcher Gr. Tr. 1, 116 behandelten den Tod des Kyknos die noiysvse des Sophokles und 3, 961 der Kyknos des Achaios. Anders Urlichs. Der Kyknos des Aischylos beruht auf Vermutung. Den siegreichen Kampf des Achill gegen den imverwundeten Kyknos erblickt Brunn tr. Mise. 1880 p. 201 ff. auf einer Trink- schale des Duris bei Fröhner, Clioix des vases du prince Napoleon pl. 2—4 u. Conze , Übungs- blätter Ser. 6, 7. Auf den Tod des Kyknos läfst Ovid a. a. 0. 146 einen Waffenstillstand folgen; vor diesem aber setzt Welcher ep. Gyhl. 2, 104 einen auf einer Vase aus Vulci ( ann . d. Inst. 5. Welcher A. D. 3, 428 ff.) wahrschein- lich nach den Kyprien dargestellten

3) aufgehobenen Zweikampf des Achilles und Hektor an) reine Nachahmung des zwischen Aias und Hektor unter ausge- tauschten Geschenken aufgehobenen Zweikam- pfes im 7. Gesänge der Ilias 273—283’ (vgl. Overbeck a. a. 0. p. 333 f.). Wenn nun Ovicl a. a. 0. erwähnt, dafs Achill im Gewühle der Schlacht nach den beiden Hauptgegnern Kyk- nos und Hektor gesucht habe, so würde sich an die Bekämpfung und Besiegung des ersteren der Kampf mit dem andern sehr folgerichtig anreihen. Auf das im Vasenbilde geschilderte friedliche Auseinandergehen der beiden Hel- den lasse ich demnach folgen den von Ovid erwähnten

4) Waffenstillstand, in welchen fallen würde das bei Proklos erwähnte Begräbnis der Gefallenen und die vergebliche Ge- sandtschaft der Griechen nach Troja behufs friedlicher Herausgabe der He- lena und der Schätze. Dann folgt

5) V ergeblicher Sturm auf die Maue r.

6) Verheerung von T roas und der umliegenden Städte.

7) Wunderbare Zusammenkunft des Achilles und der Helena durch Thetis und Aphrodite vermittelt (vgl. Welcher ep. C.

2, 105), jedenfalls eine Folge des Waffenstill- standes. Lylcophron 171 spricht aber nur von einer Vereinigung derselben im Traume (Achil- les der fünfte Gemahl der Helena, vgl. Tzetzes zu dieser Stelle, welcher auch zu 141 bemerkt, dafs Achill sich nur dem Traumbilde der Helena in Liebe gesellt habe. Ebenso der Scholiast zu II. 3, 140). Die Vereinigung ist dargestellt auf einem pompejanischen Wand- gemälde bei Overbeck a. a. 0. 335 ff. Selbig a. a. 0. 327 deutet es auf Ares und Aphrodite. Diese Liebe zur Helena benutzte nun wahr- scheinlich der Dichter der Kyprien als Motiv dazu, dafs

8) Achilles die nächRückkehr in die Heimat trachtenden Achäer zurück hält und durch beutereiche Raubzüge gegen benachbarte Länder und Städte die Lust am Kriege bei ihnen zu wecken sucht; denn dieser zieht sich, da die liier infolge der ersten schweren Niederlage die offene Feldschlacht vermeiden, in die Länge und macht keine Fortschritte (vgl. ThuJcyd. 1, 11). Es folgen in den Kyprien die Züge gegen Aineias, Lyrnessos, Peclasos und andere Orte der Umgegend. Während nun der Raub der Rinder des Aineias durch Achill späterhin keine Erwähnung findet, sind die andern Baub- ziige mannigfach ausgeschmückt worden. Nach Parthenios narr. am. 26 tötet er auf dem Verheerungszuge gegen Lesbos (11. 9, 129. 271. 664) den Tr ambelos (n. Eustafh. z. II. 343, 5 in Milet, wo die Quelle, in welcher er sich nach dem Blutvergiefsen reinigte, seinen Na- men trug), den Sohn des Telamon und errich- tet ihm, nachdem er von dem Sterbenden dessen Herkunft erfahren, unter Wehklagen ein Denk- mal. Ebenso Tzetz. Lylc. 467, der von einem Zuge gegen Milet spricht. Nach Parth. a. a. 0. 21 leistete Methymna ihm kräftigen Wi- derstand. Da erblickt Peisidike, die Tochter des Königs, ihn von der Mauer, verliebt sich und schickt ihre Amme zu ihm mit dem Ver- sprechen , die Stadt zu überliefern , wenn er sie zu seinem Weibe mache. Achilles geht darauf ein, aber in den Besitz der Stadt ge- kommen läfst er die Verräterin steinigen. Ferner erzählten nach Schol. II. 6, 35 u. Eu- statli. I. p. 621, 15 Hesiod und Demetrios von der Belagerung von Pedasos (auch Menenia oder Monenia damals genannt) Folgendes. Als Achill schon im Begriff ist, von dem stark be- festigten Orte abzuziehen, wirft eine Jungfrau Pedasa, in Liebe entbrannt, ihm einen Apfel zu, auf welchem geschrieben stand, er möchte nicht abziehen, sondern die Belagerung fort- setzen, da die Belagerten an grofsem Wasser- mangel litten. Achill folgt der Weisung und bemächtigt sich des Ortes , den er nunmehr Pedasos nennt. Bei Dictys 2, 16 beginnt Achill mit der Eroberung von Lesbos , wo er Dio- mede, die Tochter des Phorbas erbeutet; dann nimmt er Skyros und Hierapolis. Da er alles, was er Troja freundlich gesinnt glaubt, ver- wüstet, bitten die umwohnenden Völkerschaf- ten um Frieden, indem sie ihm die Hälfte des Ertrages ihrer Felder anbieten. Achilles nimmt es an und kehrt ins Lager zurück. Aber bald

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Achilleus nachhom.

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wendet er sich gegen Lyrnessos, erobert es und führt von dort die Astynome (urspr. Name der Chryseis, vgl. Eustath. ad I. 77, 30. 118), die Tochter des Königs Eetion fort. Dann nimmt er Pedasos, die Stadt des Brises, ein und erbeutet dessen Tochter Hippodameia (urspr. Name der Briseis n. Eust. ad II. 77, 32. Tzetz. Ante- hom. 350. Jo. Mal. p. 12G). Als besonnenen Berater auf diesen Zügen (nach Phil. Her. 733 nahm er 23 Städte ein und gewann reiche Beute) l bat sich Achill so erzählt Phil. Her. 712, den Palamedes aus, da er selbst in allzu stürmischer und wenig vorsichtiger Weise Krieg führte (ebenso Tzetzes Antchom. 265 und 346). Bei der Belagerung von Abydos wurden beide ver- wundet; Achill zieht sich deshalb zurück, Pa- lamedes aber nimmt die Stadt ein. Endlich erwähnt der Schal. II. 1 , 328 unter den auf Seezügen erbeuteten Städten Sestos und Abydos, die er aber, weil zu fest, nicht zerstört habe, 2 und Eustath. II. 2, 690 (322, 25) nennt als die zwölf Städte, die er zu Lande eroberte, Lyr- nessos, Pedasos, Thebe, Zeleia, Adrasteia, Pi- tya, Perkote, Arisbe, Abydos, ergänzt werden Chryse und Killa. Dafs Hesiod die Plünde- rungszüge des Achilles besungen, berichtet Seil. II. 6, 35.

Auf einem der von Achilles unternommenen Streifzüge durch das troische Gebiet erfolgt

9) die Tötung des Troilos, ein auf 3 Vasen und andern Kunstdenkmälern aufseror- dentlich oft dargestellter Gegenstand. Mit Hilfe dieser ist man imstande, die Erzählung des Epos resp. des Dramas zu rekonstruieren: denn die schriftlichen Zeugnisse bieten wenig. Die Sage hat im Laufe der Zeit mannigfal- tige Wandelungen durchzumachen gehabt. II. 24, 258 nennt Priamos Hektor, Mnestor und Troilos die besten seiner Söhne , welche im Kriege umgekommen seien, und giebt Troilos das 4 Epitheton imtioxäQyri?. Der Scholiast bemerkt dazu, dafs, da dies Wort nur von einem Manne gebraucht würde, man sich den homerischen Troilos als streitbaren Helden zu denken habe, während die Jüngeren ihn zu einem rosselie- benden Knaben gemacht hätten. Er will also imiioxaQ^i]? in der Bedeutung 'Wagenkämpfer’ gefafst haben, während es der spätere Mythus als Tossefroh’ fafste. Weiter bemerkt der Scholiast zu der Stelle , in dem Troilos des 51 Sophokles habe Achill diesem beim Ein- reiten von Pferden in der Nähe des thym- bräisclien IJeiligtumes aufgelauert (lo%sv&r]- vca mit Welcher statt des überlieferten o%sv- Q'rivcn ) und ihn getötet; das Gleiche giebt an Eust. a. a. 0. Die Fassung der Sage, wie wir sie bei Sophokles finden, geht jedenfalls auf das Epos zurück; mit ihr stimmen auch die Kunstdenkmäler überein. Doch davon später. Nunmehr erscheint er in den schriftlichen Zeug- c nissen lange Zeit hindurch als Knabe. Nach Apollodor Hihi. 3, 12, 12 war er der jüngste Sohn des Priamos und der Hekabe, galt aber für einen Sohn des Apollo, infolge dessen hatte sein Tod (Tzetz. Posth. 385) dem Orakel ge- mäfs den Tod des Achilles zur Folge. Sein Tod durch Achilles wird schlechthin erwähnt Bio Öhr. Or. 11, 338 (B). Sen. Agam. 747.

Myth. Vat. 2, 210. Als Knabe, aber doch am Kampfe beteiligt, erscheint er bei Vergil. Aen. 1, 474 ff. ebenso bei Quint. Sm. 4 (155) 413. 419 ff. und Auson. epith. 18. Bei beiden also stirbt er in der Feldschlacht, und zwar ver- legte Vergil den Kampf und Tod durch Achill in die Zeit des 10. Buches der Ilias, Quin- tus nach den Tod des Polydoros , welcher in das 20. Buch der Ilias fällt (20, 413), Au- sonius sogar nach den Fall IJektors. Als vollbärtiger Mann hingegen erscheint er bei Tzetz. Posthorn. 384; er nimmt an den Ama- zonenkämpfen teil 52, lebt noch beim Tode des Hektor und wird von Achill als streitba- rer Wagenkämpfer in der Feldschlacht am Skamander erschlagen. Bei Bares 33 endlich erscheint Troilos als gewaltiger Held, der un- ter den Achäern grofse Verheerungen anrich- tet. Hierdurch wird Achilles bewogen, wieder am Kampfe teilzunehmen, wird aber von Tro- ilos verwundet und gezwungen, das Feld zu räumen. Tagelang verhindert am Kampfe sich zu beteiligen ermahnt er die Myrmidonen zu einem Angriffe auf Troilos, allein viele Myr- midonen fallen. Da stürzt sein Rofs und wirft ihn ab, Achill kommt hinzu und tötet ihn, den Leichnam mitzunehmen wird er von Mem- non verhindert, der ihn selbst verwundet. Da- rauf verfolgt er den Memnon und tötet ihn. So wird aus dem zarten Knaben im Laufe der Jahrhunderte ein riesiger Kämpe, der selbst dem Achill gewachsen ist.

Ganz anders die Sage bei Biclys 4, 9. Achill fängt Lykaon und Troilos und läfst sie im Lager der Achäer niedermachen, weil Pria- mos seinen Verpflichtungen nicht nachgekom- men ist.

Das erotische Element tritt zuerst hervor bei Servius Ae. 1, 478. Achill war für den Knaben in Liebe entbrannt; um ihn in seine Gewalt zu bekommen, habe er den Knaben durch vorgehaltene Ringeltauben, welche die- ser sehr liebte, an sich gelockt, ihn festgehal- ten, und in seiner Umarmung wäre der Knabe gestorben. Ähnlich Tzetz. Lyk. 307. Achilles liebt den Troilos, ohne Gegenliebe zu finden. Deshalb verfolgt er ihn; dieser flieht aber in das schützende Heiligtum des thymbräischen Apollo. Nach vergeblichen Versuchen, ihn zum Verlassen des Tempels zu überreden, dringt er ein und tötet ihn auf dem Altäre. Infolge dessen tötet Apollo, den Knaben rächend, an gleicher Stelle den Achilles. Hier erfolgt der Mord erst nach dem Tode des Memnon. So die schriftlichen Berichte.

Weit zahlreicher und stoffhaltiger sind die Bildwerke. Nach ihnen hat Welcher in der Zeitschrift für die Altertumswissenschaft 1850. Nr. 4 ff', u. 13 f. und in den Annalen des In- stitutes 1850 p. 66 ff. für die epische Darstel- lung (resp. die dramatische), nach welcher sie gearbeitet sind, folgende vier Momente unter- schieden:

cc) Achilles im Hinterhalt hinter dem Brun- nen. Overheclc a. a. O. p. 339 ff.

(5) Verfolgung des Troilos und der Poly- xena Overbeck p. 344 ff'.

y) Troilos’ Tod. Overheck 359 ff.

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d) Kampf iiher der Leiche. Overbeck 364 ff. Welcher, alte Denlcm. 5, 439 ff. O.Jahn, Tele- phps u. Troilos Kiel 1841. Gerhard D. u. F. 1856 n. 93 t. 91 94. Jahn, Telephos u. Troi- los, an Welcher 16. Okt. 1859. Arch. Ztg. 1863, 57 ff. Ibid. 1871. Tfl. 48. [ Schreiber , Ann. d.

Inst. 1875 p. 188 ff. Klein, Euphronios p. 79ff. Luckenbach in J ahrb. Suppl. 1 1 p. 600 ff. Schreiber.] Brunn, urne Etr. t. 48 ff. Schlie a. a. 0. p. 85 ff.

Die dürftigen Fragm. des Troilos d. Soph., von dem Welcher gr. Tr. 1 p. 124 129 eine Rekonstruktion versucht hat, bei THndorf 548 562°. Eine Komödie Troilos schrieb Strat- tis, vgl. Meinelce Ilist. com. Gr. p. 232. Viel- leicht übersetzte Quintus Cicero den Troilos des Sophokles. Vgl. Cicero ad Quint, fr. 6, 7 (mit Fritzsche Troilmn statt des überliefer- ten trodam ) u. Ribbeck , Reim. Trag. 618 f.

Mit dem von den Troern zur Rettung der Leiche des Troilos gemachten Ausfälle bringt Welcher ep. Cyhl. p. 147 in Verbindung die

10) Gefangennahme desLykaon. Über die Sage bei Homer vgl. II. 21, 35. 23, 746. In den Kyprien [Proklos] erfolgt Lykaons Ver- kauf nach Lemnos durch Patroklos. Quintus 3m. 4, 382 ff. giebt als Entgelt für Lykaon zwei silberne Mischkrüge, Werke des Hephaistos, an. Anders THctys 4, 5, vergleiche oben Abschnitt 9 S. 38. Bei Dares fällt Lykaon durch Achill in einer weit früheren Schlacht, als bei Homer.

Hierauf folgte in den Kyprien die

11) Verteilung der Beute, welche in den Raubzügen insgemein gemacht worden war. Achill empfängt als Ehrengeschenk die Briseis (II. 1, 366. 6, 414. 9, 128. 328. 11, 625. Od. 3, 105). Nach II. 9, 665 u. Dictys 2, 19 behält er aufserdem für sich die Dio- mede zurück, welche Dictys zu einer Jugend- genossin der Briseis macht und den Achill fufsfällig anüehen läfst, sie beide nicht zu trennen. Bei Tzetz. Antehorn. 350 u. Fragm. TJffenb. p. 679 aber behält er die Hippodameia ohne Vorwissen der Achäer zurück, während er die übrigen Schätze nebst der Chryseis der Volksversammlung der Achäer ausliefert. Nach Phil. Iler. 733 endlich läfst er sich von der ganzen reichen von ihm gemachten Beute nur eine Jungfrau geben.

Eine dem Homer fremde Sage ist der

12) Tod des Palamedes, auch in den Kyprien und in den Dramen des Sophokles und Euripides hatte Achill damit nichts zu thun. Vgl. Welcher gr. Tr. 1 p. 134. Erst Philostratus Her. machte den Palamedes zu einem Jugend- und Kampfesgenossen des Achill; beide waren durch innige Freundschaft ver- bunden. Her. 712 ff. Während sie Lyrnessos belagern, redet Odysseus dem Agamemnon ein, Achill strebe nach der Oberherrschaft, Helfers- helfer sei besonders Palamedes. Er wird dem- nach unter einem Vorwände zurückgerufen und getötet. Der entrüstete Achill hält sich, nach der Eroberung von Lyrnessos vor Troja zurückgekehrt, vom Kampfe fern, bringt dem Freunde Totenopfer und bittet um seine Hilfe. Mit Aias (716) begräbt er ihn im äolischen Gebiete und errichtet ihm ein Heiligtum und

Standbild. 734 bricht der Groll gegen den Agamemnon über den Tod des Freundes in der zur Beuteverteilung angesetzten Volksver- sammlung aus. Hierselbst von Agamemnon und Odysseus der Verräterei beschuldigt wirft er den Odysseus aus der Volksversammlung, überschüttet Agamemnon mit Schmähreden und zieht sich vom Kampfe zurück. Hingegen stellt Tzets. Antehorn. 365 den Palamedes als o Verführer hin, ebenso Fragm. Uffenbach. 681; den Groll des Achill aber leitet er in glei- cher Weise vom Morde des Palamedes her Ilom. 3.

Die Kyprien schliefsen mit der Hinweisung auf des Zeus Ratschlufs , Achill zu der Troer Erleichterung vom Griechenheere zu trennen. Uber diesen Schlufs im Gegensätze zur Auf- fassung der Ilias , wo fZeus nur ungern den Bitten der Thetis nachgiebt, den Achill durch o den Sieg der Troer zu ehren’ vgl. Welcher, ep. Cyhl. 2, 149.

e ) Die Sagen des 10. Jahres, soweit sie der Ilias angehören, in späterer, besonders drama- tischer Passung.

Nach Ribbecks Vermutung (a. a. 0. p. 116 ff.) beschäftigte sich der Achilles des Aristarclios, welchen Ennius in seinem Achilles Aristarchi zum Vorbild nahm, mit dem Anfang der Ilias o und schilderte den Beginn des Streites zwi- schen Achill und den Atriden betreffs der Bri- seis und seine Folgen.

Livius Andronicus aber und Ennius scheinen in dem von ihnen verfafsteu und auf griechische Originale zurückzuführenden '‘Achilles’ die ver- gebliche Gesandtschaft der Griechen an Achill, ihn zur Teilnahme am Kampfe zu bewegen, und die sich daran knüpfenden Folgen behan- delt zu haben, siehe Ribbeck a. a. 0. pp. 25 o u. 112. Die hierher gehörigen Vasenbilder weichen in manchen Stücken von der homeri- schen Schilderung.ab und lassen einen Rfick- sclilufs auf die Änderungen machen, welche sich der tragische Dichter gestattete.

Die Trilogie des Äscliylus ’AxMrg'g bestand aus drei Stücken: MvQpidovsg, NrjQstSsg, Tov- ysg oder "ExzoQog Ivtqcc und behandelt fden tragischen Stoff, welchen man in dem Namen IIcaTQÖxleicc zusammenfassen könnte, in drei 0 Akten: nämlich im ersten den Zorn Achills bis zum Tode des Patroklos, im zweiten Achills Auszug und siegreichen Kampf mit Hektor, im dritten die Auslösung des Leichnams durch Priamos’ ( Ribbeck a. a. 0. 349). Der Inhalt der Myrmidonen, in welchen diese den Chor bildeten, ist nach Welcher, Tr. 1, 416 ff. fol- gender. Achill sitzt zürnend in seinem Zelte, unbeweglich und stumm (bis zum dritten Akte redet er kein Wort); die Achäer sind in höch- o ster Not; die dringenden Bitten des Patroklos und das Grollen des Chores hat endlich zur Folge, dafs er sie in den Kampf entläfst. Wäh- rend der Kampf tobt, erscheint eine Gesandt- schaft der Myrmidonen vom Schlachtfelde, die Not der Achäer zu schildern und ihn zum Kampfe zu rufen. Allein Achill bleibt trotz der Gefahr der Seinen unbeweglich und sprach- los. Das Schweigen löst endlich Antiloehos,

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welcher die Kunde vom Tode des Patroklos bringt. Nun vergibst der Held des Zorns, an dessen Stelle das Verlangen nach Rache tritt; den Sclilul's bilden höchste Kampf begeisterung, feurige Rachegelübde und der Ruf nach Waf- fen (onlwv , onlcov Ssi).

Der Anfang des zweiten Stückes, in wel- chem nach Welcker die Nereiden den Chor bildeten , setzt die Bitte des Achill an Thetis, ihm neue Waffen zu verschaffen, voraus. Den Beginn bildet die Überbringung der Waffen durch die Nereiden und Thetis, nach G. Her- mann, opusc. 5, 136 pur durch die Nereiden (vgl. die plastische Darstellung des Skopas Plin. 36, 4, 7 und die Kypseloslade Paus. 5, 19, 7 f., wo der Kentaur Cheiron, Hephaistos, die Ne- reiden und ein Diener nebst Zweigespann Thetis begleiten). Darauf folgte die allgemeine Klage um den Tod des Freundes, dessen Leiche wahrscheinlich nunmehr gebracht wurde, die Aussöhnung mit Agamemnon durch Odys- seus , Übergabe der Briseis und Anlegung der Waffen. Alle undramatischen Momente, wie Kämpfe etc. mufsten natürlich in Weg- fall kommen. Im dritten Stücke, in denen Phryger den Chor bildeten und welches mit

Münze des Pyrrhos, aus Imhoofs Sammlung.

dem Unternehmen des Priamos (nach G. Her- mann a. a. 0. von Andromache begleitet), den Sohn auszulösen, beginnt, scheint Hermes den- selben angemeldet, und der Chor das Kommen seines Herrn vorbereitet zu haben. Den Schlufs machte die Erweichung des Achill durch die Bitten und die Trauer des greisen Priamos. Wie im ersten Stücke finden wir ihn auch hier lange in stumme Trauer versunken , tief eingehüllt vor seinem Zelte sitzend. Dies ist der Hauptunterschied des Achill der Ilias von dem des Ascliylus ; das verhüllte Haupt und die Stummheit charakterisieren die tiefe Trauer des Helden, welche sich nicht wie bei Homer in äufserlichem Gebaren und stolzer Härte äufsert. 'Wie mit der Glorie seines Zornes sein tiefster Schmerz sich verbindet, war im mittleren Drama der Achilleis enthalten und wie er erschöpft im Hafs und im Trauern von beiden sich scheidet , im dritten , welcher uns vorhält, welche Frucht hinter der herrli- chen Blüte des Irdischen anreife’. Welcher, äsch. Tr. 1, 430. Der Schlufs der Trilogie ist wiederholt dargestellt in Basreliefs.

Die Gesandtschaft an Achilles auf Vasen- gemälden bei Overbeclc a. a. 0. p. 408 ff. ; die Trauer des Achill Mon. d. I. 6, 19 21. Brunn Ann. 30, 352 fl'. Totenopfer an Patroklos Mon. d. I. 6, 31. Ann. 1859, 353 ff. Mon. 9, 32. 33. Michaelis Ann. 1871, 166 ft'. Schlie a. a. 0. p. 120 ff. Überbringung der Waffen durch The-

tis Overb. p. 436 ff., ann. 1858 tav. Q. ; barbe- rinischc Cista Monum. 8, 31: vgl. Bull. 1868 p. 70. 88. 185 f. 1869 p. 127. Overbeck 432 ff. 0. Jahn, Bcr. d. Sachs. Ges. 1851, 1863. Boulez , clioix d. v. p. pl. 14. Stephani, comptes rend. 1865, 41 ff. Empfang des Priamos bei Achilles auf der Vase von Cervetri monum. 8, 27. Benndorf ann. 1866 p. 241 ff. und auf einer Münchener Vase Jahn, Münchner Vas. n. 404. Overbeck io a. a. 0. 468 ff. Hier nimmt Achilles den Greis freundlich auf; auf anderen Darstellungen ( Ger- hard auserles, griech. Vas. 197. Monum. 6, 19 21 ; ann. 1858 tav. Q.) ist er kalt und düster als Trauernder in seinen Mantel gehüllt. Auf dem Sarkophage von Ephesus 1) Rückkehr der Leiche des Patroklos. 2) Rüstung Achills. 3) Hektors Schleifung. 4) Auslösung und Abwä- gung der Leiche gegen Gold, wie bei Äsehy- lus. Conze, arch. Anz. 1864 p. 212*. Benn- 20 dorf, ann. 1866 p. 241 f'. Auf Seite 4 finden sich folgende Personen: Achilles, Priamos, An- dromache, Odysseus und Astyanax. Hekabe mit zwei Trojanern bei der auf dem Wagen liegenden Leiche ihres Sohnes. Nach den Ex- cerpten des Ptolemäos N. H. 6, Dictys 3, 20 ff. Tzetzes Horn. 307 ff. begleiten Polyxena und Andromache nebst ihren kleinen Söhnen Astyanax und Laodamas den Priamos, welcher auf Wagen Gold, Silber und kostbare Gewän- 30 der mit sich führt, zu Achilles. Den ihm ent- gegenkommenden Fürsten wirft sich der Greis zuFüfsen mit der Bitte, Fürsprache bei Achill für ihn einzulegen. Nestor wird erweicht, während Odysseus unnachgiebig bleibt. Achill läfst die Bittsteller durch Automedon vor sich führen; in seinem Schofse hält er die Urne mit der Asche des Patroklos. Priamos sinkt, nachdem er gesprochen, in Ohnmacht, Andro- mache aber heifst ihren Knaben vor Achill 40 niederknieen und bittet ihn dann selbst fufs- fällig, ihr wenigstens den Anblick der Leiche des Gatten zu gewähren. Phoinix tröstet den Priamos (vgl. Gerhard auserl. Griech. Vas. 197

u. Jahn griech. Bilderchron. 24); Achill aber hält , nachdem er den König hart angelassen, mit den Griechenführern Rat, die ihm die Aus- lösung der Leiche anempfehlen. Als nun auch Polyxena bei seinem Wiedereintritt in das Zelt sich ihm fufsfällig zur Sklavin anbie-

50 tet , ist sein Groll gebrochen , er brielit in Thränen aus , hebt Polyxena auf, nimmt dem Priamos das Trauergewand ab und heifst ihn durch Speise sich stärken. Achills Klage um Patroklos und Abwägung der Leiche des Hektor gegen Gold auf dem Silbergefäfs von Bernay bei Overbeck a. a. 0. 481. Benndorf a. a. 0. p. 254; auf der Campanaschen Vase Monum. 5, 11 ( L . Schmidt ann. 1849 p. 240 ff.). Schliefslich sei es noch erwähnt, dafs bei eo Späteren Briseis Hippodameia heifst, siehe oben Homerische Myth. p. 1, 14 Z. 14, und dafs nach den Fragm. Uffenbacli. p. 679 ff. u. Tzetz. Horn.

v. 351. 355 nicht die Soldaten bei Verteilung der Beute dem Achilles die Briseis zugespro- chen hatten , sondern dafs ihm vorgeworfen wurde, er habe sie als Beutestück verheimlicht und seiner Leidenschaft folgend sich wider- rechtlich angeeignet. Eine Scene auf der

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Achilleus nachhom.

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Kypseloslade endlich ging auf die Paus. 5,

19 , 2 erwähnte nachhomerische Sage , nach welcher Cheiron, der inzwischen unter die Göt- ter versetzt worden war , dem Achilles , als sich dieser in dem Schmerze um den getöte- ten PatroMos aufzuzehren drohte, eia Nepen- thes zusendete.

Einen ’A%ilXevg haben geschrieben Iophon, Kleophon, Chairemon, Karkinos und Diogenes von Sinope, über deren Inhalt wir nichts wissen, u Nach dem ersten Stücke der äschyl. Trilogie hat vermutlich Accius seine Myrmidonen ge- schrieben, welches Drama wahrscheinlich mit dem rAchilles’ identisch ist; vgl. Ribbeclc p. 349, während die Epinausimache desselben Verfas- sers wahrscheinlich einer jüngeren Überarbei- tung der äschyleischen Nereiden entlehnt ist. Sie beginnt mit einer Scene, welche die Ungeduld des Achilles in den Kampf zu ziehen, um den Patroklos zu rächen, schildert; den Schlufs bil- 2 det die Versöhnung mitPriamus. Einen noch gröfseren Zeitraum umfassen Hectoris lutra des Ennius, da sich die Handlung vom Aus- zug des Patroklos bis zur Auslieferung der Leiche an Priamos erstreckt, also die ganze äschyleische Trilogie umfafst ( Ribbech 119 ff.). Neu ist, dafs der im Kampfe von Sokos ver- wundete Ulixes sich in das Zelt des Peliden flüchtet und dafs dieser, nachdem er die Kunde vom Tode des Freundes vernommen, voll Be- 3 gierde am Kampfe teilzunehmen von einem seiner Myrmidonen Waffen leihen will, keiner aber ihm den Wunsch gewährt, weil sie selbst mitkämpfen wollen. Für ein Drama des Sophokles I>Qvysg , die "ExtoQog Ivtqu darstel- lend, treten ein Welcher (Gr. Tr. 2, 134) und G. Hermann ; andere zweifeln dies an. Aufser- dem werden noch genannt die "Entogog Ivtqcc des Dionysios und Timesitheos, über welche nichts weiter bekannt ist. Ebenso unbestimmt 4 ist es, ob und in welcher Weise Achill in dem "Ehtcoq des Astydamas und dem Hector profi- cisecns des Ennius verwendet worden ist (Rib- bech p. 46 f.).

Wie die spätere verderbte Zeit die reine Freundschaft des Achill und Patroklos auf- fafste , erhellt aus der interpolierten Stelle Plato Symp. 7, 5 u. Xenoph. Symp. 8, 31. Athen. 13 c. 75. Plut. Ämat. 5, p. 13. Aesclün. in Timarch. p. 149. Apollodori Bibi. 3, 13. Lu- t cian Amor. 14, p. 457. Sext. Empir. Pyrrhon. Hypotypos. 3, 24. p. 176. Martial. Epigr. 11, 43, 9 11. Philostr. Imag. 2, 7 p. 820.

f) Der Sagenkreis der Aithiopis, der kleinen Ilias, der Ilinpersis und der Nostoi nebst spä- teren Erweiterungen.

Die Aithiopis umfafste nach Proklos die Sagen von Hektors Falle bis zur Bestattung des Achill und dem Streite um seine Waffen, e Er berichtet: rDen Troern kommt die Ama- zone Penthesileia, eine Thrakerin, Tochter des Ares zu Hilfe, kämpft mit Achill, wird von ihm besiegt und von den Troern begraben; darauf tötet Achilles den Thersites , der ihn wegen seiner angeblichen Liebe zur Penthesi- leia verhöhnt und geschmäht hat. Infolge die- ses Mordes bricht unter den Achäern ein Auf-

stand aus. Achill fährt darauf nach Lesbos und wird, nachdem er dem Apollo, der Arte- mis und Leto geopfert, durch Odysseus vom Morde gereinigt. Da kommt Memnon , der Sohn der Eos, in seiner von Hephaistos gefer- tigten Rüstung den Troern zu Hilfe. Thetis prophezeit dem Sohne das Schicksal des Mem- non, durch dessen Hand Antilochos im Kampfe fällt, der aber darauf selbst von Achilles ge- tötet wird. Dieser schlägt dann die Troer in die Flucht, wird aber, eben im Begriff in die Stadt einzudringen, von Paris und Apoll ge- tötet. Um seinen Leichnam entsteht ein furcht- barer Kampf, bis es dem Aias gelingt, den- selben nach den Schiffen zu tragen, während Odysseus die Troer abwehrt. Hierauf folgt die Bestattung des Antilochos und die Aus- stellung der Leiche des Achill. Da erscheint Thetis mit den Musen und ihren Schwestern und erhebt die Totenklage, bei der Bestattung aber entführt sie den Sohn dem brennenden Scheiterhaufen und bringt ihn nach der Insel Lenke. Die Achäer aber errichten ihm ein Denkmal und feiern Leichenspiele, wobei sich zwischen Odysseus und Aias Streit über die Waffen erhebt. Über den Zusammenhang siehe Welcher ep. Gycl. 2, 170 ff.

1) Die Sagen von der Penthesileia, mit Vorliebe von Dichtern und Künstlern behan- delt, und die vom Tode des Thersites ge- stalten sich folgendermafsen.

Penthesileia, die Amazonenkönigin aus Thra- kien (so die ausführliche Schilderung des Quin- tus Sm. 1, 475 ff.), welche nach Sch. II. 24, 804 während des Leichenbegängnisses des Hektor vor Troja anlangte, wirft die Achäer in die Flucht, verfolgt sie bis in das Lager und ist schon daran, die Schiffe anzuzünden, als der bei Achilles weilende Aias das Wehgeschrei hört und denselben zum Kampfe auffordert. So machen sich beide auf. Aias kämpft zu- erst ohne Erfolg; Achill aber durchbohrt die von ihm schon an der rechten Brust verwun- dete Amazone mit einem zweiten Wurfe samt dem Pferde, so dafs sie zu Boden sinkt. Als er ihr aber den Helm abnimmt und ihre Schön- heit gewahrt, ergreift Liebe und Trauer sein Herz, dafs er sie getötet und nicht vielmehr als Gemahlin nach Phthia geführt habe. Da schmäht ihn Thersites, Achill aber tötet ihn zur Freude der Achäer durch einen Faustschlag in das Gesicht. Nur Diomedes, ein Verwandter des Thersites, zürnt ihm; mit Gewalt müssen die Achäer ihn abhalten, gegen Achill die Hände zu erheben 781. Das Fragment ei- ner statuarischen Gruppe, die Tötung des Ther- sites durch Achilles darstellend, s. b. R. Schöne Arch. Ztg. 1866. TU. 208, 1, 2, p. 153 ff. 1855. TU. 76. 0. Jalm, Bilderchron. p. 27. [Jetzt als o Teil einer Scyllagruppe erkannt. Scli.]. Nach Quintus erzählt den Vorgang in gleicherweise der Sclioliast zu II. 2, 220, während der Scho- liast zu Soph. Pliiloct. 445 hinzufügt, dafs Thersites der toten Penthesileia ein Auge aus- geschlagen habe, infolgedessen von Achill mit einem Faustschlage getötet worden sei, und dafs Achilles die Penthesileia auch nach ihrem Tode noch geliebt habe. Gegen ersteres polemisiert

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Tzetzes zu Lykophr. 999. Nach ihm war der Hergang folgender: Nachdem es dem Achill nach vielen Kämpfen und öfteren Niederlagen endlich gelungen, Penthesileia zu besiegen und zu töten, habe er sie in Bewunderung ihrer Stärke, Schönheit und Jugendfrische beweint und die Griechen aufgefordert, ihr ein Leichen- begängnis zu gewähren. Als ihm darauf von Thersites unkeusche Liebe zu ihr vorgeworfen worden sei, habe er ihn mit der Faust erschla- gen, Diomedes aber, als Verwandter über den Mord des Thersites ergrimmt, habe Penthesi- leia in den Skamander geschleudert. Ebenso Tzetzes Posthorn. 116, nur mit der Änderung, dafs Achilles die besiegte Penthesileia liegen läfst, um noch andere Amazonen zu töten und die Troer in die Stadt zu jagen. Bei der Rückkehr von der Verfolgung findet er die im Todeskampfe liegende , bejammert sie etc. Ebenso Joh. Malalas p. 161. Weitere Zutha- ten bei Dictys 4, 2. Achill ergreift die Ver- wundete an den Haaren und zieht sie vom Pferde. Die Griechen sind willens, die nur Halbtote in den Fluis, oder den Hunden zum Zerfleischen vorzuwerfen, nur Achill will sie begraben. Da wirft sie Diomedes unter dem Beifall der Griechen in den Skamander. Die einfachste Erzählung bei Tr y phiodor v. 37 ff. : im Einzelkampfe erlegt Achilles die Amazone aus der Ferne mit dem Speere, beraubt sie der Waffen und bestattet sie. Des Sieges wird in Kürze gedacht bei Hyyin. f. 112. Verg. Ae. 1, 495. 11, 661. Sen. Agcim. 218. Troad. 252. Die Liebe zu der Getöteten erwähnt Sero, in Verg. Aen. 1, 495. Westermann Myth. Gr. app. p. 381. Justin. M. ad gentes 1. Prop. 4, 10, 13 (3, 11, 13) erwähnt aufserdem noch die vorhergehende Entblöfsung des Hauptes. Von unreiner Liebe zur Toten sprechen Nonn. Dionys. 35, 28. Liban. Mclet. 28 p. 967 u. 50 u. 51 p. 1026 1028; von den von Ther- sites ihm gemachten Vorwürfen Schot, in Sopli. Philoct. v. 444. Endlich erwähnt Sero, zu Verg. Aen. 11, 661 eine von mehreren an- geführte Sage von der Liebe des Achill zur lebenden Penthesileia, nach welcher ihrer Ver- einigung Kaystros seinen Ursprung verdanke, nach dem der lydisclie Flufs genannt worden sei. Eine ganz andere späte Gestaltung der Sage findet sich bei Ptolem. Hepli. nov. hist. 6. Achill wird zuerst von Penthesileia getötet, auf Bitten seiner Mutter lebt er wieder auf, tötet die Penthesileia und kehrt in den Hades zurück. Ebenso Eustath. Sch. Od. 1696, 52, welcher Teiles als Autor angiebt. Endlich er- wähnt derselbe a. a. 0. 1697, 55, dafs Chalkon aus Kyparissos, welcher die Penthesileia geliebt und ihr im Kampfe 'zu Hilfe gekommen sei, dabei von Achilles’ Hand den Tod gefunden habe (so nach Asklepiades aus Myrlea).

Über die Penthesilea eines unbekannten römischen Dramatikers siehe Bibbeck 627; ei- nen Aygllivg O'sgoi.Tor.xovog schrieb Chairemon; vgl. Welcher gr. Tr. 3, 1086, der auch einen ’A%ilksvg des Agathon gleichen Inhaltes vermu- tet a. a. 0. 992.

Achilles die sterbende Penthesileia auffan- gend war im Bilde dargestellt auf einer der

Achilleus nachhom. 46

die vier Fiifse des Zeusthrones zu Olympia einschliefsenden wandartigen Schranken von dem Maler Panainos; dem Neffen des Pheidias Paus. 5, 11, 6; derselbe Moment wiedergege- ben auf der Pulszkyschen Gemme, Overbeck G. d. gr. PI. 2 2, 163 Fig. 33 a, womit zu verglei- chen die Amazone des Wiener Münz- und An- tikenkabinetts bei Overbeck ibid. Fig. 33. Die Kunstwerke, Penthesileias Kampf gegen Achil- leus und ihren Tod darstellend, zusammenge- stellt bei Overbeck G. h. B. p. 497 ff. Ztschrft. f. A. 50 p. 291 ff. Bull. d. Inst. 1868, 136.

Den weiteren dürftigen Bericht des Pro- klos ergänzt Welcher ep. C. p. 172 folgender- mafsen: Infolge des Mordes des Thersites ent- steht ein Aufstand der Achäer und Streit zwi- schen Achilles und Agamemnon. So verläfst Achilles Troja, wird von Odysseus auf Lesbos eingeholt, von ihm zur Rückkehr bewogen und vom Morde gesühnt. Dann folgt die Rück- kehr , an welche sich anschliefst die An- kunft des

2) Memnon. Die Angabe des Proklos aus der Aithiopis siehe oben. Die Hilfeleistung und der Tod derselben einfach erwähnt bei Diodor. Sic. 4, 75. Philostr. imag. 1, 7. Se- nec. Agam. 213. Troad. 247 ff.; sein Tod allein Find. Nem. 3, 63. Ol. 2, 83. Isthm. 5 (4) 40. 8 (7) 54. Nem. 6, 50, wo Achilles vom Wa- gen gesprungen den Memnon im Fufskampfe er- legt: vgl. Hyg. f. ,.112. Ein neues Motiv fügte, wie es scheint, Äschylus der alten Sage zu, der nach Plut. de aud. poef. 1 , 65 H. Sch. II. 8, 70 und 22, 208 u. 2-10 eine Psychostasie der Seelen der beiden Kämpfer 'durch. Zeus auf der Schicksalwage hinzudichtete, während The- tis auf der einen, Eos auf der andern um das Leben des Sohnes bittet. Am ausführlichsten ist die Sage bei Quintus Sm. 2, 388 behandelt. Nestor kommt zu Achill , ihm den Tod des Antilochos durch Memnon zu melden. Nun stürmt Achilles zu Fufs auf diesen ein und verwundet ihn oberhalb des Schildes an der rechten Schulter, nachdem dieser ihm selbst einen Felsen an den Helm geschleudert hat. Als aber auch Achilles von Memnon am Arme verwundet worden ist, folgt ein Zwiegespräch, dann Schwertkampf ( 470). Die Götter sind geteilter Gesinnung, die einen scharen sich um Thetis, die andern um Eos, und beinahe wäre es zwischen den erregteu Göttern selbst zum Kampfe gekommen, wenn nicht auf einen Wink des Zeus sich die schwarze Ker dem Memnon, die weifse dem Achill zur Seite ge- stellt hätte. Noch wütet der Kampf weiter; endlich verwundet Achill, nachdem ihm die Kampfeswage in der Hand der Eris den Sieg zugesprochen, den Gegner tödlich durch einen Stofs in die Brust. Bei Dictys 4, 6 durchbohrt er dem im Kampfe des Schildes beraubten Gegner die Kehle; bei Tzetzes Posthomerica 33, dem Cedrenus folgt, tötet er den aus dem Zweikampfe mit Äias entfliehenden Memnon von hinten durch einen Stofs in den Nacken.

Über den Memnon und die Psychostasie des Äschylus, Bestandteile der Trilogie Alfho- nig, s. Dindorf P. S. Gr. 1 p. 108 fr. 127aff Über die Äthiopen oder Memnon des Sophokles

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Achilleus nachliom.

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siehe Welcher, gr. Tr. 1. 137 (vgl. G. Hermann opusc. 7, 343ff. Nitzsch Sagenpoesie 607 ff. 618 620 ff.), welcher auch einen Memnon oder Achilleus des Theodektes vermutet ibid. 3, 1078; über den Memnon des Timesitheos ibid. 1046.

D er Kampf zwischen Achill und Memnon unter Beisein der Mütter war dargestellt am Kypselos- kasten Paus. 5, 19, 1; ohne letzteres auf dem amykläisclien Throne ibid. 3, 18, 12. Die Doppel- handlung im Olymp und auf Erden in Erz ge- l gossen von Lykios, dem Sohne Myrons in einer freistehenden Erzgruppe zu Olympia, beschrie- ben bei Paus. 5, 22, 2 ; vgl. Overbeck G. d. gr. PI. 2 2, 328 f. Siehe die Kunstwerke bei Over- beck G. h. B. p. 514 ff. Mon. d. Inst. 6, 5. Gonse Melisclie Thongefäfse TU. 3 p. 6. Hey- demann Arch. Ztg. 1871. 168, Neapler Vasens. n. 2430. 2781. ibid. SA. n. 120. Die Erzäh- lung des Proklos wird ergänzt durch eine Yase, die Fortschaffung der aus Feindesband 2 geretteten Leiche des Antilochos darstellend, sowie durch das von Philostratos 2 , 7 be- schriebene Gemälde , welches die Totenklage des Achill über Antilochos zum Vorwurf hatte. Der Kampf um die Leiche des Antilochos bei Overbeck a. a. 0. 517 ff. vgl. 0. Jalm archäol. Aufs. p. 11. Es folgt in den Excerpten des Proklos

3) Achilles’ Angriff auf die Stadt und sein Tod (ohne Erwähnung der Penthe- 3 sileia) durch Paris und Apollo.

Nach II. 21, 277 hatte Thetis dem Achil- les den Tod durch die Geschosse des Apollo prophezeit (Quint. Sm. 3, 80 ff.). II. 19, 416 f. sagt Xanthos , ihm sei bestimmt durch die Kraft eines Gottes und eines Menschen zu fal- len; bestimmter spricht Hektor 22, 359 ihm von dem Tage, wo ihn am skäischen Thore Paris und Phoibos Apollo verderben würden, während 18, 96 Thetis nur sagt, sein Tod 4 werde bald nach dem des Hektor erfolgen. Pindar P. 3, 101 erwähnt blofs, dafs sein Tod durch einen Bogen herbeigeführt sei, während Soph. Philokt. 332 u. Aeschyl. fragm. 340 Nauck berichtet csie sagen, er sei vom Phoibos be- zwungen’. Gleiches bei Horat. od. 4, 6, 3. Mytliogr. Gr. Western. App. 378 sub 51. Die ausführlichste Schilderung dieser Form der Sage ündet sich bei Qnintus Sm. 3, 1 ff. Achill, über den Tod des Antilochos aufs höchste er- 5 zürnt, treibt die Achäer zum Kampfe gegen die Troer; seinen letzten Auszug siehe bei Over- beck a. a. 0. p. 536 f. ; er selbst wütet in ihren Reihen, und wieder füllt sich das Bett des Skamander und Simois mit Toten. Da ergreift die Troer Schrecken: sie fliehen. Achilles folgt ihnen auf dem Fufse und ist eben im Begriff, die Riegel der Thore zu sprengen , da steigt Apollo in furchtbarer Gestalt mit Pfeil und Bogen bewehrt vom Himmel und fordert ihn 6 auf, dem Befehle eines Gottes zu gehorchen und zu weichen. Allein Achill , daran erin- nernd , dafs Apollo ihn schon bei dem Tode des Hektor getäuscht habe, läfst ihn stehen und wendet sich wider die Troer. Da hüllt sich der erzürnte Gott in Wolken und sendet ihm den Pfeil in die Ferse , welcher schnell den Tod herbeiführt. Auch Find. a. a. 0.

versteht wohl unter dem Pfeile den des Apollo. Bei Tzctz. Lyk. 307 wird er von Apollo in dem Heiligtume erlegt, das er durch den Mord desTroilos, des Lieblings jenes, besudelt hatte. Das Heiligtum des thymbräischen Apollo statt des skäischen Thores war schon bei Hellanikos, Bachm., Anecdota Graeca 1, 467 erwähnt. Hin- gegen spricht Ovid. M. 13, 500 von den Pfeilen des Paris und Apollo, was so zu verstehen ist, wie Vcrgil. Ae. 6, 57 u. Ovid. M. 12, 600, wo Apoll die Pfeile des Paris lenkt. Als alleiniger Urheber des Todes wird Paris genannt Eurip. Andrem. 655. Hekuba 387 f. Flut. Comp. Lys. cum Sulla 4. Flut. Q. Symp. 9, 13, 2. Sencc. Troad. 356, welche Sage Eustath. Seit. Od. 1696 die gewöhnlichste nennt. Derselbe berichtet daselbst weiter, dafs nach Sostratos Paris, der Geliebte des Apollo, von diesem in der Bogen- kunde unterrichtet worden sei und von ihm einen elfenbeinernen Bogen empfangen habe, mit dem er den Achill in den Leib geschossen habe (vgl. unten die Sage bei Ptolem. Heph.). Kontamination beider Sagen bei Hyg. ff. 107 u. 113. Apollo, erzürnt über die Prahlerei des Achill, er allein habe, indem er den Hektor erlegte, Troja erobert, nimmt die Gestalt des Paris an und verwundet Achill an der sterb- lichen Ferse. Zwei völlig hiervon abweichende Sagen bei Ptolem. Ilepli. 6. Nach der einen empfängt Helenos, der Sohn des Priamos, vom Apollo geliebt, von diesem einen elfenbeinernen Bogen, mit dem er Achill an der Hand ver- wundet; nach der andern verliert Achill den ihm vom Cheiron eingesetzten Knöchel des Da- mysos, als er von Apollo verfolgt wird, stürzt infolgedessen nieder und wird von ihm getötet. Schliefslicli sei hier erwähnt , dafs nach Eust. ad Od. 1695 Penthesileia den Achill tötete, dieser wieder auflebte, die Penthesileia tötete und dann wieder zu den Toten hinab- stieg. Achilleus Tod bei Overbeck a. a. 0. p. 537 ff.

4) Polyxena (Troilos) und Achill. Hierüber ausführlich Pich. Förster , Achilleus u. Polyxena. Zwei unedierte Deklamationen des Choricius. Hermes 17. 1882. p. 193ff, 18 p. 475 ff. Luckenbach Jahrb. f. Pliilol. Suppl. 11, 600 ff. Preller gr. Myth. 1, 438.

Von Homer wird Polyxena nicht erwähnt; allein dafs sie und ihr Verhältnis zu Achill in den Kyprien besungen worden ist, geht aus der stattlichen Anzahl archaischer Vasenbilder hervor, welche hierauf bezügliche Scenen schil- dern (Fran^oisvase; Vase des Timonidas aus Kleonä (Arch. Zeit. 1863. T. 175. Löschke Arch. Zeit. 36, 116. Luckenbach a. a. 0. 605). Sie gestatten betreffs der Erzählung der Ky- prien den Schlufs, rdafs, ‘als Polyxena einst in Begleitung ihres jugendlichen Bruders, des Rossetummlers Troilos, ausging, um Wasser zu holen, Achilleus sich hinter dem Brunnen versteckt hielt, und dafs sie selbst nur in eilig- ster Flucht entkam, während Troilos von die- sem eingeholt und erlegt wurde’. Die Sage geriet früh in Vergessenheit, da sie sich weder sonst in der Litteratur, noch auf den rotfigurigen Vasen findet. Wer diese Sage in die Litte- ratur eingeführt hat, ist unsicher; vgl. Förster

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Achilleus nachhom.

Achilleus nachhom.

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a. a. 0. 194 f. ; ebendaselbst die abweichenden Meinungen anderer Gelehrter betreffs der Deu- tung des Yasenbildes. Nach Welcher Gr. Tr. 3, 1145 wurde das erotische Element durch die Alexandriner hineingebracht, so dafs Penthesi- leia und Polyxena einander gegenüber gestellt wurden, vgl. aufserdem Gr. Tr. 1, p. 183 f. u. ep. Gycl. 2, 176. 'In das Herbe der Opferung sollte durch die Liebe Achills etwas Zartes kommen, und doch blieb, echt alexandrinisch, dem Ganzen io wegen des tragischen Ausganges der Charakter der Schwermut: erst im Tode erhielt Achill die, welche er im Leben nicht hatte erlangen können.’ So Förster a. a. 0. p. 199. Dafs die Scene des Todes vom skäischen Thore schon frühzeitig in das Heiligtum des thyrn- bräischen Apollo verlegt worden war, hat man aus der oben erwähnten Notiz des Fustathius ad 11. p. 816, 12 (aus Hellanikos’ Troika) wohl etwas zu voreilig geschlossen. Eine weitere 20 Veränderung der Sage ergiebt sich aus Lylco- phron 271, einer Stelle, welche nur Sinn hat, 'wenn sie darauf bezogen wird, dafs die Griechen den Troern für den Leichnam des Achill ebensoviel erstatten mufsten, als diese dem Achill für Hektors Leichnam ge- geben hatten’. Hier an 'Ver- rat’ zu denken, ist gewifs nicht allzukühn, besonders da die alten auf Theon zu- rückgehenden Scholien des Tzctzes LyJc. 269 berichten:

Achill, in Polyxena verliebt, macht Priamos das Anerbie- ten , auf seine Seite überzu- gehen, falls er die Polyxena erhalte. Auf dessen Zusage kommt man im Tempel des thymbräischen Apollo zu- sammen, wo Alexandros den Achilles meuchlings mit dem Pfeile erschiefst. Die Troer nehmen den Leichnam an sich und wollen ihn nicht eher herausgeben, als bis sie das für Hektor ge- zahlte Lösegeld wieder erhalten hätten. So wird denn also Hygins 110. Fabel, welche ge- wöhnlich für das älteste Zeugnis des bespro- chenen Mythos angesehen wird, auf eine ale- xandrinische Quelle zurückzuführen sein. Nach 50 ihm will Achill Polyxena zum Weibe; dazu wird eine Unterredung angesetzt (vgl. Welcher yr. Tr. p. 183 f u. p. 1145), wobei er von Alexandros und Deiphobos ermordet wird. Das- selbe im Argum. Für. Hec. Dictys. 4, 10. Tzetz. Posth. 385 ff. Hingegen nennen bei dieser durch die Liebe zur Polyxena herbeigeführten Zusammenkunft Paris als alleinigen Mörder Schol. ad Furip. Troades 16. Tzetz. Lyh. 269, 335. Schol. Für. Hec. 385. Bei Servius Aen. 3, 322 eo erblickt Achill die Polyxena und fordert sie zur Gattin unter der Bedingung des Friedens.

Im Tempel des Apollo soll er die ihm ver- tragsweise zugestandene Braut empfangen: da wird er von dem hinter dem Bilde des Gottes verborgenen Alexandros getötet. Ebenso Scrv. Aen. 6, 57 u. Myth. Vatic. 1, 36. 2, 205. 3, 11.

24. Diese einfache Form der Sage mit ge-

ringen Modifikationen (ohne die Ausschmückun- gen eines Dictys und Dares) findet sich noch bei Fulg. Myth. 3, 7. Nonnos narr, ad Greg, invcct. 1, 8. p. 131. Schol. zu Stat. Ach. 1, 134 und wird berührt bei Justin, or. ad. Graec. 1. CI em. Alex, ström. 2, 32, § 143. Lihanius eephr. Uhet. gr. 1, 395 W. Christodor, eephr. 202 208.

Ein weiteres neues Motiv brachte Philo- stratos in die Sage, das der gegenseitigen Liebe des Achilles und der Polyxena. Heroik. 737 wird Folgendes erzählt: Beide verlieben

sich in einander, als sie sich das erste Mal bei der Auslösung des Hektor sehen. Priamos willigt in die Hochzeit, wenn Achilles die Grie- chen bewege, von Troja abzuziehen. Zur Be- schwörung des abzuschliefsenden Vertrages wird eine Zusammenkunft in dem Tempel des thymbräischen Apollo angesetzt, welchen Achill bei dem Akte selbst als Zeugen anruft; allein er fällt durch Paris (und Apollo). Die über den Mord erschrockenen Troer und Troerinnen zerstreuen sich; dies benutzt Polyxena, um in das Griechenlager zu Agamemnon zu entfliehen, tötet sich aber am dritten Tage auf dem Grabe

des Achill mit der Bitte, ihr treu zu bleiben und sie auch nach dem Tode noch heimzu- führen. Und 732 wird hinzugefügt, dafs er nicht in den Waffen den Tod gefunden, son- dern als er, wie ein Bräutigam bekränzt , "zur Hochzeit zu kommen meinte. Ganz ähnlich mit der Hauptsache nach gleichem Schlüsse Tzetz. Posth. 385 ff. und zu Lyh. 323 mit der Bemerkung, dafs Pbilostratos der einzige Autor sei, welcher Polyxena ins Griechenlager fliehen und vor der Zerstörung der Stadt sterben lasse. Dem Dictys entnommen ist, dafs Achill ster- bend noch dem herzukommenden Odysseus und Aias den Namen der Mörder zu sagen vermag und ihnen den Auftrag giebt, seine Gebeine in der seiner Mutter vom Dionysos geschenkten Urne mit denen des Patroklos und Antilockos beizusetzen. 0. Jahn ( Arch . Zeit. 1869. p. 5) erkennt den Zug der Gegenliebe der Polyxena schon auf dem Madrider Relief (Taf. 13, B.), wonach diese Wendung der Sage zeitlich be- deutend heraufgerückt würde; dagegen Förster a. a. 0. p. 203 Anm. 2. Den gleichen Anfang der gegenseitigen Liebe berichten Dracontius deliber. Ach. p. 40 f, die Daniel. Sch. zu Verg. Aen. 3,322. Malal. p. 130 B. Ccdren. p. 227 B.

Kampf um Achilleus’ Leiche, von einer archaischen Amphora (vgl. Overb. Gail. Taf. 23, 1).

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Achilleus nachhom.

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Tzetz. Hom. 380 f. Const. Manass. comp, chron. 1382 f. Nach Mytli. Vat. 2, 205 hingegen wird sie von Achill zum ersten Male gesehen, als sie Spangen und Ohrringe vom Turme herab- wirft, um Hektors Leichnam zu lösen. Auf der zuletzt angegebenen Fassung der Fabel fufsen endlich die romanhaften Darstellungen des Bictys 3, 2-5. 24—27. 4, 10—11. 5, 13, welchen mit einigen Änderungen I. Malal. a. a. 0. folgt, den wieder Gedren. a. a. 0. aus- n schreibt, und Bares 24—32. 43. Jacobs ( Tzetz . Postli. 498), dem Heyne (II. 22, 359) folgt, meint, dafs die Sage von der Liebe des Achill zur Polyxena der Tragödie ihren Ursprung ver- danke, was Welcher Gr. Tr. 1145 bekämpft. Gegen die an gleicher Stelle ausgesprochene Ansicht, der Tod des Achilles sei der Inhalt des Achilles des Livius Andronicus gewesen, siehe HibbecJc, röm. Tr. p. 25.

Dieses von dem weiter wuchernden Mythos so si reich ausgestatteten Stoffes bedienten sich die Rhetoren, um ihre Übungen daran zu knüpfen, so Libanius u. Christodorus a. a. 0.; so am ausführlichsten Choricius in den zwei von Förster veröffentlichten Reden, woraus nur das Eine erwähnt sei. dafs daselbst die Troer nicht nur von Seiten der Amazonen und Aithiopen, sondern auch von den diesen benachbarten Indern Hilfe erwarten.

Die bildlichen Darstellungen s. b. Overbeck ; 3t a. a. 0. 339 ff. Eine Vermählung des Achill mit Polyxena auf einem Sarkophagrelief hat 0. Jahn , Archäol. Zeitg. 1869 1 ff . nachge- wiesen.

4) Kampf um die Leiche des Achill. Totenfeier. Thetis entführt den Sohn nach Leuke.

In der Odyssee 5, 309 erzählt Odysseus von einem gewaltigen Kampfe, der sich über der Leiche erhoben habe und an dem er besonders i( beteiligt gewesen sei; nach Od. 24, 36 ff. dauerte derselbe den ganzen Tag hindurch und wäre noch nicht beendet worden, wenn nicht Zeus durch einen Sturmwind die Streitenden ge- trennt hätte, so dafs die Achäer die Leiche nach den Schiffen tragen konnten. Die Sage der Aithiopis siehe oben. In der ausführlichen aber lückenhaften Schilderung des Kampfes bei Quin- tus Smyrn. Posthorn. 3, 212 ff. sind es von seiten der Troer besonders Glaukos, Aineias und Age- 5( nor, welche die Leiche in die Stadt zu ziehen suchen. Allein Aias wehrt sie mit Erfolg ab, in- dem er viele von ihnentötet oder gefangen nimmt. Aineias und Paris werden von ihm verwundet, aber auch der an seiner Seite kämpfende Odys- seus wird getroffen. Endlich gelingt es dem Aias , die Troer zu verjagen, und die Leiche wird in das Schiffslager gebracht; vgl. G. W. Nitzsch, Beitr. z. Gcsch. d. eg. Poesie d. Gr. p. 326, Anm. 138. Bei Bictys 4, 12 nimmt Aias 6( den Leichnam auf die Schulter und trägt ihn aus dem Heiligtume, begleitet von Diomedes und Odysseus (vgl. c. 10. Ebenso I. Malalas 131 B. u. Cedren. 228 B.). Da brechen die Troer, welche nach dem Morde in die Stadt geflohen waren , heraus , den Leichnam zu rauben; ebenso eilt das Griechenheer zum Kampfe. Aias übergiebt die Leiche seinen

Begleitern und treibt die Troer, von dem andern Aias und Sthenelos unterstützt, in die Flucht. Tzetz. Posth. 425 ff. erwähnt zwei Fassungen. Nach der einen trug Aias von den Troern ver- folgt den Leichnam ins Lager; die andere (429 f.) geht auf die zuerst bei Lykophr. 269 ff. auf- tauchende Form zurück, wonach die Troer den Leichnam des Ermordeten mit sich in die Stadt nehmen und ihn nicht eher herausgeben, als bis sie das für Hektor gezahlte Lösegeld wieder erhalten. Nach Bares 24 befiehlt Älexandros, die Leichen des Achill und des mit diesem zusammen getöteten Antilochos aus dem Tem- pel zu tragen und den Vögeln zum Frafse vor- zuwerfen. Dem widersetzt sich Helenos; auf seinen Befehl wird die Leiche den Griechen übergeben, welche sie ins Lager tragen. An die Aithiopis lehnt sich wahrscheinlich Proper- tius an, welcher 1, 10 (9), 9 14 schildert, wie Briseis in tiefster Trauer den toten Achill mit ihren Annen umfing, den blutigen Leichnam im Simois wusch und die in einer Urne ge- sammelten Gebeine des grofsen Helden in ihren kleinen Händen trug.

Nach Thiersch Amalthea 1, 156 f. u. Epochen 249f. Note und Welcher Alte Benkm. 1 p. 44 ff war der Kampf um die Leiche auf dem Westgiebel des Tempels zuAigina dargestellt; dagegen siehe Overbeck Gesell, d. gr. PI. 2 1, 132 u. Brunn, Katalog der Glyptothek p. 78. Bildwerke, Kampf und Rettung der Leiche dar- stellend, bei Overbeck a. a. 0. p. 540 ff L. Ur- lichs, über die Gruppe des Pasquino , Winckel- mannsprogramm, Bonn 1867. 0. Bonner, Ann. d. Inst. 1870. 75 ff.

Weiter erzählte n^n die Aithiopis nach Pro- klos: Dann begraben die Achäer den Anti-

lochos und stellen die Leiche des Achilles aus. Thetis erscheint mit den Musen und den Schwestern und erhebt die Totenklage um den Sohn. Ebenso erwähnt Pindar Istlxm. 7, 56 ff, dafs bei Achills Scheiterhaufen die helikonischen Schwestern gestanden hätten und ihren Gesang hätten erschallen lassen; Lykophr on 273 f. läfst ihn von den Nymphen beweint werden , d. li. nach Tzetzes von den Musen. Die ausführ- lichste Schilderung dieser Episode findet sich bei Quint. Smyrn. 3, 388 ff. Dieser schildert zuerst das ungeheure Weh, welches das ganze Heer ergreift, als der Leichnam ins Lager ge- bracht wird, dann die spezielle Klage der Myr- midonen, des Aias, des Plioinix, der Atriden 504. Vor Anbruch der Nacht wird die Leiche auf Nestors Mahnung schön gekleidet im Schifis- hause anf dem Paradebette ausgestellt; Athene schützt sie durch Ambrosia vor Verwesung. Es folgt die Totenklage der Frauen und Diene- rinnen, besonders der Briseis 574. Durch die lauten Klagen werden Thetis und die Ne- reiden aus dem Meere herbeigerufen, vom He- likon aber kommen die Musen. Die laute Klage der Thetis ob ihrer unglücklichen Ehe und ob des Todes des Sohnes, die Vorwürfe, welche sie dem Zeus macht, der das ihr ge- gebene Versprechen nicht gehalten, weist Kalliope durch die Bemerkung zurück, dafs auch die Söhne des Zeus dem Todeslose un- terworfen seien. So steht Thetis davon ab,

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Achilleus nachliom.

den Zeus aufzusuchen, um ihre Klagen vorzu- bringen, und bleibt die Nacht bei dem Sohne, während die Musen sie zu trösten suchen. Bei Tagesanbruch beginnt wiederum die Klage des Heeres, in welche Nereus mit einstimmt, dann folgt Errichtung und Ausschmückung des Scheiterhaufens, feierliche Umgehung desselben durch das ganze Heer im vollen Waffenschmucke und Verbrennung desselben. Zeus schützt durch Ambrosiaregen den Leichnam und läfst durch n Aiolos die Winde das Feuer anfachen, welches unter dem Gestöhne des Heeres Tag und Nacht brannte. Dann löschen die Myrmidonen die Glut mit Wein, die Gebeine des Helden aber sammeln sie in einer silbernen, mit Gold ge- schmückten Truhe. Beigesetzt aber werden sie in der auch in der Odyssee erwähnten Urne (vgl. auch Stesichoros b. Schol. II. 23, 92); dar- über wird am Hellespont das Grabmal gehäuft 742. Selbst die unsterblichen Rosse be- 2' weinen den Helden (vgl. J. Grimm I). Myth. 1 p. 364 f.); im Begriff aber, in die Heimat zu- rückzukehren, werden sie von den Göttern an- gewiesen, auf den Neoptolemos zu warten, zu dessen Dienste sie bestimmt seien. Den Gang der Thetis zum Scheiterhaufen des Sohnes ist auch erwähnt im Thetishymnus der Thessaler bei Pliilostr. Her. 742. Achilles’ Totenklage dargestellt auf der Tabula Iliaca: Overbeck

a. a. 0. p. 555. 3

Proklos Aithiopis. 'Den Leichnam aber ent- reifst sie dem Scheiterhaufen und bringt ihn nach der Insel Leuke’. Diese Überführung schilderte das Werk des Skopas im Circus Flaminius in Rom, vgl. TJrlichs, Skopas' Leben u. Werke p. 126 ff. Stark Pliilolog. 21 p. 445. Overbeck G. d. gr. PL 2 2, 16 f. Während Achilles in der Odyssee 11, 467 in der Unterwelt weilt, wie auch Polygnot in der Lesclie zu Delphi auf dem die Nekyia darstellenden Bilde ihn 4 in der Unterwelt im Kreise seiner Freunde malte (Paus. 10, 30, 3), versetzt die nach- homerische Sage ihn entweder in die ely- sischen Gefilde (so besonders die älteren Dichter) oder auf die nach der gewöhnlichen Anschauung vor den Mündungen der Donau im Schwarzen Meere gelegene Insel Leuke, wo er ein im Laufe der Jahrhunderte mit den man- nigfaltigsten Zügen ausgeschmücktes Nach- leben führt, das man mit Fug und Recht einen 5 Nachhall seines ersten Erdenlebens nennen könnte. Die elysischen Gefilde der älteren Dichter He'siod, Ibykos und Simonides wurden später identifiziert mit den Inseln der Seligen; aber schon Pindar kemrt die feste Lokalisie- rung der Sage von der Bestattung desselben auf der Insel Leuke. Diese wurde daun fast durchweg für seinen Aufenthaltsort nach dem Tode gehalten. I)ie Sage von dem Verweilen des Helden im Tartarus verschwindet allmäh- ( lieh fast ganz; Lucian. Dial. Mort. 15 p. 399 ff', macht von der Sage Gebrauch, da er sie gut benutzen kann, während er ihn anderwärts im Pontos Euxeinos oder in den elysischen Ge- filden hausen läfst. Eine ausführliche Dar- stellung dieser Sagen giebt II. Koehter, Memoire sur les iles et Ja course consacrees ä Acliille dans le Pont-Euxin. Memoires de l'academie

Achilleus nachliom. 54

imperiale des Sciences de St. Petersbourg. Tome 10. 1826. p. 531 ff.

Auf den Inseln der Seligen wohnt Achilles nach Hesiod Op. et Dies 15911'.; es wird hier allerdings nicht sein Name genannt, aber doch gesagt, dafs Zeus Helden sowohl des tlieba- nischen als des troischon Krieges ein zweites glückseliges Leben auf den Inseln der Seligen am äufsersten Ende der Erde am Okeanos be- reitet habe; nach Pind. Ol. 2, 70 tf. wohnt- er auf Bitten der Mutter daselbst mit Kronos, Rhadamanthys, Kadmos und Peleus als Toten- richter, ebenso nach Kallistratos (Athen. Deipnos. 15, c. 50. p. 541) mit dem Tydiden zusammen (vgl. Plat. Sympos. 179 E u. 180 13). Der Schöpfer der Sage hingegen, dafs Achilles in dem elysi- schen Gefilde wohne, war nach Scliol. Apoll. Argon. 4, 814 Ibykos, welchem Simonides folgt. So noch Apoll. Arg. 4, 811 und Quint. Smyrn. 14, 224. Dafs das elysische Gefilde und die Inseln der Seligen ein und derselbe Ort seien, spricht direkt aus Lucian Ver. Hist. 2, 109 u. 112, welcher ihn ibid. p. 116 neben dem Theseus daselbst besondere Verehrung ge- niefsen und p. 119 als Kampfrichter mit die- sem zusammen in den Thanatusien auftreten läfst. Die Identität der Insel der Seligen aber sowohl mit der Insel im Schwarzen Meere, als auch mit der Insel Leuke hebt Plin. N. H. 4, c. 13. p. 220 ausdrücklich hervor.

Andererseits aber singt schon Pind. Nem. 4, 49 davon, dafs Achilles im Pontus Euxinus eine glänzende Insel bewohne (s'x11) *v Ei;- £(iv(p Ttskäyst epaevrav ’A%iltvs väaov, wozu der Scholiast bemerkt, es sei dies die Insel Leuke im Pontos, nach welcher der Sage nach Thetis den Leichnam ihres Sohnes gebracht habe. Dafs Achilles auf Leuke begraben liege, berichtet aufserdem Plin. 4, 12, 16, welcher von seinem Grabmal redet (ebenso Martian. Gapelia 6, 663), während ihn Pomp. Mela de sit. orb. 2, 7 auf der Borysthenesinsel begraben sein läfst. Bei Lesches steht von einer Be- stattung des Achilles auf Leuke, wie Kayser Not. in Her. 327 behauptet, nichts. Ganz ver- einzelt steht der Mythos da, welchen der Thetis- hymnus der Thessaler enthielt (Pliilostr. Her. 742), wonach der sterbliche Teil des Helden in Troja begraben lag, während den unsterb- lichen Teil TTövrog £££«, was natürlich nichts anderes bedeuten kann, als seinen Aufenthalt auf Leuke. Die Sage von dem Aufenthalte des Achill auf jener Insel war jedenfalls eine sehr alte und an den Küsten des Pontos schon heimisch, bevor die milesischen Küstenfahrer sich daselbst ansiedelten; sie brachten dieselbe in ihre Heimat, wo sie den Liedern vom Tode Achills einverleibt wurde (vgl. Köhler a. a. 0. p. 533). Der erste griechische Dichter, welcher i sowohl die Insel Leuke mit diesem Namen benennt, als sie im Pontos liegen läfst, ist (verhältnismäfsig spät) Euripides Androm. 1260 und Iphig. T. 435 ff'. Nach Pliilostr. Her. 746 liefs Poseidon auf Bitten der Thetis für Achilles und Helena die Insel aus dem Meere aufsteigen, eine Sage, welche Quint. Smyrn. 3, 766 ff. folgendermafsen umgestaltete. 'Um den Klagen der Thetis über den Tod des Sohnes

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Achilleus naclihom.

Achilleus nach s. Tode

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Einhalt zu thun, steigt Poseidon, nur den Göttinnen sichtbar, aus dem Meere und heilst der Göttin ihrem Schmerze gebieten mit dem Trostworte, ihr Sohn werde gleich Dionysos und Herakles unter die Götter versetzt werden. Zum Wohnsitze aber schenkt er ihm eine Insel im Meere; die umwohnenden Völker würden ihm göttliche Ehren erweisen; vgl. Arrian. Peripl. Pont. Eux. p. 21. Anonym. Peripl. Pont. Eux. p. 10 fl'. Und Dionys. Perieg. 541 ff. l erwähnt die Insel Leuke als Aufenthaltsort der hervorragenden Heroen und besonders des Achill, welche ihnen Zeus als Geschenk für ihre Tapferkeit gegeben.

Den Schlufs der Aithiopis bilden folgende Ereignisse nach Proklos: Die Achäer häufen einen Grabhügel und veranstalten Wettkämpfe. Über die Waffen des Achilles aber entsteht zwischen Odysseus und Aias Streit; von hier an treten ergänzend ein die Excerpte aus der 2 Ilias mikra desLesches: die Entscheidung über die Waffen wird gefällt, und Odysseus empfängt sie nach dem W illen der Athene. Dann heilst es weiter: Und Odysseus holt den Neoptolemos aus Skyros und schenkt ihm die Waffen des Vaters, welcher dem Sohne erscheint’. Während Quintus Smyrnaeus die Bestattung des Leich- names (siehe oben) ausführlich schildert, erwähnt er die Erscheinung nicht. Hieran schliefst sich nach der Iliupersis des Arktinos das Opfer 3 der Polyxena: Dann zünden die Griechen die Stadt Troja an und opfern die Polyxena auf dem Grabe des Achilles. Bevor sie aber ab- fahren, erscheint, wie die Nostoi des Agias von Troizen berichten, der Geist des Achill (des alten Haders wie in der Odyssee ver- gessend, vgl. Welcher ep. G. 2. p. 291) dem Agamemnon, um ihm das bevorstehende Un- glück vorauszusagen und ihn vor der Heim- kehr zu warnen. Nach Eurip. Helc. 37 u. 106 4 erscheint Achilles’ Geist den Griechen, als sie eben im Begriff sind, nach der Heimat auf- zubrechen und auf dem thrakischen Bosporos lagern, und fordert die Polyxena für sich als Opfer, Da sie fürchten, Achill werde, wenn sie seinem Wunsche nicht nachkämen, ihrer Heim- kehr hinderlich sein, so beschliefsen sie die Polyxena zu opfern. Sie fällt von Pyrrhos’ Hand. Ebenso Ovid. Metam. 13, 438 ff. u. Seneca Troad. 185 ff. u. 1165. Bei Hygin. 110 ertönt 5 die Stimme des Achilles aus dem Grabe und fordert einen Teil der Beute für sich ; so opfert man die Polyxena, weil sie die Ursache seines Todes gewesen sei. Dann führt Servius Verg. Aen. 3 , 322 zwei verschiedene Fassungen der Sage an. Nach der einen forderte Achill, als er im Heiligtum des Apoll von Paris zum Tode verwundet im Sterben lag, nach Trojas Fall die Polyxena auf seinem Grabe zu opfern, was Neoptolemos auch that; nach der andern hören 6 die Achäer bei ihrem Aufbruch die Stimme des Achilles aus seinem Grabe erklingen, wel- cher klagt, dafs ihm von der Beute nichts zu- teil geworden sei. Kalchas, hierüber befragt, bezeichnet Polyxena als Opfer, weil Achilles sie bei Lebzeiten geliebt habe. Nach Quintus Sm. 14, 178 endlich erscheint Achilles dem Sohne im Traume und befiehlt demselben,

die Achäer und Agamemnon zu erinnern, wie viel Beute sie ihm zu verdanken hätten, und fordert Polyxena; sonst werde er die Heim- kehr verhindern. Als nun die Achäer am fol- genden Morgen zum Aufbruch rüsten, erregt Poseidon das Meer, so dafs sie der Forderung nachkommen. Polyxena fällt auf Achilles’ Grab- hügel durch Neoptolemos’ Hand, und sogleich läfst der Sturm nach. Nach Gorp. I. Gr. 1 n. 4747 hingegen verstummte Achilles im Grabe. Polyxenas Opferung bei Overbeck a. a. 0. p. 661 ff.

Ich erwähne hier gleich noch einige andere Erscheinungen des Achilles nach seinem Tode. Nach Schol. Plat. Plxaedr. 243 A. erscheint er dem ihm auf seinem Grabe opfernden und ihn herbeirufenden Homer in vollem Waffenglanze ; dieser erblindete; ebenso erschien er nach Philostr. Vit. Apoll. Tyan. 152 dem Apollo- nias von Tyana in Troas.

g) Das Leben des Achill nach seinem Tode auf der Pontosinsel.

l)Die Ehen desAcliillnachsein em Tode.

a) Die Vermählung des Achill mit der Med eia nach seinem Tode scheint die älteste der hierher gehörigen Sagen zu sein. Sie fand sich nach Apoll. Arg. Sch. 4, 814 bei Ibykos und Simonides; vgl. Lycophr. 172 u. Tzetz., Dosiadas 2, 3 u. Apoll. Eh. 4, 811 ff.

b) Die Ehe des Achill mit I p li i g e n e i a wurde von Duris (b. Sch. II. 19, 326) in die Lebens- zeit des Achill verlegt, welcher sie aus Skyros geraubt haben sollte ; sie gebar ihm den Neoptolemos; letzteres auch bei Tzetzes zu Lycophr. 183. Eigenen mythologischen Lau- nen folgt Trimalchio bei Petr. Sat. 59. Allein bei Antonius Liberalis 27 findet sich die jeden- falls auf ältere Quellen zurückzuführende Sage, Iphigeneia sei unter dem Namen Orsilochia dem Achill auf Leuke als Weib gesellt gewesen, nachdem sie Artemis von Tauris nach Leuke gebracht und zu einer unsterblichen Göttin gemacht hatte. Ähnlich erzählt Eust. ad Dio- nys. Per. 106 von der Liebe des Skythenkönigs Achill zur Iphigeneia.

c) Die verbreitetste Sage war die von der V ereinigung des Achilles mit der Helena auf der Pontosinsel, welche er als ihr Gatte nach Paus. 3, 19, 11 ff. mit den beiden Aias, Patroklos und Antiloclios zusammen bewohnte. Aus dieser Ehe ging nach Ptolern. Hepli. 4 das geflügelte Kind Euphorion hervor, vgl. Horcher, N. Jahrb. f. Phil. Suppl. 1, 281. Nach Philostr. Her. 746 wurden Achill und Helena auf Leuke vereinigt, ohne sich vorher gesehen zu haben; ebenda- selbst erwähnt er die unter Beisein der Meeres- gottheiten stattfindende Hochzeitsfeier, 745 ihre daselbst durch die Parzen vereinigten Statuen.

4) Von einer Vereinigung des Achilles mit der P o 1 y x e n a in dem elysischen Gefilde spricht endlich Sen. Troad. 954.

2) Seine Lebensweise und seine Be- schäftigungen daselbst.

Selbstverständlich läfst die Sage den Achill nach dem Tode die gewohnte Lebensweise fort- setzen; Waffenübungen und Übungen im Lauf gehen neben den Ergötzlichkeiten des Mahles,

57 Achilleus nach s. Tode

der Liebe und des Gesanges wie zu seinen Leb- zeiten einher (Philostr. Iler. 747). Die am Tage auf Leuke landenden Schiffer hörten oft Kampfes- lärm, sahen aber nichts. Die Nacht aber ge- hörte den Freuden der Tafel und des Gesanges. Daher war es auch streng verpönt, nachts da- selbst zu landen Aristot. mirab. anscult. 106. p. 213 ff ; nach Sonnenuntergang mufste jeder- mann die Insel verlassen. Vgl. Max. Tyr. Hiss. 15, p. 173. Von einer Landung der Amazonen auf Leuke, um Achill zu bekriegen, und ihrer Ver- nichtung erzählt Philostr. Her. 749 ff. Ja er beteiligte sich sogar an auswärtigen Schlachten. So nahm er an der zwischen den Lokrern und Krotoniaten 560 am Sagraflusse geschlagenen Schlacht teil, vgl. Schot. Plat. Phaed. p. 60. Hermae Schot, ibid. c. 19 p. 99. Isocr. Hel. Encom. c. 28 p. 218 f. In gleicherweise wehrt er mit Athene zusammen durch sein Erschei- nen Alarich von den Mauern Athens ab, vgl. Syriani Hymn. ap. Zosim. 5 c. 6, 2 p. 407 f. Besonders häufig aber besuchte er nach Max. Tyr. Hiss. 15 p. 173 die Ebene von Troja, wo ihn die Einwohner oft im Verkehre mit andern Helden zu sehen glaubten. Traf er jemanden auf seinen Wegen, so redete er ihn an, wie er auch auf Leuke sterbliche Gäste mit grofser Liebenswürdigkeit aufnahm, vgl. Max. Tyr. Hiss. 15 p. 173. Philost. Her. 748 ff. u. Max. Tyr. Hiss. 27, welcher erzählt, Achill sei nach seinem Tode von vielen gesehen und gehört worden. Aber auch Heroen besuchten ihn, so Orestes Eustath. Od. 11 p. 1696. Mit grofser Vorliebe aber hat sich die Sage mit dem Orte beschäftigt, wo Achilles nach dem Tode seine Übungen im Wettlauf abhielt. Derselbe wird ’A%i.XXs(ng ögöyog oder ’A^iXlaog dgoyog genannt, vgl. Herod. 4, 55. Strabo 2 c. 3 § 19 p. 389 ff. Hionys. Perieg. 306 f. Pomp. Mela 209. Plin. 4, 12 § 26. Ptolem. Geogr. 3 c. 5 p. 72. Tzetz. in Lycophr. 192. Anonym. Peripl. P. E. p. 7—8. Ammian. Mar cell. 20 c. 8, (wel- cher ausdrücklich sagt , dafs Achill dort Übungen angestellt habe) Priscian. Perieg. 297 f. Steph. Byzant. v. ’A%(Xls io g dgoyog. Von ögo- yoi sprechen Eurip. Iph. T. 435. Hionys. Albian. ap. Schot. Apollon. Bhod. 2, 658. He- sych. v. AxlXIsiov nla-na. Die Überlieferung sagt zwar nichts davon, daf3 Achilles Leuke verlassen habe , um auf dem Dromos sich zu üben, (wie auch Euripides a. a. O. die Dromoi mit Leuke identificiert, das sich aber seiner Natur nach wenig dazu eignet); allein es steht aus der von dem Dromos oder den Dro- iroi gemachten Beschreibungen fest, dafs man allgemein darunter die lange schmale Land- zungeverstand, welche den karkinitischen Meer- busen im Nordwesten begrenzend, sich südlich von Olbia und der Mündung des Borysthenes mit dem westlichen Ende weit in das Meer, mit dem östlichen in den genannten Busen hineinerstreckt und nur in der Mitte durch einen schmalen Landstreifen mit dem Fest- lande, dessenBewohner Achillodromiten hiefsen, in Verbindung steht. Die ausführlichste Be- schreibung giebt Pomp. Mela a. a. 0. , der aufserdem einzig und allein den Achill das Wettrennen auf dem Dromos zur Feier eines

Achilleus (Kultus) 58

über Feinde davongetragenen Sieges veran- stalten läfst, während die andern Airtoren ihn zum Vergnügen sich üben lassen (so Plin. 4, 12, 56). Es weist dies auf eine Sage hin, der zufolge Achilles schon zu seinen Lebzeiten (vielleicht während des troisclien Krieges) seine Siege auf einem Dromos durch Wettrennen gefeiert habe, wozu auch Eurip. Iph. T. 435 passen würde, da der Chor, wie aus der spä-^ teren Frage der Ipliigeneia 537, wo Achill' jetzt weile, erhellt, den Glauben der Herrin teilt, Achill lebe noch. So sind denn auch die d'gö- yot nach dem Tode ein Nachklang der zu Leb- zeiten veranstalteten. Es ist daher zweifellos, dafs die Bewohner jener Gegenden von Be- suchen und Wettlaufen Achills auf jener Halb- insel auch nach seinem Tode gewufst, und die Dichter von ihnen gesungen haben (vgl. die ägofioL des Protesilaos auf der thrakischen Chersones am Hellespont bei Philostr. Heroic. 663.) Tzetzes zu Lykophr. 193 und Eust. zu Hionys. Perieg. 307 führen andere Erklärungen dieses Namens an. Jener erzählt, der Dromos sei nach Achill benannt worden, da nur er ihn habe durchlaufen können ; dieser berichtet, Achill habe in Liebe für die durch Artemis aus Aulis nach dem Pontos versetzte Ipliigeneia entbrannt, diese bis in die genannte Gegend verfolgt. Ferner sei der bei Tzetzes zu Lyk. 192 erwähnten Sage noch gedacht, nach wel- cher Achilles auf dem Dromos fünf Jahre lang die von Artemis in eine alte Frau verwandelte, mit dem Schlachten und Kochen der geopferten Menschen beschäftigte Iphigeneia beweint habe. Zum Schlufs sei noch die allgemeine Bemer- kung des Schot, zu Apollon. Argon. 2, 658 er- wähnt, dafs die breiten flachen Ufer an den Mündungen der Flüsse die Laufbahn des Achilles genannt würden, vgl. Forclihammer Achill. Kiel , 1854, p. 28 u. Kiepert, Lehrb. d. alt. Geogr. p. 255 Anm. 4. Noch jetzt kommt der (mo- derne) Name Chilidromia an griechischen Küsten oft vor.

Die Hauptthätigkeit des Achill aber auf der Pontosinsel war ohne Zweifel die eines Beschützers der Seefahrt und Seefahrer im Schwarzen Meere, eine Thätigkeit, welche sich am besten gleich im Zusammenhänge mit den ihn überhaupt feiernden Kulten besprechen lälst.

III. Der Kultus und die Kultusstätten des Achilles.

Dafs Achilles seit alters im Schwarzen Meere als novrägxyg gefeiert wurde, bezeugen sowohl die ihn mit diesem Namen bezeichnenden, am Nordgestade des Pontos gefundenen Inschrif- ten C. I. Gr. 2 p. 87 n. 2076. 2077. 2080. 2096 b—f, als auch die vielen schriftlichen Zeugnisse, welche über seine Thätigkeit «als Beschützer der Seefahrt und seinen Kultus da- selbst berichten. Hiermit ist sicherlich auch der von Ptolem. Heph. N. II. 1 erwähnte Bei- name Ugoyr]Q'Evg in Verbindung zu bringen. Dieser Kultus scheint von Milet ausgegangen zu sein, wo sich auch in späterer Zeit eine nach ihm benannte Quelle befand ( Tzetzes zu Lykophr. 467. Parth. Erot. 26.). Andere, z. B. Köhler a. a. 0. p. 533, nehmen an, der Kultus

59 Achilleus (Kultus)

des Achilles an den Küsten des Pontos sei äl- teren Datums ; nicht von den milesischen Küsten- fahrern sei der Kult dorthin verpflanzt worden, sondern sie hätten ihn schon vorgefunden. Ich hingegen glaube, dafs sie nur die Sagen von seiner Thätigkeit daselbst vorfanden, vgl. Wel- cher ep. Cycl. 2 p. 221 u. Anm., welcher die verschiedenen Ansichten zusammenstellt und einer Prüfung unterwirft. Durch die Pflanz- städte Milets wurde der Kultus wahrscheinlich l zuerst nach dem Hellespont gebracht, wo in dem von Mytilene und Athen gegründetem in der Nähe seines Grabhügels gelegenem Orte Ayjlltiov von den Bewohnern Trojas regel- mäfsige Totenopfer dargebracht werden, Strabo 13, 596 u. Plin. 11. N. 5, 125. Solin. Polyh. 40,51. Herodöt. 5, 94. Pomp. Mela 1, 18 Steph. Pys. v. Ayilltioq ÖQiyiog. Philostr. V. A. T. 153. Eust. in II. 7, v. 86 p. 666 1. 55. In dem Tempel daselbst stand eine Statue des Achilles 2 mit Ohrringen versehen Serv. in Verg. Aen. 1, 34. Tertull. de Pall. 4, 19. Allein auch aus der Feme wurde dieses gefeierte Heiligtum durch regehnäfsige Theorieen geehrt. So be- sonders von Thessalien , dem Heimatlande Achills aus. Die ausführliche Schilderung dieser Sendungen, sowie ihre Entstehung giebt Phil. Her. 741. Das Ganze trug den Charakter eines Trauerdienstes, wie wir ihn auch anderswo treffen. Von einem Dienste elischer Frauen 3 an einem Kenotapli des Achilles in einem Gymnasion in Elis berichtet Paus. 6, 23 , 3. In dem Tempel des Achilleion am Sigeion erschien der Sage nach der Held im vollen Waffenglanze dem Homer, welcher dadurch das Augenlicht verlor. Westermann, Biogr. p. 30, 20. Bei der Gründung des milesischen Byzantium errichtete Byzas dem Achilles einen Altar an der Stelle, wo später die Thermen des Achilles standen Codin. de Orig. Constan- 4 tinop. p. 2. Hesych. Miles. Res Patr. Con- stantinop. p. 47 ed. Meursius. Von dem Helles- ponte aus verbreitete sich allmählich, sicher- lich aber schon in früher Zeit, sein Kultus an den Küsten des Pontos und fafste besonders am kimmerischen Bosporos Fufs. Von den ältesten milesischen Kolonial städten Istros, 01- bia und Apollonia, deren Gründung zwischen 650 und 500 v. Chr. fällt, ist vor allen Olbia als Kultusstätte des Achilles zu nennen. Er 5 hatte dort einen Tempel und eine Priester- schaft Dio Chr. 36 pp. 80 u. 85 C. I. Gr. 2 introductio p. 87 u. p. 139 (tit. 2077). Spiele wurden ihm zu Ehren daselbst gefeiert und der Name Ayillehq war sehr beliebt. Das Hauptheiligtum des Heros aber in jenen Ge- genden, dem Achilleion auf dem Sigeion ver- gleichbar, scheint die kleine Insel gewesen zu sein, welche am Ausflusse des Borysthe- nes liegt, jetzt den Namen Berezan führt und e von den antiken Schriftstellern oft mit Leuke verwechselt worden ist, vgl. Köhler a. a. 0. p. 627 ff. Die Inschrift C. I. Gr. 2, 2076 (p. 136) wurde auf dieser Insel gefunden; der Kultus auf ihr ist sonst noch bezeugt durch Dio. Chr. a. a. 0. p. 78 u. 85, wo sie die Achillesinsel ge- nannt und ein Tempel des Heros darauf er- wähnt wird. Vgl. Skyl. p. 30. Strab. 2 p. 125.

Achilleus (Kultus) 60

7 p. 306. Epitom. Strab. 86. SJcytnn. fr. 44. Dion. Per. 541. Arrian. Peripl. p. 21. Paus. 3, 19, 11. Ptol. 3, 10, 17. Mela 2, 7, 2. Plin. 4, 12, 26, 27. Prise. Pericg. p. 557. Martian. Capella 6, 663. Die Insel ist entweder namen- los, oder heilst Borysthenis(PfoZew. und der Epi- tom, d. Strabo a. a. 0.), Achillesinsel oder Acliillea, oder wird mit Leuke vor der Donaumündung verwechselt. In Verbindung mit ihr wird sehr 0 häufig und wiederum oft verkehrterWeise eine andere Kultusstätte des Achilles genannt, der sogenannte d'Qogoq (oder dpoftot) des Achilles, der schon oben Erwähnung gefunden hat, vgl. UJcert , Geogr. d. Gr. u. R. 3, 2 Abt. p. 455. Kiepert , Lehrb. d. alt. Geographie p. 339, Anm. 1. Besonderer Berühmtheit erfreute sich die unter jenem Namen im Pontos gelegene 18 Meilen lange schmale , nur in der Mitte mit dem Festlande verbundene Düne, die sich (jetzt im 0 westlichen Teile Tender, im östlichen Djaril- aghatsch genannt) vor die Mündung des Bo- rysthenes legt. Die Belegstellen siehe oben. Obwohl die Düne durchaus kahl war, führte doch das westliche Vorgebirge den Namen 'Hain des Achilles’ Strabo 7, 307. 9, 412. Eust. ad II. 2, 506 p. 270. Auf Tender wurden auch Marmorplatten mit Inschriften, eine Urne mit Münzen etc. gefunden, vgl. Bulletin des sc. histor. T. 9 p. 141 {Peter sb. Zeitschrift). Viele Schrift- 0 steiler sind sich über die Lage dieses Dro- mos im Unklaren geblieben, daher die schwan- kenden und irrigen Angaben. Die Halbinsel war unbewohnt, die Einwohner des angren- zenden Festlandes hiefsen Achillodromiten. Hierher gehörten die Einwohner einer andern Kultusstätte des Helden: auf dem östlichen Ufer des kimmerischen Bosporos an der eng- sten Stelle des Sundes lag der befestigte Ort AyBlsiov mit einem Tempel des Achilles; 0 Strabo 494. Ptolem. 5, 9, 149. Steph. Byz. a. a. 0. Anonym. Peripl. p. 17, 3. Den glei- chen Namen tragen auch befestigte Orte an- derwärts, einen solchen in der Nähe von Smyrna erwähnt Xenoph. Hellen. 3, 2, 13. 4, 8, 17; einen zweiten in Sicilien führt an Steph. Byz. a. a. 0. Bei Adramyttium in Mysien War ein befestigter Graben, dessen Entstehung man auf Achill zurückführte Strabo 613. Eust. in II. 7 v. 277. p. 343. Von Inseln aufser- 0 halb des Pontos, welche Achill verehrten oder doch mit ihm in irgend welchem näheren Zu- sammenhänge standen, seien erwähnt die Spo- rade Astypalaea {Cie. de nat. deor. 3, 18, 45) und Achillea, Insel bei Samos im ägäischen Meere Plin. 5, 37. Den Namen des Achilles (Ayü.Xsio? hgfjv) führte ferner ein am Taina- ronvorgebirge gelegener Hafen, jetzt Bucht Marinari (Slyl. Peripl. 46. Paus. 3, 25,4), jeden- falls mit dem von Steph. Byz. a. a. 0. ange- 0 führten in Messenien gelegenen identisch (Bur- sian Geogr. v. Griech. 2, 150.), und ein Hafen auf der Ostküste von Skyros (Ayü.lsiov , jetzt Bucht Achili, vgl. Scliol. II. 19, 326, Bursian a. a. 0. 2, 391). Verehrung fand er (nach Köhlers Einend, a. a. 0. p. 797 zu Paus. 2, 1, 8) in der Nähe von Korinth an einem den Nereiden geweihten Orte. Unschwer ist aus den bisher erwähnten Kulten und nach

61 Achilleus (Kultus)

dem Achilles benannten Ortschaften dessen enge Beziehung zum Meere und zum Wasser über- haupt zu erkennen.

Aber auch im Binnenlande wurden ihm gött- liche Ehren an verschiedenen Orten von Grie- chen erwiesen. Einen Halbgott nennt ihn Ar ist. 1, 374, 45 ed. Par. Schon erwähnt ist der Trauergottesdienst der Frauen in Elis, sowie seine Verehrung im Geburtslande durch die Thessaler: eine Reiterstatue von ihm, ein Weih- geschenk der Bewohner von Pharsalos, stand in Delphi Paus. 10, 13, 5. In Epirus, dem Lande, welches später sein Sohn einnahm, wurde er unter dem Namen Aanszog als Gott ver- ehrt. Plut. Pyrrh. 1. vgl. Aristot. fr. 280b. P. Ptolcm. Heph. N. II. 1. In hohen Ehren stand er ferner bei den Lakedämoniern, die ihn nach einem Fragmente des Anaxagoras ( Schol . Apoll Pli. 4, 815) wie einen Gott verehrten. Nach Paus. 3, 20, 8 befand sich bei Sparta ein Heilig- tum des Achilles, welches nicht geöffnet werclen durfte. Die Epheben aber, welche sich in Sparta amWettkampf^ beteiligen wollten, opferten ihm vor dem Kampfe. Prax, der Urenkel des Perga- mos, des Sohnes desNeoptolemos, sollte das Hei- ligtum gestiftet haben. Zu Brasiai hatte er mit Asklepios zusammen einen Tempel, wo alljähr- lich ein Fest ihm zu Ehren gefeiert wurde, Paus. 3, 20, 8; dasselbe wird von der Pflanz- stadt Tarent berichtet Aristotel. mirabil. auscult. 4, 93, 48 P. K. 0. Müller , Aegin. p. 1G2 geht sogar so weit zu behaupten, Achilles sei von allen Doriern verehrt worden; vgl. dagegen W i elcher gr. Götterlehre 3, 253. Endlich gab es noch in der Nähe von Tanagra ein ’A%ü.lsiov , einen ihm von Poimandros geweihten Platz. Dieser hatte den Polykritos getötet; Achill führte ihn zu Elpenor nach Chalkis und dieser entsühnte ihn. Plut. Qua.est. Gr. 368, 44 Dübn. Sein Speer wurde im Tempel der Athene zu Phaselis in Lykien aufbewahrt. Paus. 3, 3, 8.

Den gröfsten Ruhm aber uncl die gröfste Verehrung genofs als Kultusstätte des Achilles ohne Zweifel die vor den Mündungen des Istros gelegene Insel Leuke Eurip. Androm. 1260. Pind.Nem. 4, 79. Skyl. ed. Klaus, p. 209. Dcmetr. Galatian. bei Slcytnn. Peripl. 43 u. 45. Ly- Jcophr. 186. Conon narr. 18. Strabo 2, 125 u. 7, 306. Ptolevi. 3, 10. Aman. Peripl. Ponti Eux. 21. cDafs diese unbedeutende Felseninsel den Griechen so wichtig war, erklärt sich auf dop- pelte Weise. Betrachtet man ihre La, ge, so sieht man bald, sie diente in dieser Gegend, die durch niedrige LTfer an den Donaumün- dungen, durch Sandbänke und Untiefen ge- fährlich ist, den Alten, die immer Küstenfahrer blieben, als Merkzeichen. Die Fahrten in den Pontos, die Anlage der Pflanzstädte daselbst fallen in die Zeit, da die von Homer verherr- lichten Heroen als göttliche Wesen, als Helfer in der Not angesehen und verehrt wurden. Wie schon der erwähnte Dichter (Stesichoros) dem Menelaos nach seinem Tode auf einer Insel im Okeanos seinen Aufenthalt bestimmte, so wiesen Spätere dem Achilles und anderen Inseln und Küsten orte in dem gefährlichen Pontos an, der als ein anderer Ocean erschien, wo sie als Retter in Gefahr angerufen wurden,

Achilleus (Kultus) 62

denen zu entgehen die geheimnisvollen Weihen in Lemnos und Samotlirake für die Seefahrer, am Eingang des verrufenen Meeres, empfohlen wurden’. U leert a. a. O. 3, 2 p. 442.

Die Insel wurde von Menschen nicht bewohnt (Skyl. Car. Peripl. p. 30. Arrian. Peripl. P. E. p. 21. Anonym. Peripl. P. E. p. 11. Phil. Her. 746. Ammian. Mar cell. 22 c. 8); doch bevöl- kerten sie grofse Scharen von Ziegen, welche io daselbst von den Opfer darbringenden See- fahrern in Freiheit gesetzt worden waren (Ar- rian. Peripl. a. a. 0.). Die hingegen, welche durch Sturm dorthin verschlagen, brachten Geld dar mit der Bitte, kund zu thun, ob das Opfertier, welches sie sich unter den daselbst weidenden Ziegen ausersehen, genehm sei. War das Orakel mit dem gebotenen Gelde nicht zufrieden, so legten sie mehr zu, bis es genügend war. Dann stellte sich das Opfertier freiwillig. Die Insel 20 galt für heilig und unverletzlich, Pliil. Iler. 248, und wurde nur von Schiffbrüchigen und solchen, welche opfern wollten, aufgesucht, selten von Neugierigen Max. Tyr. Diss. 15 p. 173; jeden- falls brachten auch die Einwohner der um- liegenden Küsten von Zeit zu Zeit Opfer dar, wenn man nicht an regelmäfsige Theorieen denken will Quint. Smyrn. 3, 777 779. Eine Nacht auf der Insel zuzubringen wagte niemand Ammian. u. Phil. Her. a. a. 0. Nach Phil. Her. 30 749 durfte die Insel nicht von Frauen betreten werden. Siehe ebendaselbst die Opferung eines Mädchens aus Ilios, des letzten Sprosses des Priamidenhauses, eine Nachahmung des Opfers der Polyxena 'durch Achilles. Mit lauter Stimme zeigte Achill den Verschlagenen an, an welchem Orte der Insel sie landen sollten Phil. Her. 748 oder erschien den Seefahrern im Traume, um ihnen den Ankerplatz zu weisen Arrian. Peripl. p. 22 ff. Andere sahen ihn mit 40 Patroklos zusammen, wieder andere sahen ihn in der Nähe von Leuke auf dem Grofsmast oder Klüverbaum sitzend Arrian. Peripl. p. 23, nach Max. Tyr. Diss. 15, 173 als jungen schö- nen Mann mit blonden Haaren und goldstrah- lenden Waffen. Auf der Insel selbst befand sich der Tempel mit den Altären, um die Opfertiere aufzunehmen Eurip. Androm. 1260 Solin. Polyh. c. 19 p. 29. Arrian. a. a. 0. p. 21. Anonym. Peripl. p. 11. Paus. 19, 11. Pliilostr. 50 Her. 748, 749 u. 751; die Ruinen des aufser- ordentlich alten, mächtigen kyklopenartigen Baues sah Köhler a. a. 0. p. 602 ff. In dem Tempel befand sich eine Statue des Achilles Demetr. Calatian. ap. Arrian. Peripl. P. E. 22. Arrian. a. a. 0. p. 11 und Paus. 3. 19, 11, ein . altes Kunstwerk, während Pliilostr. Her. 745 von den vereinigten Statuen des Achilles und der Helena berichtet. Aufserdem barg der Tempel viele kostbare Weihgeschenke, wel- oo che dem Heros als Gaben dargebracht waren; ebenso griechische und lateinische Inschriften in verschiedenen Versmafsen, die das Lob des Achilles und Patroklos sangen. Vgl. das Epi- taphium bei Aristot. fr. 312 a. 318 «. P. Opfer und Tempelschatz beschreibt Arrian. a. a. 0., welcher auch von einem mit dem Tempel ver- bundenen Orakel erzählt, obgleich die Insel unbewohnt war und einer Priesterschaft nir-

Achilleus in d. Kunst

Achilleus (Etym. u. Deutg.)

64

geuds gedacht wird (siehe oben). * Nach Ar- rian. a. a. 0. und Philostr. Her. 746 dienten die Meervögel als Tempelhüter. Jeden Mor- gen flogen sie aufs Meer , benetzten die Flügel, flogen dann zum Tempel zurück, be- sprengten ihn und kehrten den Fufsboden mit den Flügeln; doch wagten sie nie über den Tempel hinwegzufliegen, Plin. N. H. 10, 78. Solin. Polyh. 19 p. 29. Antig. Caryst. 134. Diesen Aufenthalt teilen aufser Helena nach Paus. 3, 19, 13 Patroklos, Antilochos und die beiden Äias. Vgl. aufserdem Athen. Deipnos. 15 p. 695. Strabo 7, 211. Arrian. Peripl. P. E. p. 21. Conon narrat. 18. Eust. ad Dionys. Per. 545. 680. 692. Niceph. Blemm. ad Dionys. Per. 1 p. 414 ed. Bernh.

IY. Achilles in der bildenden Kunst.

Da die hauptsächlichsten Kunstwerke schon im Vorhergehenden bei Besprechung der Mythen Erwähnung gefunden haben, besonders dann, wenn sie zur Erläuterung der schriftlichen Überlieferung dienten oder dieselbe ergänzten, aufserdem aber ein genaues Eingehen auf das archäologische Gebiet weder lripr am Orte ist, noch im Vermögen des Verfassers steht, so sei nur noch kurz hingewiesen auf die sta- tuarischen Darstellungen des Achill, sowie auf die Hauptsammelwerke, welche sich mit den bildlichen Darstellungen des Heros des nähe- ren befassen.

Da nach Plin. N. II. 34, 5, 18 die nackten Ephebenstatuen mit der Lanze in der Hand Achilleae hiefsen, so läfst sich hieraus ersehen, in welcher Weise die Antike den Helden in der Regel zu bilden pflegte. Als Werke hervorragen- der Künstler sind schon erwähnt die in Gruppen- bildern angebrachten Statuen von Lykios Paus. 5, 22, 2, von Skopas Plin. 36, 26 u. Paus. 8, 45, 7. Eine alleinstehende (?) Statue des Achill von Silanion führt an Plin. 34, 82. Von unbekannter Hand sind die Statuen im Tempel der Astarte zu ITierapolis Lucian. de dea Syr. 40, ein dviovXog bei Christodor 291 nackt, im Tempel von Sigeion eine Statue mit Ohrringen Serv. Verg. Aen. 1, 30, ein igoavov ryg nc/.Xctiäg ioyucPug auf Leuke Arrian. Peripl. P.E. p. 21 u. die p. 61 Z. 9 erwähnte Reiterstatue zu Delphi, auch auf Münzen von Pharsalos. Die charak- teristischen Kennzeichen der Bildung des Achil- les finden sich bei Philostr. imag. 2, 2 u. 7 jun. 1. Pleroic. 19, 5. Biban. ecphras. 6 und be- sonders bei Heliodor. Aethiop. 2, 5. Keine der erhaltenen Statuen ist sicher als die des Achill nachgewiesen ; genannt seien nur der sogenannte Ares Ludovisi und Achilles Borghese in Paris, letzterer charakteristisch durch einen gewissen sanften und melancholischen Zug, hier für Ares am wenigsten pafst, aber dem Achill wohl von einem Künstler gegeben sein könnte’ ( K . 0. Mül- ler, Handb. d. Arch. d. K.3 413, 2). Die be- stimmte Deutung der Statuen wird nämlich durch die Ähnlichkeit der Darstellung mit Mars erschwert. Die Dresdner und Münchner Büste hängen nach Müller mit dem Borghese zusam- men und fordern gleiche Deutung. Ebenso zweifelhaft ist die Deutung der schönen Mar- morgruppe, die unter den Namen Pasquino be-

kannt ist; vgl. Overbeclc a. a. 0. p. 551. Taf. 23. Nr. 5. Münzen des Pyrrlios und spätere thessalische Münzen zeigen den Kopf' des Achill B. Bochette Mon. ined. p. 411. Vign. 15. Der Schild des Achill und die Kontroversen dar- über sind besprochen v. J. Overbeclc Gesch. d. gr. PI.2 1 p. 45 f.

Die sein Leben betreffenden Bildwerke sind zusammengestellt v. B. Bochette a. a. 0., 0. io Midier a. a. 0. 413, 2 u. 415. J. Overbeclc , die Bildwerlce zum diebischen und troischen Hel- denlcreis. Friedrich Schlie, die Darstellungen des troischen Sagenkreises auf etruskischen Aschenkisten. Die ganze Cyklen enthaltenden, sowie die einzelne Scenen seiner Ansicht nach unzweifelhaft darstellenden antiken Bildwerke siehe bei Brunn in Paulys Beal-Encyklopädie unter Achilles p. 89. Das Notwendigste betreffs der Bildwerke ist dem Texte an entsprechender so Stelle beigefügt; freilich ist das Gegebene lücken- haft und unvollständig, da nur ein das weit- schichtige Material beherrschender Fachmann hier Erschöpfendes zu bieten imstande wäre.

V. Etymologie des Namens und Deutung der ursprünglichen Natur des Achilles.

1) Antike und den antiken sich an- schliefsende moderne Deutungen.

Die verbreitetste Ansicht im Altertume war, 30 dafs der Name bedeute hier Betriiber der Hier’ diu To ciyog, o ton Xvnyv snsvsynsiv x oig ’lh- tvaiv Sch. II. 1, 1. Eustath. z. II. 14, 18, eine Erklärung, welche schon Kallimachos hatte (Cramer anecd. Oxon. 4, 403, 27). In neuerer Zeit ist sie wieder aufgenommen von Pott , Kuhns Ztschr. 9, 211. Ähnlich ist die Deutung, wel- che Eust. a. a. 0. 14, 13 giebt, ano xov ciyog luXXsiv, yyovv Xvnyv ifißdXlsiv , was Benseler gebilligt zu haben scheint, der das Wort mit 40 'Schmerzer’ übersetzt. Dagegen siehe Curtius Grundzüge 5 p. 119 Anm. Eine dritte Zusam- mensetzung mit ctyog nimmt an die Erklärung aus uiog Xuov Sch. II. 1, 1 Et. M. Eine zweite beliebte Deutung war dnb tov u ctsgyziv-ov nai xov %iXbg, o taziv y rav anoQi'fuov zQoepy Eust. II. 14, 18. So Euphorion Et. AI. v. ’AyyX- Xsvg und Eust. II. 15, 8 sg <h&iyv ytXov nazyis nufinuv dysvazog Nonni narr, ad Greg, invect. 1, 88 p. 157. Eine dritte bei Apollodor. 3, 13, 6 on 50 re: %DXy yuGzoig ov i TQOGyvtyy.s •, vgl. Tcrtull. de pallio 4 'ille ferarum medullis educatus, unde et nominis consilium’. Eine vierte bei Tzetzes Lykophr. 178, weil er durch das Feuer, in wel- ches ihn Thetis nach der Geburt warf, einer Lippe beraubt war. So der pharsalisclie Dich- ter Agamestor. Eine gleiche Etymologie des Wortes, aber auf anderer Deutung fnfsend nimmt an Forclihammer, Achill. Kiel 1853 p. 62. Peleus, der lehmige Flufs (nyXög), erzeugte mit 60 Thetis, der Läuferin unter den Nereustöchtern (von tH'co), rden Heros der Überschwemmung, des mündungs- und lippenlosen Flusses, den Lippenlosen, den Achilleus, von die

Lippe und dem verneinenden ci. Die Griechen nannten die Ufer der Flufsmündungen Lippen’.

2) Moderne Deutungen.

Vgl. hierüber Curtius a. a. 0. p. 119. 'Ge- rade in der Mehrdeutigkeit eines Wortes liegt

65

Achilleus nachhom.

Adanos

66

ein Hauptanlafs zu seiner Schwerdeutigkeit. Die etymologische Wissenschaft kann also in solchen Fällen sehr oft nur die Sphären an- geben, innerhalb welcher die Deutung liegen kann, nicht diese selbst bieten’. Infolgedessen läfst Curtius die Deutung zwischen =

’ExsXaog Volkshalter (so Misteli, Kulms Ztschr. 17 p. 186), und ’ExsXaog Steinhalter offen. Die letztere Erklärung fafst also Achilles als einen Flufsgott. Die übrigen Erklärer lassen sich i in drei Gruppen scheiden; die eine erklärt ihn für einen Flufsgott, die zweite für einen Lichtgott, die dritte nimmt eine beide Ele- mente vereinigende Natur als das ursprüng- liche an. Für den Flufsgott Achilles tritt am energischsten ein Forchhammer in der oben erwähnten Schrift und in der c Gründung Roms\ Kiel 1868 p. 6 ff. Viele Anhänger hat die Ver- mutung J, Scaligers, in dem ersten Bestand- teile des Namens sei das Wort 'Wasser’, 2 aqua, gerade so wie in Acheloos verborgen, vgl. Lobeck, Aglaoph. p. 952 ; Welcher gr. Götter- lehre 3, 46 u. Anm. ; derselbe sagt ep. Cycl. 2,37. 'Im Sohne der Thetis und des Peleus erblicken wir einen Flufsgott. Aus diesem Dämon Achilles mag lange vor dem troischen Krieg ein Myrmidonenheld hervorgegangen sein’. Vgl. Preller Gr. Mytli.2 400 Anm. 1. Kückert , Tro- jas Ursprung p. 144. Angermann, Progr. d. Landesschule zu Meilsen 1883 p. 11, welcher den 3 Übergang von x in % durch nachfolgendes Jr vermittelt annimmt. Dagegen G. Curtius a. a. 0. Fick, Wörterbuch d. indogerm. Grundsprache 3 2, 8 erklärt es mit rder Dunkle’ {axXvg) = aquilus. Als ursprünglichen Lichtgott fafst ihn Sonne Kulms Ztschr. 10, 98, der den Namen mit 'hell leuchtend’ übersetzt. M. Müller, Vorles. über die Wissenschaft d. Spr., deutsch v. C. Böttger 2 2, 533 Anm. 68 stellt ihn mit dem indischen sterblichen Sonnenheros 4 Aliargu zusammen. Panofka , annali dell' Instit. Arcli. 5, 130. 7, 128 hält den die Helena {ZtXrjvri) verfolgenden Achill für eine männliche Mond- gottheit. Eine Doppelnatur, die eines Strom- und Sonnengottes, nahm an Gerhard gr. Mytli.

§ 878. 'Seines Namens und Wesens als ein flutender Lichtheros (!) gedeutet’. 887 'eineshei- misclien Strom- und Sonnengottes Abbild in Kraft und Schnelle’. 896 'der meerentsprossene Sohn von Peleus und Thetis im Sinn des 5< schnellfüfsigen, unwiderstehlichen, wandelbaren Stromes, auch wohl der rasch verflüchtigten Sonnenkraft, die er ursprünglich daheim glei- cherweise bezeichnen mochte’ (!). Endlich weist derselbe a. a. 0. M. P. V. 2. Anm auf den in- dischen Feridan und germanischen Siegfried als Vorbilder und Widerspiele des griechischen Achill hin. Ganz abweichend von den genann- ten Erklärungen und sicherlich falsch ist die von Fligier, zur prähistorischen Ethnologie der g> Balkanhalbinsel. Wien 1877. p.41 gegebene Deu- tung. Achilleus ist ihm eine nichthellenische Gottheit. 'In seinem Namen erinnert er an Ahi, den feuerspeienden Drachen, d. h. die dorrende Hitze, welcher die milchgebenden Kühe, die Regeuwolken, geraubt, und in den Bergen eingeschlossen hält. Der Bezwinger des Drachen (Ahi) heilst dann Achilaras, d. h. Drachen-

Roscher, Lexikon der gr. u. röm. Mytkol.

stein’. Ohne mich auf die Etymologie des Namens einzulassen, erkläre ich am Schlüsse, dafs mir nach den oben gemachten Zusam- menstellungen von Mythen und Kulten die ur- sprüngliche Bedeutung des Achilleus als Flufs- gott unzweifelhaft zu sein scheint. [Nachtrag zu S. 64, Z. 50: Eust. z. II. 289, 36: of öl Ttahxioi svQiQ'gvai cpaoiv iv noXXoig Ayafis- övvra Xeyöfievov , aiorcsf) hcu zbv ’AxiXXsa ’A&g- Xsa nocl rov KdXxavra XäXncxvta. Roscher.]

[Fleischer.]

Aclilys ( AxXvg ) Trübsal, Personifikation der tiefsten Trauer, ausführlich geschildert von lies. Scut. Ilerc. 264 ff. [Roscher].

Acionna, Name einer gallischen Göttin auf einer bei Orleans gefundenen Inschrift (Aug. Acionnae sacrum etc. Orelli - Henzen 1956). [Roscher],

Acis etc. s. Akis.

Acoetes (Anougg?). 1) ein Mäonier (Lyder) oder Tyrrhener (nach Ilerod. 1, 94 sollten die Tyrrhener (Etrusker) aus Lydien eingewandert sein; vgl. Ov. Md. 3, 583. 624. u. Hygin. fab. 134), welcher als Steuermann auf einem tyr- rhenischen Seeräuberschiffe diente. Als seine Genossen bei einer Landung in Keos einen schönen trunkenen Jüngling entführen wollten, widersetzte sich Acoetes diesem Vorhaben, weil er in dem Knaben den Gott Dionysos erkannte, und sollte deshalb von den übrigen Seeräubern ins Meer geworfen werden. Da offenbarte plötzlich Dionysos seine göttliche Macht: das Schiff stand still wie in einem Dock,' Weinre- ben rankten sich von selbst um die Ruder, der Gott selbst stand traubenbekränzt und den Thyrsus schwingend da, von Tigern, Luchsen und Panthern umlagert, und wahnsinnig oder erschreckt sprangen alle Seeräuber, in Delphine verwandelt, ins Meer. Nur Acoetes blieb übrig und folgte fortan dem Gotte als Mitglied sei- nes Thiasos. So erzählt Dionysos selbst in der Gestalt des Acoetes dem Pentheus bei Ovid {Met. 3, 582). Dieselbe Geschichte findet sich bei Hygin. fab. 134 (vgl. Bunte z. d. St.) , wo auch ziemlich dieselben Namen, wie bei Ovid, wiederkehren. Vgl. aufserdem Hom. hymn. 7 {in Bacchum), Apollod. 3, 5, 3. Aglaosthenes bei Hyg. Astr. 2, 17. Serv. ad Aen. 1, 67 (der auch auf die Verwandtschaft der Tyrrhener und Lyder [Mäo- nier] hinweist), Mytli. Vat. 1, 122; 2, 171 und die schöne bildliche Darstellung am Denkmal des Lysikrates zu Athen bei Müller- Wieseler, JDenlcm. d. a. K. 1 Taf. 37. (Vgl. Gerhard, Auserl. Vasenbilctir 49). 2) Evanders Waf- fenträger und nachher Gefährte seines Sohnes Pallas. Verg. Aen. 11, 30. 85. [Roscher],

Adad ( Adadus, Aöaöovg (?) Hesych.), einheimi- scher Name des in Rom Juppiter 0. M. Helio- politanus genannten syrischen Sonnengottes : Macrob. S. 1, 23. Plin. H. N. 37, 186. Vgl. Zachar. 12, 10. Movers Phönizier 1, 196. 2, 1, 513. Preller , Röm. M. 2 3, 402 ff [Roscher].

Adamas {Aöägag) , Troer , Sohn des Asios, von Meriones getötet: II. 12, 140; 13, 560 ff

[Roscher],

Adanos (Aöavog) , Gründer von Adana in Kilikien, Bruder des Saros, Sohn des Uranos und der Ge. Steph. Byz. s. v. ’Aöceva. [Schultz.]

3

Addus

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Addus, Name einer wahrscheinlich celtischen Gottheit auf einer Inschrift aus Altripp. Or- Henzen 5610: I. 0. M. Addo ex voto posuit pro Salute sua suorumque Marino etc. Henzen erklärt im Register Addus für einen Beinamen des Juppiter. Ygl. Addua = Adda, Adduus (Veil. 2, 102), Aduatuci. [Steuding].

Adeona, röm. Göttin, welche ebenso wie die Abeona (s. d.) die ersten Laufversuche leitete. August, de civ. d. 4, 21. S. Indigitamenta.

[Roscher],

Adepliagia (’Aägcpciyi’ci) , die Gefräfsigkeit, welche in einem Tempel Siciliens verehrt wurde : Polemon b. Ath. 416 b. Ael.v.h. 1,27. [Roscher],

Adfereiula s. Indigitamenta.

Ad ganaae deae , wohl celtische Göttinnen auf einer Inschrift aus Galliano. Labus, Mo- num. scoperti in Ganturio p. 24: Niger Tertul- lius Severus Matronis et Adganais V. S. L. 31. Orelli 2096 hat dagegen nach Redaelli „Ad- gnatu , liest aber im Register wie oben. Zu vergleichen ist vielleicht die gens Adginnia, die jedenfalls auch celtischen Ursprungs ist; vgl.;i Orelli 4018 u. a. [Steuding],

Adiante (’Aöiav rrf) , Tochter des Danaos (s. Aigyptos). Apollocl. 2 , 1 , 5. [Roscher] .

Admete ('ASgytiq), 1) Tochter des Okeanos und der Tethys: Hesiod. Theog. 3, 49. Nom. hy. in Cer. 421. Hyg. fab. praef. p. 28 ed. Bunte. 2) Tochter des Eurystheus. Da sie den Gürtel der Amazonenkönigin Hippolyte, welche ihn vom Ares als Preis ihrer Tapfer- keit erhalten hatte , zu besitzen wünschte , so wurde Herakles ausgesandt, jenes Kleinod zu erkämpfen ( Apollod . 2 , 5, 9). Nach Tzetzes z. Lykophr. 1329 begleitete Admete den Herakles. Ein Relief der Villa Albani (Zoega Bass. 2, 70) stellt sie dar, wie sie dem vergötterten Hera- kles opfert. Dies lehrt die Inschrift: 'Hgug ’Agys lag isqsux ’ASgdta EvgvG&scog Heil Adfici- < tag rag AficpiSägavrog ( G . I. Gr. 5984 G., vgl. Stephani in 3Iem. d. Petersb. Ali. Ser. 6, t. 8). Wie in dieser Inschrift, so gilt sie auch sonst als Priesterin der argivischen Hera (Synlcell. Chro- nogr. p. 172 ed. Par. Euseb. Ghron. p. 33 Sylb.). Nach einer von Athen. 672a mitgeteilten Legende soll Admete mit dem Kultbilde der Hera von Argos nach Samos geflohen und auch hier Priesterin der Hera in ihrem uralten und hoch- berühmten Heiligtume geworden sein. Die auf £ den samischen Herakult eifersüchtigen Argi- ver hätten nun Tyrrhenische Seeräuber überre- det, das Kultbild der samischen Hera für sie zu rauben. Als die Räuber im Begriffe gewe- sen seien, mit ihrem Raube abzusegeln , habe plötzlich das Schilf so lange unbeweglich fest- gestanden, bis das Bild wieder ans Ufer ge- bracht worden sei. Hier habe es Admete am nächsten Morgen gefunden, gereinigt und wie- der im Tempel aufgestellt. Zum Andenken c an diese Begebenheit aber sei ein samisches Fest, Tovscc genannt, gefeiert worden. Die Deutung dieser ätiologischen Kultlegende fin- det sich bei Welcher in Schwencks etym.-mytli. Andeutungen S. 276. (Vgl. auch Welcher, Göt- terl. 1, 368 u. 382, Boscher, Juno u. Hera S. 78, sowie den Artikel Hera). 3) Tochter des Amphidamas, Gemahlin des Eurystheus, Mut-

Admetos 68

ter der vorigen (C. I. Gr. 5984 G., sonst An- timache (s. d.) genannt. [Roscher],

Admetos (ASgytog, C. I. Gr. 8185 'Aagrizog ). 1) Sohn des Pheres und der Periklymene oder Kly- mene, König von Pherai in Thessalien, Teilneh- merander kalydonischen Jagd und am Argonau- tenzug (Apollod. 1, 8, 2, 4 u. 9, 6, 8. Hygin. f. 14. 173. Pind. Pyth. 4, 224. Sopli. Benin, fragin. 353. Apoll. Bh. Arg. 1, 49. Val. F. Arg. 1, 444. Orpheus Arg. 176. Stat. Theb. 5, 435).’ Nachdem er Herrscher von Pherai geworden, bewirbt er sich neben vielen andern Jünglin- gen um die eine Tochter des Pelias, Alke°stis; als der Vater sie nur dem geben will, welcher Löwen und Eber (Apollod. 1, 9, 14) oder über- haupt wilde Tiere (Hygin. f. 50 u. 51) an den Wagen geschirrt habe, spannt Apollon einen Eber und Löwen an einen Wagen und über- giebt ihm diesen; damit gewinnt Admetos die > Alkestis in Jolkos (Scliol. Eur. Ale. 254) und führt sie nach Hause. Apollon beweist sich dem Admetos hilfreich , weil er während des einjährigen Dienstes in Pherai (Eurip. Ale. 8. Luc. de sacr. 4. Jup. conf. 8. Hiodor. 6, 7, 6. Ovid.heroid. 5,151. Sero. Verg. Ae. 7,761), zu dem er von Zeus wegen der Tötung der Ky- klopen oder, nach Pherekydes, der Söhne der Kyklopen (Schol. Eitrip. Ale. 1. Lucan. Pliars. 6, 368. u. Schol. Apollod. 3, 104. Hygin. f. 49) i verurteilt ist, den König wegen der freundli- chen Behandlung liebgewonnen hat, oder weil er ein Liebhaber des Admetos ist (Gallim. hymn. ad Ap. 47. Plut. Numa 4. Nonn. Dion. 10, 323. Tibull. 2, 3, 11. Ovid.heroid.

Nach Diodor 4, 53, 2 wird Alkestis erst nach dem Tode des Pelias als Gattin dem Admetos von Iason übergeben. Bei der Hochzeit ver- gafs er der Artemis zu opfern, deshalb fand er sein Brautgemach mit Schlangenknäueln an- gefüllt. Apollon versprach ihm die Schwester zu versöhnen, und zugleich erbat er von den Moiren, dafs, wenn Admetos sterben sollte, er vom Tode verschont bliebe, sobald jemand frei- willig für ihn in den Tod ginge. Nach Aesch. Eum. 172. 723. 728 hatte Apollon die Moiren trunken gemacht und in der Trunkenheit ihnen das Versprechen abgenommen. Als der Todes- tag für Admetos kam, und der Vater Pheres samt der Mutter trotz ihres Greisenalters sich weigerten sich zu opfern, erlitt Alkestis für ihren Gatten den Tod; sie wurde aber von Herakles dem Tode wieder abgerungen, oder Kore schickte sie wegen ihrer Gattentreue wie- der an die Oberwelt. - Nach Stat. Theb. 6, 332 nimmt Admetos bei der Einsetzung der nemeischen Spiele am Wagenwettrennen teil. Ebenso beteiligt er sich auf dem Kypselos- kasten (Paus. 5, 18, 10) an den Leichenspielen, die zu Ehren des Pelias gefeiert werden; am Thron des Amykläischen Apollo spannt er Eber und Löwen an den Wagen (Paus. 3, 18, 9). Auf einem römischen Stuckrelief (Ann. d. Inst. 1860 S. 227) fährt er mit einem Wagen, dem ein Löwe und ein Eber vorgespannt ist, zu Pelias, der ihn auf dem Throne sitzend erwar- tet; neben ihm steht Alkestis. Über den Tod und die Rückkehr der Alkestis, sowie über die Mythendeutungen s. u. Alkestis.

Adolenda

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Nach Phanodemos ( Scliol . Aristoph. vesp. 1239) wird Admetos im Alter aus Pherai ver- trieben und kommt mit der Alkestis und sei- nem jüngsten Sohn Hippasos nach Athen zu Theseus, um ihn um Schutz und Hilfe anzu- flehen; er erhält mit seiner Familie Wohnung in Attika. Auf diese Ankunft des Admetos in Athen wird ein in Athen vielfach gesungenes Skolion bezogen , ’Ad'firjtov Xöyog oder ysXog. Vgl. Schol. Aristoph. Ach. 980. Vielleicht hängt mit dieser Vertreibung des Admetos die von Parthen. erot. 5 erwähnte Thatsache zusam- men, dafs Admetos den zehnten Teil seiner Unterthanen unter Führung des Leukippos aus der Stadt fortsendet. Die Kinder des Adme- tos sind Eumelos {II om. B 714. W 289), Peri- mele , Gattin des Argos (Sohn des Plirixos) (Anton. Lih. c. 23), und Hippasos, s. o. Vgl. noch Epictet. diss. 2, 22, 11; 3, 20, 7. [Vgl. auch K.